Stand: 01.11.2019 13:42 Uhr

Wie sinnvoll sind Zusatzleistungen beim Urologen?

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Wie andere Fachärzte bieten auch Urologen Zusatzleistungen an, die nicht von den Krankenkassen bezahlt werden.

Seit der Einführung der sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) bieten Ärzte immer öfter Untersuchungen oder Behandlungen an, die nicht zum Leistungskatalog der Krankenkassen gehören. So bieten auch urologische Praxen zusätzlich zu den Vorsorgeuntersuchungen für Männer ab dem 45. Lebensjahr, die zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zählen, kostenpflichtige Zusatzuntersuchungen an.

Eine Urinprobe in einem Becher.

Wie sinnvoll sind Zusatzleistungen beim Urologen?

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Immer häufiger bieten Ärzte Leistungen an, die nicht von den Krankenkassen bezahlt werden. Welche Individuellen Gesundheitsleistungen sind beim Urologen sinnvoll?

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IGeL-Leistungen zur Früherkennung von Prostatakrebs

Im Mittelpunkt stehen dabei Untersuchungen zur Früherkennung urologischer Krebserkrankungen. Das Prostatakarzinom zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Männern. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 100.000 Neuerkrankungen diagnostiziert. Da Symptome und Beschwerden wie andauernder Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen erst im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung auftreten, raten Experten Männern ab 45 Jahren zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Wenn der Krebs rechtzeitig erkannt wird, kann er operativ entfernt werden.

PSA-Test: Erhöhter Wert nicht immer Zeichen für Tumor

In der Früherkennung hat der sogenannte PSA-Test einen hohen Stellenwert, obwohl er unter Experten umstritten ist. Der Bluttest für 30 bis 60 Euro weist das prostataspezifische Antigen (PSA) nach, ein Eiweiß, das ausschließlich im Gewebe der Prostata produziert wird. Ein erhöhter Wert weist jedoch nicht zwingend auf einen bösartigen Tumor hin. Vielmehr kann er auch Anzeichen einer Entzündung oder einer gutartigen Vergrößerung der Prostata sein. Und auch Fahrradfahren kann durch den dabei auf die Prostata ausgeübten Druck den PSA-Wert erhöhen. Ohne zusätzliche Diagnostik liefert ein einzelner PSA-Wert also keine verlässliche Aussage über das Fehlen oder Vorliegen eines Prostatakarzinoms. Experten schätzen, dass in bis zu 80 Prozent der Fälle eines erhöhten PSA-Wertes kein Tumor vorliegt.

Vorteile des PSA-Tests überwiegen

So wenig aussagekräftig ein einzelner PSA-Wert auch ist - im Verlauf über einen längeren Zeitraum gemessen, können diese Messwerte durchaus sinnvoll sein. Kommt es zu einem plötzlichen Anstieg der Werte, sollte eine Gewebeprobe entnommen werden. Bei aller Kritik überwiegen nach Meinung vieler Experten die Vorteile des PSA-Wertes. Ist er deutlich erhöht, sollte er ein Mal im Jahr kontrolliert werden, ansonsten alle drei bis vier Jahre.

Ultraschalluntersuchung der Prostata

Zur Krebsfrüherkennung wird auch eine Ultraschalluntersuchung der Prostata vom Enddarm aus (transrektal) angeboten. Die Kosten belaufen sich auf 40 bis 60 Euro. Damit kann der Urologe zwar präzise die Prostata ausmessen und ihr Volumen bestimmen - Krebs lässt sich damit aber nicht sicher erkennen.

Blasenkrebs: Urintest keine sichere Vorsorgeuntersuchung

Auch das Blasenkarzinom zählt zu den häufigeren urologischen Tumoren. Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 26.000 Menschen daran. Männer sind mehr als doppelt so oft betroffen wie Frauen. Besonders gefährdet sind Raucher, Menschen, die in der Chemie-, Farb- und Lederindustrie arbeiten sowie Friseure. Wird ein bösartiger Tumor rechtzeitig erkannt, kann er in der Regel gut behandelt werden. Sichere Vorsorgeuntersuchungen existieren aber nicht.

Ein Urintest für etwa 30 Euro zur Bestimmung des Eiweißstoffes NMP22, der bei Blasenkrebs vermehrt gebildet wird, eignet sich zwar zur Verlaufskontrolle von behandelten Blasentumoren, nicht jedoch als Früherkennungsmethode. Denn wenn das Ergebnis vorliegt, egal ob negativ oder positiv, kann man sich nicht wirklich sicher sein, ob es auch so stimmt. Manchmal werden vorhandene Tumoren nicht entdeckt, manchmal schlägt der Test aber auch an, obwohl kein Tumor da ist. Das führt immer wieder zu unnötigen Blasenspiegelungen, um die Diagnose zu sichern.

Blasenkrebs: Ultraschall zur Diagnostik wenig geeignet

Auch Ultraschalluntersuchungen durch die Bauchdecke (Kosten: 40 bis 100 Euro) sind zur Früherkennung von Blasenkrebs kaum geeignet, denn damit lassen sich solche Tumoren erst in fortgeschrittenen Stadien entdecken. Wichtiger ist es, auf Warnsignale wie blutigen Urin, immer wiederkehrende Blasenentzündungen, Schmerzen beim Wasserlassen oder gesteigerten Harndrang zu achten. Nur für Risikogruppen wie Raucher und Berufsgruppen, die Kontakt mit Lösungsmitteln haben, ist eine Ultraschallkontrolle wirklich sinnvoll.

Nierenkrebs: Ultraschall sinnvoll bei familiärer Vorbelastung

Anders als Blasenkrebs lassen sich seltene Nierentumore im Rahmen einer Früherkennungsuntersuchung der Nieren mittels Ultraschall (60 bis 160 Euro) tatsächlich frühzeitig darstellen. Diese Untersuchung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn Fälle von Nierenkrebs bei engen Verwandten aufgetreten sind. Die Bestimmung labormedizinischer Nierenfunktionsparameter zeigt dagegen erst dann Auffälligkeiten, wenn die Nierenfunktion bereits zu 50 Prozent eingeschränkt ist.

Eine weitere IGeL-Leistung beim Urologen ist der Nieren-Check. Dazu gehören eine körperliche Untersuchung sowie Blut- und Urintests, um Nierensteine, gutartige Organveränderungen und Funktionsstörungen zu finden. Je nach Aufwand rechnen Urologen dafür 60 bis 150 Euro ab. Allerdings sind diese Erkrankungen relativ selten.

Testosteronspiegel: Messung bei auffälligen Symptomen

Mit zunehmendem Alter sinkt der Testosteronspiegel, was zu Symptomen wie Leistungsabfall, Knochenabbau oder Impotenz führen kann. Urologen bieten Hormontests für 30 bis 100 Euro an. Aber alle diese Symptome können auch ganz andere Ursachen haben und nicht immer führt ein niedriger Testosteronspiegel tatsächlich zu Beschwerden. Ein Hormontest ist daher nur bei auffälligen Symptomen wie nachlassendem Bartwuchs wirklich sinnvoll - aber dann bezahlt ihn auch die Krankenkasse. Bei einem eindeutigen Mangel lässt sich der Hormonspiegel durch ein Testosteron-Gel täglich oder eine Depotspritze alle drei Monate wieder anheben.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Christian Wülfing, Chefarzt
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1
22763 Hamburg
(040) 18 18 81 16 61
www.asklepios.com

Dr. Thorsten Bruns, Facharzt für Urologie
Blankeneser Bahnhofstraße 15
22587 Hamburg
(040) 86 40 10
www.urodocs-blankenese.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 05.11.2019 | 20:15 Uhr

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