Stand: 12.01.2017 12:06 Uhr  | Archiv

Wie gesund ist Soja wirklich?

Sich vegetarisch oder vegan zu ernähren, liegt im Trend. 2016 gaben 5,29 Millionen Menschen in Deutschland an, auf Fleisch zu verzichten. Über 800.000 Deutsche konsumierten im vergangenen Jahr keinerlei tierische Lebensmittel und lebten vegan. Diejenigen, die ihren Fleischkonsum reduzieren, aber nicht einstellen wollen, bezeichnen sich häufig als "Flexitarier" und beschreiben damit den Versuch, weitestgehend auf Fleischwaren zu verzichten. Statt Steak oder Wurst landen dann Tofu oder Tempeh auf dem Teller - Fleischersatzprodukte aus Soja.

Gesunde Inhaltsstoffe

Sojabohnen zählen zu den Hülsenfrüchten. Seit mehr als 5.000 Jahren werden die Bohnen kultiviert. Sie sind reich an mehrfach gesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen, Kalzium, Folsäure und Selen. Hinzu kommen wichtige Mineralstoffe wie Magnesium, Mangan, Eisen und Zink. Da Soja außerdem viel pflanzliches Eiweiß enthält, nutzt es vor allem Vegetariern als hochwertige Proteinquelle. Sojabohnen werden überwiegend zu Tofu, Sojasoße, Sojamilch und Sojajoghurt verarbeitet. In fermentierter Form sind besonders Miso(-paste) und Tempeh verbreitet.

Wundermittel Soja?

In asiatischen Ländern, in denen der Sojakonsum besonders hoch ist, treten Erkrankungen wie Brust- oder Darmkrebs seltener als in westlichen Ländern auf. Zudem leiden die Menschen nicht so häufig an Osteoporose oder Herzproblemen. Die hohe Lebenserwartung der Japaner wird ebenso auf den Sojakonsum zurückgeführt. Dass Soja wirklich für ein überdurchschnittliches Alter oder das Ausbleiben bestimmter Krebserkrankungen verantwortlich ist, konnte bisher noch nicht zweifelsfrei belegt werden. Denn in Japan wird Soja meist vergoren, also in Form von Sojasoße, Miso oder Natto, verzehrt. Bei der Gärung entstehen gesundheitsfördernde Stoffe wie Vitamin B12. In Tofu oder Sojamilch fehlen diese Substanzen.

Pflanzenstoffe: Unklare Wirkung

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Gehört mittlerweile zum Standardsortiment der Supermärkte: Fleischersatz aus Soja.

Soja ist reich an sogenannten Isoflavonen (gelblich gefärbte Pflanzenfarbstoffe beziehungsweise sekundäre Pflanzenstoffe, auch Isoflavonoide genannt), die dem weiblichen Sexualhormon Östrogen ähneln. Sie können sowohl zellschützend als auch krebsfördernd wirken - hier ist die Studienlage nicht einheitlich, da der positive Effekt durch Soja bisher nur in asiatischen Ländern festgestellt werden konnte. Das kann am täglichen Verzehr von Soja, aber auch an einem eventuell gesünderen Lebensstil der Asiaten liegen. Da die heilende Wirkung der Pflanzenfarbstoffe hierzulande umstritten ist, rät das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR), Säuglingen und Kleinkindern keine Sojamilch zu verabreichen. Die US-Lebensmittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) empfiehlt Erwachsenen maximal 25 Gramm Sojaprotein pro Tag. Das entspricht ungefähr 300 Gramm Tofu oder 800 Milliliter Sojamilch.

Herkunft der Sojaprodukte beachten

Für den Anbau von Sojabohnen werden vor allem in Südamerika riesige Flächen Regenwald abgeholzt, deshalb sind Produkte mit Soja aus Europa empfehlenswert. Mehr als 90 Prozent der weltweiten Sojaproduktion besteht außerdem aus gentechnisch veränderten Bohnen. Es ist daher ratsam, auf entsprechende Kennzeichnungen beziehungsweise auf ein Bio-Siegel zu achten: Bei Sojaprodukten aus biologischem Anbau ist die Verwendung gentechnisch veränderter Zutaten unzulässig.

Auch wenn Soja kein Wundermittel ist - der Verzehr von Sojaprodukten für gesunde Erwachsene gilt als unbedenklich. Wurst und Co. ab und zu gegen Fleischersatz aus Soja auszutauschen, kann eine sinnvolle Entscheidung sein. Denn die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen, nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche zu essen.

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Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 13.01.2017 | 16:10 Uhr

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