Stand: 04.06.2018 12:41 Uhr  | Archiv

Wie gefährlich ist ein Blitzschlag?

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Ein Blitz setzt gewaltige Energie frei.

Ein Blitzschlag ist für Menschen immer lebensgefährlich. Denn ein Blitz erzeugt innerhalb von 0,02 Sekunden bis zu 30.000 Grad Hitze und eine Stromstärke von 200.000 Ampere. Mögliche Folgen sind schwere Verbrennungen, Atemlähmung, Ganzkörperkrämpfe, Herzrhythmusstörungen, neurologische Ausfälle und Nierenversagen. Wird nur ein Teil des Körpers getroffen, steigt die Überlebenschance. Über die Langzeitfolgen eines Blitzschlags für Gehirn, Herz und Nerven wissen Mediziner noch wenig: Schäden an den Nervenbahnen im Gehirn können jedoch zu einem eingeschränkten Kurzzeitgedächtnis, Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen führen.

Blitzschlag: Unterschiedliche Arten

Beim Blitzeinschlag sucht sich der Strom den einfachsten Weg durch den Körper. Eintrittsstellen sind häufig Augen und Ohren. Blutgefäße und Nervenbahnen leiten den Strom wie elektrische Kabel. Experten unterscheiden mehrere Arten, vom Blitz getroffen zu werden:

  • Beim direkten Blitzeinschlag trifft der Blitz den Kopf und die Schultern, der Strom fließt direkt durch den Körper.
  • Beim Kontakteffekt tritt der Blitz über einen Gegenstand in der Nähe in den Körper ein, zum Beispiel über einen Golfschläger in der Hand.
  • Ein sogenannter Überschlageffekt entsteht, wenn der Blitz beispielsweise in einen Baum einschlägt und ein Teil der Energie auf eine Person in der Nähe übertragen wird.
  • Der Schritteffekt tritt bis zu 200 Meter vom Blitzeinschlag entfernt auf: Beim Gehen, Stehen oder Laufen kann zwischen den Füßen eine sogenannte Potenzialdifferenz entstehen. Der Strom tritt dann über ein Bein in den Körper ein und über das andere Bein wieder aus.
  • Ein Leitereffekt entsteht, wenn der Blitz eine Telefonleitung trifft und darüber das Ohr eines telefonierenden Menschen erreicht.

Herzdruckmassage kann Leben retten

Bleibt nach einem Blitzschlag das Herz stehen, bestehen überdurchschnittlich gute Chancen für eine Reanimation. Mehr als 80 Prozent der Betroffenen lassen sich in den ersten fünf Minuten erfolgreich wiederbeleben. Deshalb sollte man bei einem leblosen Blitzschlagopfer sofort mit einer Herzdruckmassage beginnen. Angst vor "Reststrom" ist unbegründet, den gibt es nicht.

Überwachung auf Intensivstation

Wer einen Blitzeinschlag überlebt, muss ins Krankenhaus und mindestens 24 Stunden lang auf der Intensivstation überwacht werden. Denn Herzrhythmusstörungen, innere Verbrennungen, neurologische Ausfälle und Nierenversagen können auch noch Tage später auftreten. EKG, Blutdruck und die Laborwerte werden in dieser Zeit immer wieder überprüft.

Richtiges Verhalten bei Gewitter

Bei einem Gewitter sollte man sich an die 30-30-Regel halten:

  • Vergehen zwischen Blitz und Donner nicht mindestens 30 Sekunden, ist das Gewitter weniger als zehn Kilometer entfernt und damit bereits gefährlich, da Blitze auch 10 bis 15 Kilometer von der Gewitterfront entfernt einschlagen können.
  • Nach dem Gewitter sollte man mindestens 30 Minuten warten, bis man wieder ins Freie geht.

Wer keine Chance hat, in ein Auto oder Haus zu flüchten, sollte sich hinhocken, um dem Blitz möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Am besten beide Beine zusammenhalten und keine elektronischen Geräte benutzen, etwa das Smartphone. Auch Regenschirme, Bäume und Fahrräder bieten dem Blitz eine gute Angriffsfläche und sollten gemieden werden.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Alexander Staudt
Chefarzt Abteilung Kardiologie und Angiologie
Helios Kliniken Schwerin
Wismarsche Straße 393-397, 19049 Schwerin
Tel. (0385) 520-0
www.helios-gesundheit.de

PD Dr. med. habil. Fred Zack, Rechtsmediziner und Blitzforscher
Oberarzt Arbeitsbereich Forensische Medizin
Institut für Rechtsmedizin
Universität Rostock
St.-Georg-Straße 108, 18055 Rostock
rechtsmedizin.med.uni-rostock.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 05.06.2018 | 20:15 Uhr

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