Sendedatum: 27.11.2017 22:00 Uhr  | Archiv

Wie entsteht Diabetes?

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Nicht immer ist es bei Diabetes notwendig, Insulin zu spritzen.

Mehr als sieben Millionen Menschen leiden hierzulande unter Diabetes mellitus - der sogenannten Zuckerkrankheit. Hinzu kommt eine Dunkelziffer von geschätzt zwei Millionen Menschen, bei denen die Krankheit bisher noch gar nicht diagnostiziert wurde. Damit gehört Deutschland zu den zehn Ländern weltweit mit der höchsten Anzahl von Diabetes-Kranken. Laut dem Gesundheitsbericht Diabetes 2017 erkranken 300.000 weitere Menschen - jedes Jahr. Die Patienten werden zudem immer jünger.

Insulin: Lebenswichtiger Botenstoff

Geschichte des künstlichen Insulins

Noch Anfang des 19. Jahrhunderts kam die Diagnose Diabetes Typ 1 einem Todesurteil gleich. Die Patienten starben innerhalb kurzer Zeit, ohne dass ihnen geholfen werden konnte. Auch die Lebenserwartung von Typ-2-Diabetikern war stark verkürzt, vor allem aufgrund der schwerwiegenden Folgeerkrankungen durch den zu hohen Blutzuckerspiegel. Rettung versprach die erstmals 1921 gelungene Isolation des Insulins durch den kanadischen Wissenschaftler Frederick Grant Banting und seinen Assistenzen Charles Best. 1923 erhielten Banting und sein Kollege John Macleod, der maßgeblich an der Erforschung des Insulins beteiligt war, für ihre Leistung den Nobelpreis für Medizin. Früher bekamen Patienten ein aus der Bauchspeicheldrüse von Schweinen gewonnenes Insulin. Heute wird in der Regel ein gentechnisch produziertes Humaninsulin verabreicht.

In einem gesunden Stoffwechselhaushalt spielt das Hormon Insulin eine außerordentlich wichtige Rolle. Es dient als Botenstoff: Das Hormon ermöglicht die Aufnahme von Glucose (Zucker) in die Zellen, die sie als Energielieferant brauchen. Produziert wird Insulin in der Bauchspeicheldrüse, genauer von den Beta-Zellen der sogenannten Langerhans-Inseln (benannt nach dem Mediziner Paul Langerhans). Diese reagieren auf einen erhöhten Blutzuckerspiegel, etwa nach dem Essen, und produzieren Insulin. Der Körper kann die aus der Nahrung gewonnene Energie aufnehmen und der Blutzuckerspiegel sinkt wieder.

Ein normaler Spiegel liegt bei Erwachsenen nüchtern zwischen 70 und 110 Milligramm pro Deziliter Blut. Wenn die Bauchspeicheldrüse zu wenig oder gar kein Insulin herstellt oder die Zellen es nicht aufnehmen können, liegt eine massive Störung des Stoffwechselhaushaltes vor: der Diabetes. Mittlerweile ist "Zucker" eine der häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. Ein krankhaft hoher Blutzuckerspiegel an sich erzeugt keine Schmerzen, aber die Folgen können lebensbedrohlich sein.

Formen und Merkmale des Diabetes

Die übersetzt so harmlos klingende Krankheit - honigsüßer Durchfluss - ist in Wirklichkeit ein Sammelbegriff für zwei unterschiedliche Entstehungsweisen der Stoffwechselstörung.

Bei Diabetes Typ 1 handelt es sich meist um eine Autoimmunkrankheit, dabei richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper. Die Bauchspeicheldrüse produziert in diesem Fall kaum noch oder gar kein Insulin, da die Beta-Zellen der Langerhans-Inseln als Fremdkörper wahrgenommen und zerstört werden. Warum das so ist, ist noch nicht genau erforscht. Betroffene sind meist Kinder und Jugendliche. Seltener entsteht ein Typ-1-Diabetes auch im Erwachsenenalter.

Diabetes Typ 2 wird häufig noch als sogenannter Altersdiabetes bezeichnet, weil bis vor Kurzem vornehmlich ältere Menschen an dieser Form der Stoffwechselstörung erkrankten. Heute breitet sie sich geradezu epidemisch aus. Zu ihren Ursachen gehören mangelnde Bewegung, gepaart mit einer Überernährung.

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1. Die Bauchspeicheldrüse produziert zunächst noch Insulin in ausreichender Menge, aber die Zellen, die es eigentlich brauchen, erkennen es nicht mehr und nehmen es nicht auf. Es bilden sich Resistenzen gegen das Hormon, das jedoch weiter produziert wird, weil der Blutzuckerspiegel ja nicht sinkt. Irgendwann fährt der Körper die Produktion des Insulins dann aber herunter und stellt sie schlimmstenfalls ganz ein.

2. Die Bauchspeicheldrüse produziert für das entstandene Übergewicht nicht mehr ausreichend Insulin, denn der Insulinbedarf steigt bei erhöhtem Körperfettanteil. Bei einer Umstellung der Ernährung und einer Reduzierung des Gewichts würde die produzierte Menge jedoch ausreichend sein.

Zusammengefasst liegt bei Typ 2 eine vorwiegende Insulinresistenz mit einem relativen Insulin-Mangel vor.

Erste Merkmale der Krankheit

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Patientenfragen zu Diabetes

Antworten von den Fachexperten des Deutschen Diabetes-Zentrums extern

Da Diabetes an sich nicht schmerzhaft ist und die Symptome einzeln genommen meist nicht als gravierend wahrgenommen werden, wird die Diagnose oft erst recht spät gestellt. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass die Krankheit schon ausgebrochen ist, bevor folgende Merkmale auftreten: starkes Durstgefühl, häufiges Wasserlassen, juckende Haut, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsminderung, schlecht heilende Wunden, Sehstörungen, chronische Infektionen und Gewichtsabnahme. Auch Herzprobleme und Gefühlsstörungen in den Beinen können auftreten.

Aufgrund des erhöhten Blutzuckerspiegels ist die Krankheit im Verdachtsfall allerdings eindeutig mit einem Bluttest nachzuweisen. Liegt der Blutzuckerwert bei einer spontanen Blutabnahme bei über 200 Milligramm pro Deziliter und nüchtern über 126, liegt ein Diabetes vor.

Krankheitsfolgen für Typ-2-Diabetiker

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Die großen und kleinen Arterien werden durch einen erhöhten Blutzucker beeinträchtigt.

Wird Diabetes nicht behandelt, können die Folgeerkrankungen lebensbedrohlich sein. Bei Typ-2-Diabetikern sind die Ursache dafür dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte. Da die Krankheit bei ihnen meist schleichend und ohne Beschwerden beginnt, können Organe schon im Anfangsstadium geschädigt werden. Der erhöhte Blutzucker beeinträchtigt die großen und kleinen Arterien, die das sauerstoffreiche Blut in den Körper transportieren. Das kann zu Durchblutungsstörungen führen, sowohl in großen Gefäßen, als auch in ganz feinen.

Die schwerwiegenden Folgen: Erblindung, Arteriosklerose mit der Gefahr eines Herz- oder Schlaganfalls, Nierenversagen oder das Diabetische Fußsyndrom. Letzeres entsteht durch die verminderte Durchblutung von Beinen und Füßen. Wunden heilen schlecht, sodass die Gefahr steigt, dass Gewebe geschädigt wird. Im schlimmsten Fall muss ein betroffener Fuß amputiert werden. Tückisch ist, dass wir es nicht bemerken, wenn Nerven absterben. Eine weitere Folge für Männer kann zudem Impotenz sein.

Die häufigste Todesursache bei einem Diabetiker ist der stumme Herzinfarkt. Oft bemerken sie gar nicht, dass ihr Herz schlecht durchblutet ist. Luftnot kann das einzige Symptom sein, das einen Infarkt ankündigt. Deshalb ist es wichtig, dass sich Diabetiker regelmäßig einem Belastungs-EKG unterzieht.

Hypoglykämie: Gefahr hauptsächlich für Typ-1-Diabetiker

Akut lebensgefährlich kann für einen Diabetiker eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) werden. Insulin sorgt auch dafür, dass das Gehirn mit Energie versorgt wird. Gerade Typ-1-Diabetiker, deren Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produziert, laufen Gefahr, zu wenig Glukose im Blut zu haben. Ein diabetisches Koma droht, da das Gehirn unterversorgt ist. Das kann zu Schädigungen von Hirnzellen führen. Manche Patienten können die Symptome einer drohenden Hypoglykämie nicht wahrnehmen. Für sie könnte etwa ein Diabetikerwarnhund den Alltag sicherer machen.

Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 sind lebenslang auf die Zufuhr von Insulin angewiesen. Das Hormon muss gespritzt werden, da es im Darm zu schnell abgebaut werden würde.

Für die zweite Form des Diabetes sind mehrere Behandlungsmethoden möglich, abhängig von der Schwere der Stoffwechselstörung. Manche schaffen es, ihren Blutzuckerspiegel allein durch eine Änderung des Lebensstils in den Griff zu bekommen. Das bedeutet: mehr Bewegung, gesunde Ernährung und Abnehmen. Ausdauersport verbessert nicht nur die Blutzuckerwerte, sondern vermindert auch das Risiko eines Herzinfarktes oder Schlaganfalls.  Doch auch manche Typ-2-Diabetiker müssen sich regelmäßig und lebenslang Insulin spritzen.

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45 Min | 27.11.2017 | 22:00 Uhr

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