Stand: 19.04.2016 10:27 Uhr  | Archiv

Wie bleibt der Säure-Basen-Haushalt im Lot?

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Krankheiten können Säuren und Basen im Körper aus dem Gleichgewicht bringen.

Theorien zum Säure-Basen-Haushalt, zu Übersäuerung des Körpers und heilsamen Nahrungsergänzungsmitteln füllen etliche Ratgeber. Zu viel Säure soll müde machen, Kopf- und Gelenkschmerzen, Infektanfälligkeit, Rheuma und sogar Krebs fördern, eine basische Ernährung vor all diesen Problemen schützen. Tatsächlich sind Basen wie das bekannte Haushaltsnatron Gegenspieler der Säuren, sie neutralisieren sich gegenseitig.

Körpereigene Puffer halten Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht

In jedem Organismus stehen Säuren und Basen in einem lebenswichtigen Gleichgewicht, das über verschiedene Wege wie die Atmung oder die Nierenfunktion geregelt beziehungsweise abgepuffert wird. Auch die Ernährung beeinflusst den Säure-Basen-Haushalt. So steigert insbesondere Fleisch die Säurebelastung des Körpers, was aber die körpereigenen Puffer in der Regel problemlos ausgleichen.

Da der Gasaustausch über unsere Atmung für einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt sehr wichtig ist, müssen Ärzte bei einer künstlichen Beatmung genau darauf achten, dass er nicht durcheinandergerät. Deshalb wird bei der regelmäßigen Blutgasanalyse (BGA) immer gemessen, wie sauer das Blut ist. Durch Anpassung der Beatmungsparameter wie Atemfrequenz oder Atemvolumen lassen sich diese Werte sehr effektiv steuern.

Nierenkranke: Gefahr der Übersäuerung

Auch Krankheiten können Säuren und Basen aus dem Gleichgewicht bringen, vor allem Lungenerkrankungen, Diabetes oder eine Nierenschwäche. Arbeiten die Nieren nur noch eingeschränkt, fehlt dem Körper basisches Bicarbonat und der Körper übersäuert. Über Bicarbonattabletten lässt sich dieser Mangel aber problemlos ausgleichen. Aber auch zu viele Basen können gefährlich sein, vor allem für Nierenkranke. So sind Magensäure bindende Medikamente stark basisch und können zu einem dauerhaften Nierenversagen führen.

Abwechslungsreiche Ernährung und Bewegung am besten

Experten raten von ständigen Eingriffen in den Stoffwechsel durch Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel, spezielle Diäten oder Fasten eher ab. Fasten führe sogar zu einer Übersäuerung des Körpers. Eine abwechslungsreiche, eher basische Ernährung mit wenig oder gar keinem Fleisch und viel frischem Obst und Gemüse sei aber auf jeden Fall gesund. Mindestens ebenso wichtig ist aber viel Bewegung, denn körperliche Bewegung verbessert die Säureausscheidung.

Interviewpartner

Im Studio:
Dr. Michael Boschmann
Facharzt für Pharmakologie
Experimental and Clinical Research Center
Franz-Volhard-Zentrum für Klinische Forschung
Charité Universitätsmedizin Berlin - Campus Buch
Lindenberger Weg 80
13125 Berlin
Internet: www.mdc-berlin.de/34931500/de/research/themes/translation/ecrc/Probandeninfo

Im Beitrag:
Dr. Matthias Janneck
Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie
III. Medizinische Klinik und Poliklinik
Zentrum für Innere Medizin
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Internet: www.uke.de/kliniken-institute/kliniken/iii.-medizinische-klinik-und-poliklinik/index.html

Dieses Thema im Programm:

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