Stand: 27.08.2019 17:10 Uhr

Was hilft bei Blasen- oder Gebärmuttersenkung?

Von einer Beckenbodenschwäche ist etwa jede zweite Frau ist im Laufe ihres Lebens betroffen. Der Beckenboden ist ein Geflecht aus drei übereinander liegenden Muskelschichten und Bändern aus Bindegewebe. Er legt sich wie eine Acht um Vagina und After und spannt sich wie eine Hängematte zwischen den Beckenknochen auf. Hält die Beckenbodenmuskulatur die Organe des kleinen Beckens - Gebärmutter, Blase und Darm - nicht mehr an ihrem Platz, können sogenannte Senkungsbeschwerden auftreten.

Eine Grafik zur Gebärmuttersenkung

Was hilft bei Blasen- oder Gebärmuttersenkung?

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Inkontinenz oder Schmerzen im Unterleib können die Folge sein, wenn sich die Gebärmutter sich aufgrund einer Beckenbodenschwäche absenkt. Was können betroffene Frauen tun?

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Risikofaktoren für Senkungsbeschwerden

Im Laufe des Lebens schwächen Über- und Fehlbelastungen die Beckenbodenmuskulatur. Zu den Risikofaktoren für Senkungsbeschwerden zählen:

  • Schwangerschaften und Geburten
  • Übergewicht
  • schwere körperliche Arbeit

Zusätzlich begünstigen angeborene Bindegewebserkrankungen oder ein Hormonmangel das Fortschreiten der Muskelschwäche.

Weitere Informationen

Chat-Protokoll: Beckenbodenschwäche

Infolge einer Beckenbodenschwäche kann sich die Gebärmutter absenken. Die Urogynäkologin Dr. Tina Cadenbach-Blome hat im Visite Chat Fragen zum Thema beantwortet. mehr

Senkungsbeschwerden im Überblick

Meistens sind nicht nur einzelne, sondern mehrere Organe von der Senkung betroffen. Das Absinken kann mit verschiedenen Beschwerden verbunden sein:

  • Erhöhter Druck im Bauchraum kann zu einer sogenannten Belastungsinkontinenz führen: Beispielweise beim Lachen, Niesen, Husten, Hüpfen und Springen oder schwerem Heben kommt es zum unwillkürlichen Abgang von Urin.
  • Bei einer Gebärmuttersenkung können zusätzlich unangenehmes Ziehen, Druck- sowie Fremdkörpergefühl im Unterbauch und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten.

Beckenbodentraining stärkt Muskulatur

Regelmäßiges Beckenbodentraining kann einer Beckenbodenschwäche vorbeugen. Die Übungen bestehen aus einer bewussten Anspannung und Entspannung der Beckenbodenmuskulatur im Wechsel. Haben sich die Organe bereits abgesenkt, kann Beckenbodentraining in vielen Fällen verhindern, dass die Organe ihre Position weiter verändern.

Therapien bei Senkungsbeschwerden

Welche Therapie bei Senkungsbeschwerden die geeignete ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel

  • Kinderwunsch
  • Alter
  • Körperbau
  • Leidensdruck

Eine Therapie sollten betroffene Frauen mit dem behandelnden Gynäkologen abstimmen.

Senkungsbeschwerden mit Pessar behandeln

Eine Beckenbodenschwäche lässt sich in einigen Fällen mit einem Pessar behandeln. Ein Pessar besteht in der Regel aus Kunststoff und hat die Form einer Schale, eines Rings oder eines Würfels. Ein Pessar wird in die Scheide eingeführt, um das Scheidengewölbe zu spannen und damit die Gebärmutter abzustützen.

  • Fest eingesetzte Pessare können nur vom Frauenarzt eingeführt werden. Sie müssen spätestens nach sechs bis acht Wochen gewechselt werden. Nachteile: Sie stecken dauerhaft als Fremdkörper in der Scheide, es kann zu Druckschmerz und übel riechendem Ausfluss kommen.

  • Dagegen können sogenannte Würfelpessare wie ein Tampon täglich selbst eingeführt und entfernt werden.

Operationen bei Gebärmuttersenkung

Es gibt grundsätzlich zwei Operationsverfahren:

  • Operation mit eigenem Gewebe: Dabei wird das lockere Bindegewebe unter der Blase gerafft, so können die Organe unterpolstert und angehoben werden. Nach der Operation sollte man sich längere Zeit schonen und nicht zu schwer heben, damit das OP-Ergebnis nicht gefährdet ist.

  • Einsatz synthetischer Netze: Die Netze sollen den Beckenboden stützen, können aber zu erheblichen Komplikationen führen, zum Beispiel anhaltende Beschwerden durch abstehende Fäden, Entzündungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Verletzungen anderer Organe. In den USA wurden einige der sogenannten Vaginalnetze deshalb vom Markt genommen.

Wann die Netz-OP sinnvoll sein kann

Den Einsatz synthetischer Netze empfehlen die Fachgesellschaften in Deutschland nur dann, wenn erwartbar ist, dass mit der herkömmlichen Operationsmethode kein gutes Ergebnis zu erzielen ist - zum Beispiel

  • wenn der Beckenboden nach einer Straffung des Eigengewebes wiederholt absinkt oder

  • weitere Risikofaktoren vorliegen, etwa das Bindegewebe zu weich ist oder die Betroffene stark übergewichtig ist.

Andererseits sind heute schon neuere Netze auf dem Markt, die weitmaschiger gearbeitet sind als die Netze der ersten Generation, und daher zu einer geringeren Komplikationsrate führen, wenn sie von einem erfahrenen Operateur eingesetzt werden.

Worauf Frauen vor einer OP achten sollten

Vor einer Operation bei Senkungsbeschwerden sollte jede betroffene Frau nachfragen,

  • wie häufig die Operation durchgeführt wird - mindestens 50 bis 80 Mal im Jahr sollten es sein
  • ob die Operateurin oder der Operateur für sie mehrere OP-Methoden zur Auswahl bereithält

Sinnvoll ist es, in ein spezialisiertes urogynäkologisches Zentrum zu gehen, da der Erfolg der Operation und die Häufigkeit von Komplikationen in hohem Maße vom Können des OP-Teams abhängt.

Was tun bei Komplikationen?

Treten nach der Operation über längere Zeit starke Schmerzen im Bauch oder Rücken auf, kann es daran liegen, dass beim Befestigen des Netzes im Unterleib ein Nerv verletzt wurde. Solche Schmerzpunkte lassen sich neuerdings mit Botoxspritzen behandeln. Fäden, die in der Scheide tastbar sind und Geschlechtsverkehr unmöglich machen, lassen sich in einem weiteren Eingriff entfernen. Ansprechpartner bei Komplikationen sind spezialisierte Urogynäkologen.

Experten zum Thema

Tina Cadenbach-Blome
Leitende Oberärztin der Frauenklinik und Leitende Ärztin Urogynäkologie
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Str. 1
22763 Hamburg
www.asklepios.com

Dr. David Marghawal
Leitender Oberarzt der Abteilung Urologie
Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Str. 1
22763 Hamburg
www.asklepios.com

Weitere Informationen
Deutsche Kontinenz Gesellschaft
Friedrichstraße 15
60323 Frankfurt 
www.kontinenz-gesellschaft.de
Informationen über die Krankheit, Hilfsangebote, Klinik-Übersicht und Veranstaltungstipps

Dieses Thema im Programm:

Visite | 27.08.2019 | 20:15 Uhr

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