Stand: 20.03.2018 12:46 Uhr

Wann sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

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Nahrungsergänzungsmittel sind für gesunde Menschen meist überflüssig.

Viele Erwachsene in Deutschland greifen regelmäßig zu Nahrungsergänzungsmitteln - in der Hoffnung, ihrem Körper etwas Gutes zu tun. Deshalb boomt der Markt für Vitamine, Eisenpräparate und Co. Sie gehören zu den "essenziellen Stoffen", also jenen Substanzen, die der Körper dringend benötigt, aber nicht selbst herstellen kann. Nahrungsergänzungsmittel sind für Gesunde dennoch meistens überflüssig. Wer sich ausgewogen ernährt, bekommt alle Nährstoffe, Vitamine und Mineralien, die er braucht.

Blutabnahme

Wann sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

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Auch Gesunde greifen zu Nahrungsergänzungsmitteln und hoffen, ihrem Körper damit etwas Gutes zu tun. Doch wie sinnvoll sind Vitamine und Mineralien aus der Packung?

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Schlechte Ernährung kann nicht kompensiert werden

Nahrungsergänzungsmittel können eine schlechte Ernährung aber auch nicht ausgleichen, mahnen Experten. Nur in einzelnen Fällen, in der Schwangerschaft, im Alter und bei chronischen Krankheiten, zum Beispiel Morbus Crohn oder schweren Entzündungen, kann es zu einem Nährstoffmangel kommen, der mit Ergänzungsmitteln (Supplements) ausgeglichen werden muss. Zu einem höheren Bedarf bestimmter Nährstoffe führen oft auch bestimmte Diäten, hoher Alkoholkonsum und Rauchen. Wer sich vegan ernährt, muss darauf achten, dass er alle essenziellen Nährstoffe in ausreichender Menge über die verzehrten Lebensmittel zu sich nimmt. Insbesondere der Bedarf an Eisen und Vitamin B12 ist mit rein pflanzlicher Nahrung schwieriger zu decken.

Trotz gesunder Ernährung erschöpft und antriebslos?

Wer sich trotz gesunder Ernährung erschöpft und antriebslos fühlt, sollte einen Arzt aufsuchen. Stellt dieser zum Beispiel einen Eisenmangel fest, muss die Ursache gefunden und beispielsweise eine innere Blutung ausgeschlossen werden. Bei älteren Patienten können Appetitmangel oder der Verzicht auf Fleisch aufgrund von Kaubeschwerden zu einem Eisenmangel beitragen. Dazu kommen bei Älteren natürliche Veränderungen im Magen-Darm-Trakt, die die Eisenaufnahme im Körper reduzieren. Dass die Blutbildung im Knochenmark mit den Jahren abnimmt, verschärft die Auswirkungen des Eisenmangels zusätzlich. Als Folge kann das Blut weniger Sauerstoff im Körper transportieren, was zu einer chronischen Erschöpfung führt.

Bestimmte Ergänzungsmittel können sinnvoll sein

Bei älteren und kranken Menschen kann es sinnvoll sein, Omega-3-Fettsäuren, Eiweiß, Zink und Selen zu ergänzen. Menschen mit Herz-Kreislauf-Krankheiten oder dem Risiko einer Gefäßverkalkung können Omega-3-Fettsäuren auch vorsorglich einnehmen, ebenso Eiweiß gegen den Abbau von Muskeln und des Zahnhalteapparates. Selen erhält die Haargesundheit und fördert die Wundheilung. Bei älteren Menschen, die nicht mehr richtig essen, muss es ergänzt werden. Schwangere sollten Folsäure einnehmen, um Fehlbildungen beim Kind zu vermeiden. Für alle anderen Menschen ist eher Vorsicht geboten, denn falls sich im Darm Krebsvorstufen gebildet haben sollten, kann eine hohe Zufuhr von Folsäure das Wachstum bösartiger Tumore fördern.

Vorsicht bei Vitamin-B12-Mangel

Ein Mangel an Vitamin B12 kann zu neurologischen Beschwerden wie Schwindelattacken und heftigen Kopfschmerzanfällen führen. Vitamin B12 ist an der Blutbildung beteiligt, aber auch wichtig für das Zellwachstum und die Funktion der Nerven. Bei Patienten mit Morbus Crohn behindert die chronische Entzündung im Darm die Aufnahme von Vitamin B12. Ähnliches kann auch Menschen passieren, die täglich Magensäurehemmer oder blutverdünnende Medikamente einnehmen. Sie verändern den pH-Wert im Magen und hemmen so die Aufnahme von Mikronährstoffen. Diabetiker, die Metformin einnehmen, sollten ihren Vitamin-B12-Spiegel ebenfalls regelmäßig kontrollieren lassen.

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Vor der Einnahme: Blutuntersuchung beim Arzt

Doch nicht jeder, der mal müde ist, Schwindel hat oder wenig Fleisch isst, hat auch einen Eisen- oder Vitamin B12-Mangel: Ob man einen Ersatz braucht, kann nur eine Blutuntersuchung beim Arzt klären. Denn die voreilige Einnahme von Eisen- und Vitaminpräparaten oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln kann auch gesundheitsschädliche Nebenwirkungen haben: So fördert zu viel Vitamin E in Kapselform die Entstehung von Lungenkrebs. Antioxidantien wie Vitamin C und E können Sport weniger effektiv machen. Die jahrelange hoch dosierte Einnahme von Vitamin-B6- der B12 kann das Lungenkrebsrisiko bei Männern erhöhen.

Nahrungsergänzungsmittel nur unter ärztlicher Kontrolle

Als Wundermittel gegen Krebs, Osteoporose und Herzinfarkt wird seit einiger Zeit Vitamin K2 angepriesen. Doch entsprechende wissenschaftliche Erkenntnisse fehlen. Ganz allgemein können Nahrungsergänzungsmittel die Wirkung von Chemotherapie und Bestrahlung bei Krebspatienten beeinträchtigen. Sie sollten daher immer nur unter ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden.

Natürliche Vitamine und ihre Aufgaben
AufgabeMangelsymptomeenthalten in
Vitamin Awichtig für die Funktion der Augen und des  Zellwachstums, stärkt Haut und SchleimhäuteNachtblindheit, Austrocknung der Tränendrüsen, Störungen der Spermienbildung, Wasserkopf bei Neugeborenengelben und orangefarbenen Gemüsesorten und Früchten, Spinat, Grünkohl, Leber, Lebertran (Vorstufen von Vitamin A)
Vitamin B1
(Thiamin)
Energiestoffwechsel, Nervengewebe, HerzmuskulaturMüdigkeit, Appetitlosigkeit, Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit, Ödeme, Muskelschwund, HerzmuskelschwächeNüssen, Samen, Weizenkeimen, Erbsen, Bohnen, Linsen, Kartoffeln, Hefe, magerem Schweinefleisch
Vitamin B2
(Riboflavin)
Energie- und Eiweißstoffwechseleingerissene Mundwinkel, Entzündungen der Mundschleimhaut und der Hornhaut des AugesMilch, Eiern, Käse, Innereien, Fleisch, Fisch, Gemüse (z.B. Spinat oder Spargel)
Vitamin B6
(Pyridoxin)
Blutbildung, Funktionen des Nerven- und Immunsystems, Aminosäuren-StoffwechselEntzündungen im Augen-Nase-Mund-Bereich, schuppende Hautausschläge im Gesicht und am Kopf, Blutarmut, Taubheitsgefühle in Händen und FüßenLeber, Nieren, Nüssen, Samen, Fleisch, Fisch, Kohl, grünen Bohnen, Avocados, Bananen
Vitamin B12
(Cobalamin)
Blutbildung, Abbau einzelner FettsäurenBlutarmut, Müdigkeit, Zungenbrennen, Taubheitsgefühle (Mangelrisiko besonders bei Veganern und Älteren)Leber, Nieren, Fisch, Milch, Eiern, Käse, fermentierten Pflanzen wie z.B. Sauerkraut
FolsäureZellteilung und Zellneubildung, Blutbildung, ProteinstoffwechselBlutarmut, Demenz Arteriosklerose; Schwangerschaft: Missbildungen des EmbryosHefe, Leber, Weizenkeimen, Sojabohnen, Spinat, Trauben, Käse, Eiern
BiotinProtein-, Fett-, KohlenhydratstoffwechselHautausschlag, Erschöpfung, Übelkeit, Depression, Muskelschmerzen, Schwindel, AppetitlosigkeitHefe, Leber, Eigelb, Tomaten, Nüssen, Sardinen, Sojabohnen
Vitamin D Regelung des Kalzium- und Knochenstoffwechsels, Knochenbildung und -stärkungKnochenerweichung, Rachitis, Osteomalzie und Osteoporosefettem Fisch wie Hering oder Aal, Kalbfleisch, Pilzen
Vitamin CBildung von Bindegewebe, Wundheilung, antioxidante Wirkung (Zellschutz)Erhöhte Infektanfälligkeit,
Skorbut (schlechte Wundheilung, Muskelschwund und Zahnfleischbluten)
Hagebutten, Sanddorn, Zitrusfrüchten, Paprika, Erdbeeren, Kiwi, Preiselbeeren, Brokkoli, Tomaten, Kohl
Vitamin KBlutgerinnung, Bildung von Knochen-EiweißStörungen der Blutgerinnung, Spontanblutungen, bei Neugeborenen oft HirnblutungenEigelb, fetten Milchprodukten wie Käse, Kohl, Spinat, Sonnenblumenöl, Leber, Geflügel
Niacinunterstützt biochemische Prozesse zur Energiegewinnung in den Zellenallgemeine Schwäche,
starker Mangel führt zur Krankheit Pellagra (mit Entzündungen der Haut, Durchfall und neurologischen Störungen)
Nüssen, Eiern, Milch, Fisch, Fleisch, Innereien
Panthothensäurebeteiligt an biochemischen Reaktionen wie Fett- und Kohlenhydrat-Stoffwechsel, Cholesterin-SyntheseMagenschmerzen, Müdigkeit, Missempfindungen wie Taubheit oder Kribbeln und Brennen in den FüßenHefe, Getreide, Pilzen, Hülsenfrüchten, Eigelb, Hering, Leber

Interviewpartner

Dr. Claudia Drobik
Praktische Ärztin, Ernährungsmedizinerin
Marckmannstraße 88a, 20539 Hamburg
Internet: www.praxis-drobik.de

Prof. Dr. Christian Sina
Leiter Institut für Ernährungsmedizin
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
Tel. (0451) 3101-8401
Internet: www.uksh.de/Ernaehrungsmedizin_Luebeck/

Weitere Informationen:
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.
Godesberger Allee 18, 53175 Bonn
Internet: www.dge.de/

Vegetarierbund Deutschland e.V.
Nährstoffempfehlungen für Vegetarier, Veganer und andere
Genthiner Straße 48, 10785 Berlin
Internet: www.vebu.de/

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