Stand: 24.10.2017 13:55 Uhr  | Archiv

Verwirrt nach Operation: Risiko senken

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Eine Bewusstseinstrübung ist bei älteren Menschen nach einer OP nicht selten.

Nach einer Operation unter Narkose leiden etwa fünf bis 15 Prozent aller Betroffenen an einem sogenannten postoperativen kognitiven Defizit, auch Durchgangssyndrom oder Delir genannt. Bei den über 60-Jährigen sind es sogar 30 bis 40 Prozent. Die schwere Funktionsstörung des Gehirns ist mit einem langanhaltenden intensiven Albtraum vergleichbar. Gestört sind bei einem Delir zum Beispiel:

  • Bewusstsein, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Denken und Gedächtnis
  • Psychomotorik und Emotionalität
  • Schlaf-Wach-Rhythmus

Verwirrtheit und Halluzinationen

Das Delir kann direkt nach dem Erwachen aus der Narkose auftreten, innerhalb der ersten Stunden nach der Operation oder erst einige Tage später. Typische Symptome sind Phasen von Desorientierung, Verwirrtheit, körperlicher Unruhe, Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Betroffene sehen zum Beispiel Gegenstände oder Lebewesen, die nicht reell sind, oder sie erkennen ihre Angehörigen nicht, sind verwirrt oder aggressiv.

In vielen Fällen handelt es sich um eine vorübergehende Störung ohne Spätfolgen. Etwa 40 Prozent der Betroffenen sind jedoch auch ein Jahr nach dem Ereignis noch so stark in ihrer geistigen Leistungsfähigkeit eingeschränkt, dass sie dauerhaft pflegebedürftig sind. Ein Delir kann die Entwicklung von Demenzerkrankungen fördern.

Genaue Ursache noch ungeklärt

Die genauen Ursachen für die Entstehung sind noch nicht geklärt. Fest steht, dass es sich um ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren handelt. Eine entscheidende Rolle wird dabei der Reaktion des Gehirns auf entzündliche Prozesse im Körper zugeschrieben. Die Kombination aus Narkosemitteln, Schmerzbotenstoffen sowie Entzündungsmediatoren und Stresshormonen führen zu Veränderungen der Kommunikation der Nervenzellen untereinander und zum Untergang von Nervenzellen im zentralen Nervensystem. Dabei scheint das Gehirn von älteren Menschen anfälliger zu sein als das von jungen.

Risikofaktoren erkennen

Nur selten wird ein Delir durch einen Faktor allein verursacht. Risikofaktoren sind:

  • vorbestehende kognitive Defizite
  • männliches Geschlecht
  • Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck

Ein besonders hohes Risiko für das Auftreten eines Delirs besteht nach großen Operationen mit langer Narkose, zum Beispiel am Herzen oder bei Oberschenkelhalsbrüchen. Bis zu 80 Prozent der Betroffenen, die auf einer Intensivstation liegen und beatmet werden, leiden an einem Delir. Bei nicht beatmeten Patienten sind es bis zu 45 Prozent.

Postoperatives Delir erkennen und behandeln

Um ein Delir frühzeitig zu erkennen, sollten Ärzten den geistigen Zustand von Betroffenen schon kurz nach dem Erwachen aus einer Narkose beurteilen. Dazu überprüfen sie das Orientierungsvermögen mit einfachen Fragen zu Zeit, Ort und Person.

Delir nach OP behandeln

Die Behandlung eines Delirs ist schwer. Medikamente können es noch verstärken. Helfen kann das Pflegeteam:

  • Reorientierung: Immer wieder den Ort deutlich benennen. Brille, Hörgerät und Gebiss sofort nach der Operation zurückgeben.
  • Mobilisation: Kreislauf und Muskeln nach einer Operation stärken.
  • Angehörige einbeziehen: Der persönliche Bezug hilft, die Verbindung zur Realität wiederherzustellen.

Delir nach Operation vorbeugen

Mit einfachen Maßnahmen lässt sich das Risiko für das Auftreten eines Delirs senken:

  • bis zu zwei Stunden vor der OP und danach schluckweise trinken, zum Beispiel Wasser, klare Fruchtsäfte, Kaffee und Tee
  • frühzeitig nach der Operation wieder bewegen
  • Schlaf-Wach-Rhythmus erhalten
  • Medikamente meiden, die als Nebenwirkung Angstzustände auslösen können

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Visite | 24.10.2017 | 20:15 Uhr

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