Universeller Impfstoff gegen alle Corona-Varianten?

Stand: 19.04.2022 11:00 Uhr

Forschende arbeiten weltweit an einem Universal-Impfstoff, der - ähnlich einer Grippe-Impfung - nur einmal im Jahr verabreicht wird. Er soll ausreichend Schutz vor schweren Verläufen bei einer Corona-Infektion bieten.

Bei den aktuell zugelassenen Corona-Impfstoffen steht das Spike-Protein des Virus im Fokus - die "Zacken" auf der Oberfläche. Das Problem: Das Spike-Protein ist sehr wandelbar, seine Struktur verändert sich laufend. Über die Zeit oder auch plötzlich können die Veränderungen so groß sein, dass die bei der Impfung erzeugten Abwehrstoffe das Virus nicht mehr gut genug erkennen. Oder: Das Virus entwickelt einen Mechanismen, um sich vor der Immunantwort zu verstecken.

Künftiger Impfstoffsoll Zellen zu breiter Immunantwort anregen

Künftige Impfstoffe, an denen beispielsweise am Zentrum für Infektionsforschung des Helmholtz Instituts Braunschweig geforscht wird, könnten zum Beispiel auf die "Stiele" der Spike-Proteine zielen, die sich bei vielen Coronavirus-Varianten kaum verändern. So könnte eine möglichst breite Immunantwort ausgelöst werden und damit auch ein besserer Schutz vor kommenden Varianten.

An der University of North Carolina in den USA wird bereits an einem solchen Impfstoff gearbeitet. Dieser basiert unter anderem auf der neuen mRNA-Technologie. Nach der Impfung stellen die Körperzellen unterschiedliche Virus-Spike-Proteine her. Immunzellen nehmen die Information auf und stellen dann nicht nur Antikörper her, die gegen die einzelnen Viren wirken, sondern auch Antikörper die alle Viren-Varianten auf einmal neutralisieren.

Laborversuch des neuen mRNA-Impfstoffs erfolgreich

Das Forscher-Team in North Carolina geht aber noch einen Schritt weiter: Es werden Spike-Proteine, also vor allem die Stiele, die sich kaum verändern von bekannten Coronaviren, aber auch von Coronaviren von denen sie vermuten, dass sie in Zukunft auf den Menschen überspringen könnten, genutzt. Dabei handelt es sich um chimäre Spike-Proteine. Das bedeutet: Eine Kombination aus Bestandteilen der Spike-Proteine verschiedener Coronaviren.

Eine dieser Chimären vereinte beispielsweise Merkmale der Spike-Proteine von SARS-CoV-2, dem Verursacher der aktuellen Covid-19-Pandemie, aber auch von SARS-CoV, und einem Fledermaus-Coronavirus, das womöglich in Zukunft den Sprung auf den Menschen schaffen könnte.

Im Laborversuch war der mRNA-Impfstoff bereits erfolgreich: Die Mäuse, die den neuen Kombi-Impfstoff erhalten hatten, produzierten funktionsfähige Antikörper sowohl gegen SARS-CoV und SARS-CoV-2, als auch gegen die Fledermaus-Variante. Wurden sie nach abgeschlossener Immunisierung den Viren ausgesetzt, erkrankten sie nicht und an ihrem Lungengewebe ließen sich keinerlei Schäden nachweisen. Auch gegen Mutationen von SARS-CoV-2 wie die Omikron-Variante waren diese Mäuse geschützt. Bereits in diesem Jahr sollen die ersten klinischen Studien am Menschen durchgeführt werden.

Boostern schützt vor schweren Verläufen

In Deutschland arbeitet man bereits an einem an Omikron angepasstem Impfstoff, der auch gegen andere Varianten schützen könnte. Eine aktuelle Pre-Print Studie der Forscher von Biontech zeigt jetzt: Ein Omikron-Impfdurchbruch führt bei Menschen, die drei Dosen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer erhalten haben, zu einer Reifung von sogenannten B-Gedächtniszellen, die daraufhin Antikörper gegen verschiedenste Corona-Varianten herstellen können. Das hieße auch: Kommt der an Omikron angepasste mRNA-Impfstoff, gäbe es gute Chancen, gegen verschiedene neue Virus-Varianten einen Immunschutz aufzubauen. Bis dahin schützt das Boostern vor schweren Verläufen bei einer Omikron-Infektion.

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