Stand: 28.10.2018 06:34 Uhr

Uhren zurückgestellt - zum letzten Mal?

Die Sommerzeit 2018 ist vorbei. Um 3 Uhr nachts wurden die Uhren auf 2 Uhr zurückgestellt - die Nacht dauerte also eine Stunde länger. Nun gilt wieder die normale, die Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Morgens wird es dadurch früher hell, abends eher dunkel.

Möglicherweise war es die letzte Umstellung in diese Richtung, denn der Zeitsprung soll im kommenden Jahr europaweit abgeschafft werden. Bei einer Online-Umfrage der EU-Kommission hatte sich im Sommer eine klare Mehrheit der 4,6 Millionen Teilnehmer für diesen Schritt ausgesprochen. Entscheiden müssen allerdings das Europaparlament und die Regierungen der EU-Staaten.

Junge Frau im Bett schaut verzweifelt und legt die Hand gegen die Stirn. © Fotolia.com Foto: Sergey

Warum uns die Zeitumstellung zu schaffen macht

Mein Nachmittag -

Wenn Sommer- und Winterzeit sich abwechseln, gerät unser Leben etwas aus dem Takt. Viele klagen über Beschwerden. Schlafmediziner Holger Hein erklärt, was dahintersteckt.

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MEZ oder Sommerzeit?

Ob dann die bisherige MEZ oder die Sommerzeit gilt, wird kontrovers diskutiert. Jedes EU-Land darf selbst entscheiden. In Deutschland sprachen sich bei einer aktuellen Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit 48 Prozent der Teilnehmer für die Sommerzeit aus. In jedem Fall möchte die EU verhindern, dass es künftig einen Flickenteppich der Zeitzonen gibt. Bisher gelten drei verschiedene Zeiten in Ost-West-Richtung. Bei der Entscheidung drückt die Kommission aufs Tempo: Bis zum Jahresende sollen sich die Regierungen äußern, ob sie das Ende der Zeitumstellung befürworten. Falls ja, sollen sie sich bis April 2019 auf die künftige Regelung festlegen.

80 Prozent gegen die Zeitumstellung

In der Bevölkerung ist die Zeitumstellung unbeliebt. 80 Prozent der Bundesbürger halten sie für sinnlos und plädieren für die Abschaffung - mehr als je zuvor, so die DAK-Umfrage. 28 Prozent erklärten, sie hätten nach dem Zeitsprung schon einmal körperliche oder psychische Probleme gehabt. Meist fühlten sie sich müde oder schlapp, viele konnten schlecht einschlafen. Besonders Frauen und Menschen im Alter von 45 bis 59 Jahren klagten über Beschwerden.

Die gesundheitlichen Auswirkungen auf den Biorhythmus der Menschen sind mit einem Mini-Jetlag vergleichbar, wie er sich bei einer Flugreise durch mehrere Zeitzonen einstellt. Nach Einschätzung von Medizinern dauert es etwa acht bis 14 Tage, bis sich der Körper vollständig angepasst hat. Allerdings verkraftet der Organismus die Umstellung im Herbst meist besser als im Frühjahr, wenn eine Stunde Schlaf fehlt.

Vorsicht im Straßenverkehr

Verkehrsexperten warnen vor einem Risiko bei der Zeitumstellung. Da die Abenddämmerung plötzlich bereits am Spätnachmittag beginnt, steigt die Unfallgefahr. Autofahrer sollten besonders vorsichtig sein und frühzeitig die Beleuchtung einschalten. Der Deutsche Jagdverband berichtet von mehr Wildunfällen auf Strecken in oder an Wäldern, da der Berufsverkehr nun in der Dämmerung unterwegs ist.

Relikt der Ölkrise in 1970er-Jahren

Zeitumstellung kompakt

Beginn Sommerzeit: letzter Sonntag im März
Ende: letzter Sonntag im Oktober
Termine 2019: 31. März und 27. Oktober
Uhrzeit: im Oktober eine Stunde zurückstellen, von 3 Uhr auf 2 Uhr
Schlaf in der Wechselnacht:
im März eine Stunde weniger
im Oktober eine Stunde mehr
Helligkeit zur Sommerzeit: morgens später, abends länger

Bereits seit 1980 werden die Uhren in Deutschland im Frühjahr von der Mitteleuropäischen Zeit auf Sommerzeit umgestellt. Der Wechsel erfolgt jedes Jahr gleichzeitig in allen EU-Staaten und in den meisten europäischen Nachbarstaaten. Schon Ende der 1970er-Jahre hatten viele europäische Nachbarstaaten nach der Ölkrise von 1973 die Sommerzeit eingeführt, um das Tageslicht besser auszunutzen und so Energie zu sparen. Dieser Plan ist nach heutigen Erkenntnissen aber nicht aufgegangen.

Das Signal kommt aus Braunschweig

Die Zeitumstellung erfolgt immer am letzten Sonntag der Monate März und Oktober. 2018 begann die Mitteleuropäische Sommerzeit am 25. März. Taktgeber für den Zeitwechsel ist die Atomuhr der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Über einen Langwellensender bei Frankfurt am Main schickt sie ein Signal an alle funkgesteuerten Uhren in einem Umkreis von 2.000 Kilometern. An diesem Signal hängen beispielsweise Rundfunk- und Fernsehstationen, die Deutsche Bahn, Tarif-Schaltuhren der Energieversorger, Verkehrsampeln und auch alle privaten Funkuhren. Sie passen sich automatisch an die Mitteleuropäische Zeit an. Auch die meisten Computer erkennen den Zeitsprung.

Kommentar

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachrichten | 22.10.2018 | 08:08 Uhr

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