Stand: 23.06.2015 16:37 Uhr  | Archiv

"UVB-Strahlen können Erbgut direkt schädigen"

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"Erbgutschäden durch UV-Strahlen bleiben erhalten", sagt Dr. Cornelia Baldermann.

Ein guter Sonnenschutz ist im Sommer wichtig. Denn Sonnenstrahlen und ein Sonnenbrand können die Haut nachhaltig schädigen. Wie wirken UV-Strahlen auf die Haut und wie entsteht Hautkrebs? Dr. Cornelia Baldermann vom Bundesamt für Strahlenschutz gibt im Interview Antworten.

Wie tief reichen UVA-Strahlen und welchen Schäden können sie anrichten?

Dr. Cornelia Baldermann: UVA-Strahlung dringt relativ tief in unsere Haut ein - bis zur Lederhaut und bis zum Bindegewebe. Es schädigt dort das Kollagen und führt zur vorzeitigen Hautalterung und Faltenbildung.

Warum sind UVB-Strahlen nicht weniger gefährlich?

Baldermann: UVB-Strahlen dringen zwar nicht ganz so tief in die Haut ein, sind aber energiereicher als die UVA-Strahlen und können das Erbgut direkt schädigen. Diese Schäden können durch das köpereigene Reparatursystem wieder beseitigt werden, wenn dieses aber durch zu viel UV-Strahlung überbelastet ist, passieren Fehler. Und diese Fehler bedeuten dann, dass in den Zellen die Schäden bestehen bleiben und diese dann entarten können zu Krebszellen. Das ist die Ursache für Hautkrebs.

"Die Haut vergisst nichts" heißt es immer wieder, was steckt hinter dieser Mahnung?

Baldermann: Die Erbgutschäden bleiben erhalten. Die Stammzellen in der Haut sind die, die immer wieder neue Hautzellen generieren und wenn eine Stammzelle diesen Fehler hat, dann wird dieser Fehler immer weiter vervielfältigt. Das heißt, die Haut hat ein Mal einen Schaden abbekommen und vergisst ihn nicht.

Warum ist leichte Bräune auch schon ein Zeichen für Hautschäden?

Baldermann: In Wirklichkeit ist die Bräune der Schutzmechanismus unserer Haut auf bereits passierte Schädigungen. Wenn die Haut schon Schädigungen hat, versucht sich die Haut zu schützen, indem sie Pigment bildet und das lagert sich über den Zellkern an - zur Sonne hin ausgerichtet, sodass nicht noch mehr UV-Strahlung das Erbgut erreicht.

Wie läuft die Zellschädigung durch UV-Strahlen unter der Haut ab?

Baldermann: UVB-Strahlen dringen zwar nicht ganz so tief in die Haut ein, aber sie sind sehr viel energiereicher, weil sie kürzere Wellenlängen haben als UVA- Strahlen. Beide, UVA- und UVB-Strahlung schädigen das Erbgut. UVB-Strahlung kann es aufgrund der hohen Energie direkt. Das bedeutet, dass UVB-Strahlung in die Zellen eindringt. Dort wird sie von der DNA absorbiert und setzt dort einen sogenannten Cut, eine Mutation, im Erbgut. Im besten Falle wird die Zelle so stark geschädigt, dass sie abstirbt und abtransportiert wird - also einen sogenannten programmierten Zelltod durchläuft. Dann ist sie weg und sie ist für uns nicht mehr gefährlich. Das ungünstigste, was passieren kann ist, dass der Zellschaden, der Erbgutschaden in der Zelle bestehen bleibt und dort sich als Mutation festsetzt. Diese Mutation führt dann zur Entartung von dieser Zelle, zu einer Krebszelle.

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Das Interview führte Madlen Zeller.

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Visite | 23.06.2015 | 20:15 Uhr

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