Stand: 03.03.2015 12:43 Uhr  | Archiv

Mit Druckmassage gegen Schmerzen

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Triggerpunkte sind gut ertastbar.

Spürbar verhärtete Muskeln und Sehnenansätze, die empfindlich auf Druck reagieren und auch in ganz anderen Körperregionen zu Schmerzen führen können, werden als Triggerpunkte oder Myogelosen bezeichnet. Ausgelöst durch Fehlhaltungen, Bewegungsmangel, einseitige Belastung, Sportverletzungen, Arthrose oder auch durch psychische Probleme kommt es zu einer lokalen "Unordnung" im Zusammenspiel der Fasern von Muskeln, Sehnen und Faszien. Winzige Nervenenden werden irritiert und lösen den Schmerz aus. Die fehlende Fähigkeit, sich zu entspannen, führt auf Dauer zu einer Verkürzung der betroffenen Muskelfasern. Ärzte sprechen dabei auch vom "myofaszialen Syndrom".

Der Schmerz aus den Triggerpunkten, die oft mit den Akupunkturpunkten übereinstimmen, kann in andere Körpergebiete ausstrahlen: vom Gesäß ins Bein, von der Schulter in den Arm, vom Kiefergelenk in den Kopf. Das ist spürbar, wenn man auf einen Triggerpunkt drückt und dabei plötzlich Schmerzen in einer anderen Körperregion spürt. Experten gehen davon aus, dass bis zu 80 Prozent aller Schmerzen im Bewegungsapparat von Triggerpunkten ausgelöst werden.

Einsatz einer speziellen Druckmassage

Myogelosen können überall am Körper sitzen und sind im Röntgenbild nicht zu erkennen, lassen sich aber gut ertasten und behandeln, was schnell zu einer Schmerzlinderung führt. Dabei wird die Verhärtung der betroffenen Muskelstelle durch spezielle Formen der Druckmassagen, gezielte Einstiche und Manipulationen des Knotens mit (Akupunktur)-Nadeln (Dry Needeling) oder eine Injektion von lokalen Betäubungsmitteln aufgelöst. Der Nadelstich löst einen starken Reiz auf die verspannten Muskelfasern und die Nervenrezeptoren aus. Darauf reagieren die Muskelfasern, indem sie sich entspannen und verlängern, die Durchblutung wird verbessert und die Schmerzen lassen nach. Auch durch kräftiges Drücken des Triggerpunktes wird ein starker Reiz gesetzt, der verhärtete Muskel entspannt sich und Blut, Sauerstoff sowie Nährstoffe gelangen wieder in den Muskel - der Triggerpunkt löst sich.

Auslöser für die Schmerzen finden

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die manuelle Behandlung akuter und chronischer Schmerzen nach dem Fasziendistorsionsmodell (FDM): Nach der Theorie des US-amerikanischen Osteopathen Stephen Typaldos beeinflussen Störungen (Distorsionen) des Bindegewebes in charakteristischer Weise die Mimik und Körpersprache des Patienten, was sich für die Diagnostik nutzen lässt. Einmal erkannt, lassen sich diese Distorsionen durch bestimmte Handgriffe therapieren, die das Gefüge der Faszien wieder ordnen und die Schmerzen verschwinden lassen.

Nicht empfohlen wird die Triggerpunktbehandlung für Menschen, die blutverdünndende Medikamente einnehmen, da es bei ihnen leichter zu Einblutungen ins Gewebe kommen kann.

Generell gilt, dass die Behandlungsansätze zwar Schmerzen schnell verschwinden lassen, aber keine Dauerlösung sind. Damit die Schmerzen nicht wiederkehren, muss die eigentliche Ursache, meist Bewegungsmangel, dauernde Fehlhaltung oder Stress, gefunden und beseitigt werden.

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Interviewpartner:

Im Studio:
Dr. Sabine Bleuel
Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie
Schwerpunkt Hand- und Fußchirurgie
Faszientherapie nach Typaldos (FDM Practitioner)
Orthopädie und Chirurgie Elbchaussee
Elbchaussee 567
22587 Hamburg
Tel. (040) 86 23 21
Fax (040) 86 81 65
Internet: http://ifdmo.com/vip.php?User=23428

Im Beitrag:

Dr. Hans-Ulrich Hecker
Facharzt für Allgemeinmedizin
Lehrbeauftragter für Akupunktur und Naturheilverfahren
am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
ZCM|N - Ärztliches Zentrum für Chinesische Medizin | Naturheilverfahren
Lorentzendamm 45
24103 Kiel
Tel. (0431) 26 09 04 00
Fax (0431) 26 09 04 09
Internet: www.zcmn.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 03.03.2015 | 20:15 Uhr

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