Stand: 10.12.2018 13:25 Uhr  - Visite  | Archiv

Krank aus der Klinik? Tipps zur Entlassung

Bett auf einem Krankenhausflur © dpa / Picture Alliance
Reha-Patienten werden oft zu früh aus dem Krankenhaus entlassen.

Nach einer Operation bleiben Betroffene heute meistens deutlich kürzer im Krankenhaus als früher. Das liegt nur zum Teil am medizinischen Fortschritt wie minimalinvasiven Verfahren und verfeinerten Anästhesie-Verfahren. Eine wichtige Rolle spielt außerdem die Umstellung der Abrechnung von Pflegetagen auf sogenannte Fallpauschalen. Denn anders als früher rechnet es sich für die Kliniken heute nicht mehr, Erkrankte länger als unbedingt nötig aufzunehmen.

Viele Reha-Patienten zu früh entlassen

Je nach Krankheitsbild müssen die Krankenhäuser Mindestverweilzeiten einhalten, die jedoch relativ kurz angesetzt sind. Komplikationen oder individuelle Umstände werden oft nicht ausreichend berücksichtigt. Nach Experten-Schätzungen werden 15 bis 20 Prozent der Reha-Patienten zu früh aus dem Krankenhaus entlassen. Sie können oft nicht alle notwendigen Therapien mitmachen. Ist zum Beispiel eine Wunde noch nicht vollständig verheilt, darf der Betroffene nicht ins Schwimmbecken.

Entlassmanagement ist entscheidend

Auf ein funktionierendes Entlassmanagement sind vor allem schwer und chronisch Kranke angewiesen, die nach dem Klinikaufenthalt auf eine weitere Behandlung angewiesen sind. Im Extremfall kann die Entlassung über Leben und Tod entscheiden: Zum Beispiel müssen Betroffene mit einem Oberschenkelhalsbruch nahtlos weiterbehandelt werden, um schwere Komplikationen zu verhindern.

Zuständig für das Entlassmanagement ist in der Regel der Sozialdienst der Krankenhäuser. Ziel ist es, dass die Erkrankten zügig in Reha-Maßnahmen gelangen und bestimmte Alltagsaktivtäten wieder aufnehmen können. Wichtige Bestandteile sind:

  • Aufklärung über Selbsthilfegruppen
  • Stellen des Reha-Antrags
  • Information des Hausarztes
  • Terminvereinbarung zur Krankengymnastik
  • Beantragung benötigter Hilfsmittel
  • Anträge bei Leistungserbringern und Krankenkassen
  • Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
  • Medikationsplan
  • Entlassbrief
  • Anleitung zur Selbsthilfe bei der Genesung
  • Weitergabe aller versorgungsrelevanten Informationen

Hilfe bei der Entlassung aus dem Krankenhaus

Wer das Gefühl hat, von der Klinik bei der Entlassung alleingelassen zu werden, kann sich an den zuständigen Arzt wenden. Dabei sollte man auf konkrete Gründe hinweisen, die gegen eine Entlassung sprechen, zum Beispiel eine nicht verheilte Wunde, fehlende Betreuung oder mangelnde Mobilität.

Auch mit dem Patientenfürsprecher, Klinik-Seelsorger oder Fallmanager können Betroffene die Situation in Ruhe besprechen.

Vieles lässt sich schon vor dem Aufenthalt im Krankenhaus organisieren - zum Beispiel:

  • Kurzzeitpflege: Weitere Infos dazu gibt es bei den regionalen Pflegestützpunkten. Die Krankenkassen übernehmen nur in seltenen Fällen die Kosten von 80 Euro pro Tag.
  • Hilfsmittel: Wer nach einer Operation zum Beispiel auf eine Erhöhung für den Toilettensitz oder eine Einstiegshilfe für die Badewanne angewiesen ist, kann sich rechtzeitig darum kümmern.

Weitere Informationen
Rehasport mit dem Gymnastikball © Fotolia.com Foto: Picture-Factory

Reha-Antrag abgelehnt: Was tun?

Nach schwerer Krankheit unterstützt oft eine Reha die Genesung des Patienten. Doch Kranken- und Rentenversicherung lehnen viele Anträge ab. Beratungsstellen können helfen. mehr

Experten zum Thema

Dr. rer. pol. Bernard Braun, Gesundheitswissenschaftler
Abteilung Gesundheit, Pflege und Alterssicherung
SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik
Universität Bremen
Mary-Somerville-Straße 5
28359 Bremen
(0421) 597 68 96
www.socium.uni-bremen.de

Joachim Kurzbach, Facharzt für Innere Medizin
Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin & hausärztliche Versorgung
Rahlstedter Bahnhofstraße 25
22143 Hamburg
(040) 677 32 29
www.praxis-rahlstedt.de

Dr. Thorsten Kleinschmidt, Facharzt für Allgemeinmedizin
Hannoversche Straße 9b
38116 Braunschweig
(0531) 50 04 44
www.kleiprax.de

Weitere Informationen
Unabhängige Patientenberatung Deutschland - UPD gGmbH
Bundesgeschäftsstelle
Littenstraße 10
10179 Berlin
(0800) 011 77 22 (kostenfreies bundesweites Beratungstelefon)
www.patientenberatung.de

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