Stand: 29.04.2019 11:22 Uhr

Sodbrennen: Welche Ernährung hilft?

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Durch chronisches Sodbrennen kann sich die Speiseröhre entzünden.

Ein scharfer, brennender Schmerz, der aus dem Oberbauch in Richtung Hals aufsteigt: Gelegentliches Sodbrennen kennt fast jeder Dritte hierzulande. 35 Prozent der Betroffenen haben solche Beschwerden aber regelmäßig - mindestens einmal wöchentlich oder noch häufiger. Sie leiden unter der sogenannten Refluxkrankheit. Bei den meisten sind die Beschwerden chronisch, bestehen also über Jahre. Nach dem Essen, beim Liegen, Bücken oder körperlicher Belastung ist es besonders schlimm.

Ein animiertes Bild zeigt die Entstehung von Sodbrennen

Die richtige Ernährung bei Sodbrennen

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Typische Symptome für Sodbrennen sind Schmerzen in der Speiseröhre, Aufstoßen und Völlegefühl. Wie lassen sich die Beschwerden mit der richtigen Ernährung lindern?

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Ursache: Magensäure greift Speiseröhre an

Die Speiseröhre ist ein Muskelschlauch, der die Nahrung in den Magen transportiert. Dort angekommen, wird sie mithilfe von Magensäften zersetzt, die stark ätzende Salzsäure enthalten. Die Magenschleimhaut schützt den Magen vor der Säure. Gelangt aber Speisebrei am oberen Schließmuskel des Magens vorbei zurück in die Speiseröhre (Ösophagus), dann greift die Magensäure die ungeschützte Wand der Speiseröhre an. Das verursacht das Brennen. Auf Dauer wird die Speiseröhre durch die Säure geschädigt. Eine Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis) kann sich bilden, die unbehandelt zu Geschwüren und Vernarbungen führt. Mögliche Komplikation ist - in etwa zehn Prozent der Fälle - das sogenannte Barrett-Syndrom, bei dem sich das Gewebe der Speiseröhre entzündlich umwandelt - eine Vorstufe für Krebs.

Auslöser für Sodbrennen ist häufig, dass der Magen zu viel Säure produziert oder sich zu langsam entleert. Üppige, süße, fette oder saure Speisen, Alkohol und koffeinhaltige Getränke wirken sich negativ aus. Ein weiterer Grund für den Rückfluss des Magensafts ist oft eine Schwäche des Schließmuskels. Nikotin kann die Muskelspannung ebenso mindern wie bestimmte Medikamente. Auch Hormone können die Spannung herabsetzen, weshalb oft Schwangere ein Problem mit Sodbrennen haben - zusätzlich drückt das wachsende Kind auf den Magen. Zu enge Kleidung und Stress sind weitere Faktoren.

Was passiert bei der Refluxkrankheit?

Typische Symptome bei Sodbrennen

Starkes Brennen hinter dem Brustbein ist das Leitsymptom für die Refluxkrankheit. Unter Umständen kann sogar das Gefühl auftreten, keine Luft mehr zu bekommen. Weil die Speiseröhre dicht am Herzen liegt, denken Betroffene nicht selten, dass der Schmerz dort entsteht - im Englischen wird Sodbrennen deshalb auch als "Heartburn" (Herzbrennen) bezeichnet. Häufiger landen Reflux-Betroffene als Notfall mit dem Verdacht auf Herzinfarkt beim Arzt oder in der Klinik. Schmerzen im Brustkorb müssen tatsächlich immer abgeklärt werden - und bis zum Beweis des Gegenteils muss man davon ausgehen, dass eine Herzerkrankung dahinterstecken könnte. Findet sich bei den Untersuchungen aber kein Hinweis darauf, dann sollte man an den Magen denken.

Aufstoßen, Magendruck oder Völlegefühl sind häufige Begleiterscheinungen. Manche Menschen spüren kaum Sodbrennen, leiden dafür aber unter morgendlichem Husten oder Heiserkeit oder müssen sich sehr häufig räuspern. Schluckbeschwerden, Luftschlucken und ein schlechter Geschmack im Mund können ebenfalls auf die Refluxkrankheit hinweisen.

Diagnose: Spiegelung und Säuremessung

Der Arzt wird erfragen, wo genau die Schmerzen liegen, wann sie auftreten, und sich nach den Lebens- und Ernährungsgewohnheiten erkundigen. Bei Verdacht auf die Refluxkrankheit wird er eine Spiegelung von Speiseröhre und Magen (Gastroskopie) veranlassen, um die Speiseröhre mittels einer Schlauchkamera auf Entzündungszeichen, verätzte Stellen (Erosionen), Verengungen und Geschwülste zu untersuchen. Gegebenenfalls wird er Gewebeproben entnehmen.

Der Arzt kann auch eine Langzeit-Säuremessung in der Speiseröhre anordnen: Mit einer sogenannten 24-Stunden-pH-Metrie lässt sich die Refluxkrankheit sicher diagnostizieren. Die Messung erfolgt heute in der Regel katheterfrei, also ohne dass die ganze Messzeit über ein Schlauch liegen muss.

Therapie: Ernährung umstellen

Linderung verschafft oft schon eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten. Wichtig bei Sodbrennen: lieber vier bis fünf kleine Mahlzeiten essen statt zwei, drei große. Außerdem viel Eiweiß, zum Beispiel Milchprodukte, helles Fleisch, Nüsse oder Hülsenfrüchte essen. Auf Süßes und allzu Fettiges dagegen besser verzichten. Schädliche Zuckermengen stecken oft in Fertigprodukten wie Fruchtjoghurts, Pudding und Eis - ungünstig sind aber auch Weißmehlprodukte wie etwa Kuchen oder helle Brötchen. Heißhunger auf Süßes lässt sich durch Bittertropfen vertreiben: auf den Handrücken träufeln, schnuppern - der Appetit ist wie weggeblasen.

Zur Schonung der Speiseröhre und Magenschleimhaut können Sie einen Leinsamen-Aufguss versuchen. Dazu einen Esslöffel helle Leinsamen, am besten leicht geschrotet, in einen Becher geben, mit Wasser aufgießen und 20 Minuten quellen lassen. Über den Tag verteilt trinken. Wer will, kann die Leinsamen in ein Teesäckchen verpacken und vor dem Trinken entfernen.

Ein Verdauungsspaziergang ist ein bewährtes Hausmittel. Vier Stunden vor dem Zubettgehen sollte man dann nichts mehr essen und beim Schlafen den Oberkörper gern etwas höher lagern. Rauchen ist ein erheblicher Risikofaktor und sollte unbedingt eingestellt werden. Übergewichtige entlasten ihren Magen, wenn sie abnehmen. Sinnvoll ist auch, Stress abzubauen - ob durch Sport oder einen anders organisierten Alltag - und möglichst bequeme Kleidung zu tragen.

Sodbrennen mit Medikamenten behandeln

Ist die Speiseröhrenschleimhaut bereits entzündlich verändert, kann es in Einzelfällen nötig sein, mit verschreibungspflichtigen Medikamenten den Säureanteil im Reflux zu verringern. Dafür werden Säurehemmer, sogenannte Protonenpumpenhemmer (PPI), eingesetzt. Rezeptfreie Medikamente aus der Apotheke binden entweder die Magensäure (Antazida) oder behindern die Neuproduktion von Magensäure (H2-Rezeptorantagonisten). All diese Medikamente sind aber aufgrund ihrer nicht unerheblichen Nebenwirkungen nur für vorübergehende Abhilfe geeignet.

Weitere Informationen

Ernährung bei Sodbrennen

Viel Eiweiß, wenig Süßes, lieber kleine Mahlzeiten statt zwei, drei großen - das schützt Magen und Speiseröhre. Auch wichtig: das Abendbrot frühzeitig vor dem Hinlegen essen. mehr

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Sodbrennen/Refluxkrankheit: Die Therapie-Empfehlungen im DIN-A4-Format (PDF)

Die wichtigsten Fakten und Lebensmittelempfehlungen auf einen Blick. Download (100 KB)

Rezepte bei Sodbrennen

Eiweißreich und nicht zu fett: Diese Gerichte sind gesund bei Sodbrennen und Speiseröhrenentzündung - und noch dazu lecker und schnell gemacht! mehr

Experten zum Thema

Dr. Matthias Riedl
Internist, Diabetologe, Ernährungsmediziner             
Diabetes Zentrum Berliner Tor
Medicum Hamburg GmbH
Beim Strohhause 2
20097 Hamburg
(040) 807 97 90
www.medicum-hamburg.de

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Visite | 30.04.2019 | 20:15 Uhr

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