Stand: 07.04.2020 13:11 Uhr  - NDR Fernsehen

So gelingt der Einstieg in die Meditation

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Eberhard Kügler, Redakteur in der Abteilung Religion und Gesellschaft, ist ein anerkannter Lehrer des Zen.

Reize reduzieren und den Geist zur Ruhe kommen lassen - das ist ein Ziel beim Meditieren. Aber gerade dann fangen die Gedanken oft an zu wandern. Ist das schlimm und was kann man dagegen tun? Diese und andere Fragen beantwortet Eberhard Kügler, Redakteur beim NDR, aber auch anerkannter Zen-Lehrer.

Wie und warum sollte ich meditieren?

Eberhard Kügler: Wichtig ist, regelmäßig zu meditieren, so werden Sie mit der Zeit lernen, aufmerksamer mit sich selbst und Ihrer Umgebung umzugehen. Es gibt unterschiedliche Methoden: Für manche Menschen passt gleich die erste, andere müssen erst einmal verschiedene ausprobieren.

Auch und vor allem in Stresssituationen hat man aber dann ein eingeübtes Instrument, das man nutzen kann, um sich zu entspannen, sich wieder zu konzentrieren oder die eigenen Gefühle in schwierigen Situationen schnell zu beruhigen. Das gilt allerdings eher für einen niedrigen oder moderaten Stresslevel. Meditation ist jedenfalls kein Allheil- oder Wundermittel, aber bei einigem Training erwiesenermaßen dennoch hilfreich.

Was für eine Art Meditation zeigen Sie in dem Video?

Kügler: Ich biete hier eine am Zen orientierte Meditation an. Das entspricht meiner Anerkennung als "Zen-Lehrer".

Wie kann man verhindern, dabei zu denken?

Kügler: Oft kommen Gedankenströme in der Stille erst recht hoch. Aber das ist nicht weiter schlimm, sondern sehr normal. Unser Gehirn arbeitet ständig, damit uns nichts entgeht, was in unserer Umgebung passiert. Wir stammen ja von Vorfahren ab, die genau deshalb überlebt haben. Wenn unser Gehirn dann von außen kaum mehr gefüttert wird, beschäftigt es sich mit sich selbst: also mit dem unvollständigen Einkaufszettel, dem nächsten Projekt, dem tropfenden Wasserhahn oder dem Sinn des Lebens. Im Zen heißt es deshalb: Das Denken ist ein wilder Affe.

Zuhause meditieren

Doku & Reportage -

Wie lassen sich Ruhe und Entspannung in diesen Tagen finden? Diese geführte Meditation mit einem Zen-Lehrer hilft dabei, diese Form der Selbstbesinnung auszuprobieren.

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Die Beobachtung der Atmung hilft, aber anfangs meist nur kurz. Im Lauf der Zeit (und dieser Lauf kann ganz unterschiedlich dauern) sollten allerdings immer längere Strecken innerer Ruhe möglich werden. Es ist tatsächlich schon ein guter Start, überhaupt mal wahrzunehmen, was einem so alles durch den Kopf geht. Wichtig dabei: nicht ärgerlich auf sich selbst werden!

Ist es schlimm, wenn ich mich in meinen Gedanken verliere und dann über mich selbst ärgere?

Kügler: Das kommt darauf an. Normalerweise nein. Aber wenn massive Ängste und Verzweiflung alles dominieren, sofort aufhören, zu meditieren. Das ist der Grund, warum es wichtig ist, auf längere Sicht einen guten, erfahrenen und persönlichen Lehrer zu haben.

Was mache ich, wenn es nicht funktioniert?

Kügler: Nichts, wenn es nicht belastend ist; siehe oben. Denken ist einfach da, also nicht bewerten und sich damit zusätzlich stressen. Die vorgenommene Zeit möglichst bis zum Ende sitzen und immer wieder zum Atem zurückkommen. Oder zum Schmerz im großen Zeh. Oder zum Kitzeln an der Nasenspitze. Diese aber möglichst nicht kratzen, wenn sie schon mal etwas haben, das den Gedankenkreisel unterbricht. Falls das geht.

Welche Meditationsdauer ist für mich zuträglich?

Kügler: Alles ist gut. Circa 25 bis 30 Minuten sind erfahrungsgemäß hilfreich, um erst mal etwas aus dem Alltag herauszukommen und innerlich ein paar ruhige Momente zu haben; bis 45 Minuten, wenn Sie mehr Übung haben. Aber bitte nicht sofort übertreiben, wichtig ist Regelmäßigkeit.

Es wäre also gut, sich jeden Tag etwas Zeit dafür zu nehmen. Und wenn es nur fünf Minuten sind, sind diese fünf Minuten besser als nichts. Meist wird die Meditationszeit, zumindest nach meiner Erfahrung, dann sowieso und von selbst länger. Wie immer gilt am Anfang: nicht zu viel vornehmen oder gar machen.

Was für eine Art "Lätzchen" ist das, das Sie während der Meditation tragen?

Kügler: Dabei handelt es sich um ein Rakusu. Sehr, sehr verkürzt gesagt: Das Rakusu ist aus 16 einzelnen Stoffstreifen genäht und symbolisiert die einfache Kleidung Buddhas, die er sich nach seiner Erleuchtung aus Stoffresten selbst angefertigt haben soll. Es wird an einem breiten Band um den Nacken getragen. Dieses Nackenband ist mit einer Stickerei versehen, die die Zugehörigkeit zu einer der Zen-Richtungen repräsentiert. In meinem Fall handelt es sich um eine abgebrochene Piniennadel.

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Dieses Thema im Programm:

05.04.2020 | 08:45 Uhr