Stand: 23.08.2016 15:11 Uhr  | Archiv

Skalenussyndrom: Wenn Muskeln auf den Nerv drücken

Kribbeln, Taubheit und anhaltend starke Schmerzen in der Schulter - dahinter könnte auch ein Bandscheibenvorfall oder Sehnenproblem stecken. Zusätzlich zum MRT der Halswirbelsäule sollte man die Muskulatur untersuchen lassen. Diese besteht im Schulterbereich aus drei Muskelsträngen, die zusammen einen kleinen Kanal bilden, die sogenannte Skalenuslücke. Durch diese führt ein Nervenbündel, welches für die Brustmuskulatur zuständig ist und hinunter bis in die Finger verläuft.

Missempfindungen durch Muskelverspannung

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Das Skalenussyndrom verursacht Schmerzen in der Schulter, die bis in den Arm ausstrahlen können.

Verkürzt sich nun der vordere Muskel, beispielsweise durch eine Fehlhaltung, liegt auf dem hinteren zu viel Zug. In der Folge verengt sich die Skalenuslücke so stark, dass die Muskeln auf die Nerven drücken. Dies führt zu starken Schmerzen, aber auch Kribbeln und Taubheitsgefühlen - teils in Armen, Fingern und der Brust, am häufigsten in der Schulter.

Bleibt so eine Verengung der Skalenuslücke unentdeckt, kann das schlimme Folgen haben. Vor allem, wenn zusätzlich ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert wird, der aber gar nicht für die Schmerzen verantwortlich ist: In diesem Fall besteht die Gefahr, dass umsonst operiert wird - entweder an der Schulter oder im schlimmsten Fall mit allen Risiken an der Halswirbelsäule.

Nachhaltige Krankengymnastik hilft

Wird die Verengung hingegen diagnostiziert, kann die Physiotherapie Abhilfe schaffen. Mit einem gezielten Muskeltraining wird dabei das Ungleichgewicht zwischen dem zu starken Muskel und dem verkürzten schwachen Muskel wieder ausgeglichen. Das Prinzip: Der schwache Muskel wird trainiert, der überspannte wird gedehnt, und die Verengung kann sich auflösen. Für einen langfristigen Therapieerfolg ist es ebenfalls notwendig, die Fehlhaltung zu korrigieren, um einem erneuten Engpass vorzubeugen.

Interviewpartner im Beitrag und Studio
Dr. Christian Sturm, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Klinik für Rehabilitationsmedizin
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
Tel. (0511) 532 0, Fax (0511) 532 4130
E-Mail: sturm.christian@mh-hannover.de
Internet: www.mh-hannover.de

Interviewpartner im Beitrag
Dr. Katja Hüper
Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
Tel. (0511) 532 0, Fax (0511) 532 4130
Internet: www.mh-hannover.de

Weitere Informationen
Deutscher Verband für Physiotherapie (ZVK) e.V.
Deutzer Freiheit 72–74, 50679 Köln
Tel. (0221) 981027 0, Fax (0221) 981027 25
E-Mail: info@physio-deutschland.de
Internet: www.physio-deutschland.de

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Visite | 23.08.2016 | 20:15 Uhr

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