Stand: 22.06.2015 12:22 Uhr

Sitzen macht krank

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Deutsche sitzen im Schnitt täglich siebeneinhalb Stunden.

Wer stundenlang sitzt, gefährdet seine Gesundheit. Studien aus den USA und Australien haben gezeigt, dass Menschen, die sich viel bewegen, eine um fünf Jahre höhere Lebenserwartung haben als jene, die vor allem sitzen. Experten sprechen mittlerweile sogar von einer eigenen Krankheit: der Sitzkrankheit. Die Folgen sind Übergewicht und Rückenbeschwerden sowie ein erhöhtes Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf- und Krebs-Erkrankungen.

Junge Erwachsene sitzen täglich rund neun Stunden

Die meisten Menschen bewegen sich weniger, als sie denken: Sie fahren mit dem Auto zur Arbeit, nehmen den Aufzug anstelle der Treppe und arbeiten im Sitzen. Und auch in der Freizeit nimmt das Sitzen durch die vermehrte Nutzung des Internets stetig zu. Deutsche sitzen im Mittel siebeneinhalb Stunden am Tag - junge Erwachsene sogar neun Stunden. Zum Vergleich: Kolumbianer, Brasilianer und Portugiesen bewegen sich weltweit am meisten und sitzen im Durchschnitt nur etwa drei Stunden am Tag.

Stoffwechsel fährt runter

Durch langes Sitzen fährt der Stoffwechsel runter, sodass weniger Kalorien verbrannt werden. Die Folgen sind Übergewicht und ein erhöhtes Diabetes-Risiko. Die Gefahr für Verkalkungen der Herzkranzgefäße und Herzinfarkte steigt zudem mit jeder Stunde, die der Mensch pro Tag sitzt. Schuld daran ist insbesondere das Bauchfett. Es produziert Hormone und Enzyme, die als Botenstoffe in das Immunsystem des Körpers eingreifen und entzündliche Prozesse auslösen.

Lange Zeiten der Passivität wirken sich zudem negativ auf die Leistungsfähigkeit der Muskulatur aus. Fehlhaltungen werden dadurch begünstigt, sodass sich die Muskulatur verkürzt. Besonders Rückenschmerzen sind die Folge.

Die allgemeine Annahme, dass Vielsitzer diese gesundheitlichen Risiken mit Sport wettmachen können, ist nur bedingt richtig. "Bewegungslosigkeit" lässt sich durch Sport nicht ausgleichen. Auch dreimal eine Stunde Sport in der Woche reichen entgegen der landläufigen Annahmen nicht, um die gesundheitlichen Risiken des Sitzens auszugleichen. Denn der aktiven Zeit stehen sehr lange Phasen an Inaktivität gegenüber.

Mäßige, aber regelmäßige Bewegung hält den Stoffwechsel auf Trab. Daher ist insbesondere die Alltagsbewegung wichtig - zum Beispiel Treppensteigen statt Fahrstuhl oder Rolltreppefahren, oder beim Telefonieren aufstehen. Stehen verbraucht zum Beispiel doppelt so viel Energie wie Sitzen und erhöht die Muskelspannung. Experten raten, die tägliche Sitzzeit um zwei bis drei Stunden zu reduzieren.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. phil. Claudia Hacke
Sportwissenschaftlerin
Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel. (040) 741 05 47 80

Priv.-Doz. Dr. Onno Janßen
Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie
Endokrinologikum Hamburg
Lornsenstraße 4-6
22767 Hamburg
Tel. (040) 30 62 82 00
Fax: (040) 30 62 82 39
E-Mail: info@endokrinologikum.com
Internet: www.endokrinologikum.com/

Prof. Dr. med. Burkhard Weisser
Direktor des Instituts für Sportwissenschaften
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Tel. (0431) 880 52 87
E-Mail: bweisser@email.uni-kiel.de

Dieses Thema im Programm:

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