Sendedatum: 17.09.2013 20:15 Uhr

Sind probiotische Trinkjoghurts gesund?

Trinkjoghurt ist praktisch. Viele greifen vor allem zu sogenannten probiotischen Joghurts. Probiotisch bedeutet "pro bios" - für das Leben. Das bedeutet lediglich, dass die Kulturen im Joghurt noch leben. Diese Mikroorganismen sind in jedem Joghurt enthalten, solange er nicht nachträglich erhitzt worden ist. "Bifidus" sind körpereigene Milchsäure-Bakterien, die jeder von uns im Darm hat. Auch "Lactobacillus" haben alle Menschen im Darm. Sie sind Teil eines komplexen Ökosystems von mehr als 2.000 Bakterienvölkern in unserem Darm.

Hoher Zuckeranteil

Außer Bakterien sollen noch Obst, Vitamine und Kalzium in den Trinkflaschen stecken. Doch die Ernährungsexpertin Karin Riemann-Lorenz entdeckt: Die drei beliebtesten Trinkjoghurts enthalten kaum Früchte. Die Vitamine sind künstlich und zusätzlich sind sehr viele, auch künstliche Aromen, Verdickungsmittel und vor allem sehr viel Zucker zugesetzt. 100 Milliliter Activia enthält 11,5 Gramm Zucker, 100 Milliliter Actimel enthält 10,5 Gramm und in 100 Milliliter Yakult stecken 14,2 Gramm Zucker. Zum Vergleich: In 100 Milliliter Cola sind 10,6 Gramm Zucker enthalten.

In allen drei Produkten wurde milliardenfach lebende Kulturen gefunden, die zum Beispiel in der Lage sind, während einer Antiobiotika-Einnahme Durchfallerreger zu verdrängen. Doch um den Darm bei Gesunden nachhaltig positiv zu beeinflussen, müsste man circa 20 Fläschchen Trinkjoghurt pro Tag über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen zu sich nehmen. Das wären wiederum über 200 Gramm Zucker, also rund 70 Stück Würfelzucker pro Tag.

Alternative: Trinkjoghurt selbst herstellen

Gesünder ist es, sich einen Trinkjoghurt selbst herstellen: Ein paar Löffel Naturjoghurt mit Milch mischen bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Vanille und frische Früchte dazugeben - fertig ist der gesunde Trinkjoghurt.

Weitere Informationen

Joghurt als Medizin: Darmflora unterstützen

Nach einer Antibiotika-Therapie leiden viele Menschen an heftigen Durchfällen. Probiotischer Joghurt kann die gefürchtete Nebenwirkung oft verhindern. mehr

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Werner Solbach
Direktor
Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck

Oec. troph. Karin Riemann-Lorenz
Ernährungsberaterin
Verbraucherzentrale Hamburg
Tel. (040) 24 83 22 40
Fax (040) 24 83 22 90

Dieses Thema im Programm:

Visite | 17.09.2013 | 20:15 Uhr

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