Sicca-Syndrom: Was hilft bei trockenen Augen?

Stand: 27.09.2021 12:58 Uhr

Trockene Augen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen. Ursache ist oft eine zu geringe Menge an Tränenflüssigkeit. Dafür können auch Medikamente oder Krankheiten der Auslöser sein.

In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Zahl der Betroffenen mehr als verdreifacht. Frauen leiden häufiger unter trockenen Augen (Sicca-Syndrom) als Männer. Die Beschwerden sind vielfältig: juckende, brennende oder gerötete Augen, das Gefühl von müden Augen, verschwommenes Sehen oder ein Fremdkörpergefühl. Und auch wenn dauernd Tränen fließen, können die Augen zu trocken sein.

Ursachen für das Sicca-Syndrom

Für die Entstehung von trockenen Augen gibt es mehrere Ursachen:

  • Häufig ist die Tränenflüssigkeit die Ursache für trockene Augen, wenn ihre Menge zu gering ist oder der Tränenfilm nicht lang genug auf der Augenoberfläche bleibt.

  • Auch Medikamente wie zum Beispiel Betablocker, Psychopharmaka, Schlafmittel oder Präparate gegen Allergien greifen in die Produktion des Tränenfilms ein und können trockene Augen verursachen.

  • Vermutlich ist die zunehmende Umweltbelastung an der Entwicklung der Beschwerden nicht unerheblich beteiligt. Auch trockene Heizungsluft und Klimaanlagen begünstigen die erhöhte Verdunstung des Tränenfilms. Konzentriertes Arbeiten am Computer führt zu einer reduzierten Frequenz des Blinzelns und damit zu trockenen Augen. Für dieses Phänomen gibt es sogar einen eigenen Namen: das "Office-Eye-Syndrom" oder "Büroaugen-Syndrom".

  • Auch verstopfte Lidranddrüsen, die Meibomschen Drüsen, können zu trockenen Augen führen. Hinweise sind winzige, krümelige Ablagerungen am Lidrand, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Ursache für die Verstopfungen können Milben sein. Die winzigen Spinnentierchen leben bei vielen Menschen an Haarfollikeln, Wimpern oder auf der Haut. Dort ernähren sie sich von Hautschüppchen, Fett und Bakterien. Auch Tropfen gegen Grünen Star können die Meibomschen Drüsen beeinflussen und in ihrer Produktion hemmen oder zumindest einschränken. Und das wiederum führt dann zu Entzündungen der Lidränder und zu trockenen Augen.

Wie der Tränenfilm das Auge schützt

Normalerweise schlägt das Augenlid etwa 10 bis 15 Mal pro Minute und verteilt den Tränenfilm gleichmäßig auf der Hornhaut. Der Tränenfilm schützt das Auge vor Fremdkörpern und bildet eine Gleitschicht für das obere Augenlid. Seine Bestandteile versorgen die vorderen Schichten der Hornhaut mit Nährstoffen. Durch seine antimikrobiellen Bestandteile schützt der Tränenfilm den vorderen Augapfel vor Infektionen. Und nicht zuletzt glättet der Tränenfilm die Hornhautoberfläche und macht damit scharfes Sehen überhaupt erst möglich.

Der Tränenfilm besteht aus drei Schichten: Die oberste Schicht enthält vor allem Fette. Sie bildet die optisch wirksame, glatte Grenzschicht zur Luft und verhindert das schnelle Verdunsten der wässrigen mittleren Schicht. Die innere Schleimschicht grenzt an die Hornhaut.

Wird weniger Tränenflüssigkeit gebildet oder ändert sich die Zusammensetzung des Tränenfilms, werden die Augen trocken, die Bakterien im Biofilm an der Lidrandkante nehmen zu und führen vermehrt zu Entzündungen.

Frauen stärker betroffen als Männer

Die Produktion des Tränenfilms unterliegt tageszeitlichen Schwankungen und nimmt zum Abend hin ab. Auch mit zunehmendem Alter produziert der Körper weniger Tränenflüssigkeit. Frauen sind davon stärker betroffen als Männer, weil hormonelle Faktoren einen Einfluss auf die Schleimhäute und damit auch auf den Tränenfilm haben.

Bei schweren Verläufen kommt es zu einer ausgeprägten Oberflächenstörung an Bindehaut und Hornhaut. Die Folge können nicht heilende Epitheldefekte an der Hornhaut oder Hornhautgeschwüre bis hin zur Hornhautperforation sein.

Menge der Tränenflüssigkeit bestimmen

Die Menge der produzierten Tränenflüssigkeit kann durch einen einfachen Test, den Schirmer-Test, bestimmt werden. Dazu wird ein Streifen Filterpapier (Lackmuspapier) in den Bindehautsack des äußeren Lidwinkels eingehängt. Nach fünf Minuten wird die Strecke abgelesen, die die Tränenflüssigkeit in dem Papierstreifen zurückgelegt hat.

Der Test kann auf zwei unterschiedliche Weisen erfolgen:

  • Am unbetäubten Auge wird die Reizsekretion getestet. Hier sollten nach fünf Minuten etwa 10 bis 15 Millimeter des Lackmusstreifens angefärbt werden.

  • Unter örtlicher Betäubung wird die sogenannte basale Tränensekretion gemessen. Eine Laufstrecke von weniger als zehn Millimetern weist auf eine zu geringe Tränenproduktion hin.

Qualität des Tränenfilms überprüfen

Die Qualität des Tränenfilms kann der Augenarzt mithilfe der sogenannten Aufbrechzeit überprüfen. Dafür wird die Hornhaut eingefärbt und die Veränderung durch eine Spaltlampe beobachtet. Der Tränenfilm sollte nach jedem Lidschlag zehn Sekunden auf den Augen halten. Reißt er zu früh auf, ist das ein Zeichen dafür, dass die Zusammensetzung gestört ist.

Wie Augentropfen, Sprays, Salben und Stöpsel helfen

Trockene Augen sollten keinesfalls ignoriert werden, denn in der Folge können die Augen weniger beweglich werden, die Hornhäute vernarben oder eintrüben - im Extremfall bis zur Erblindung.

  • Benetzende Augentropfen können helfen. Tränenersatzmittel gibt es rezeptfrei in der Apotheke. Die klassischen Tropfen enthalten in der Regel Konservierungsstoffe. Spezielle Dosier-Tropf-Fläschchen oder Packungen zum einmaligen Gebrauch kommen ohne Konservierungsstoffe aus und sind oft besser verträglich. Darüber hinaus werden Tränenersatzmittel als Spray sowie als Salbe für die Nacht angeboten. Bei anhaltenden Beschwerden sollte die Ursache immer von einem Augenarzt abgeklärt werden.

  • Verstopfte Meibomsche Drüsen lassen sich mit gründlicher Lidrandpflege frei bekommen. Dazu werden ein bis zwei Mal pro Tag sehr warme (nicht heiße) Kompressen zehn Minuten auf die Lider gelegt. Danach streicht man den Lidrand von außen nach innen mit angefeuchteten Tüchern, Wattestäbchen oder in Teebaumöl getränkten Einmaltüchern ab. Nach etwa einer Woche sollten die Beschwerden deutlich nachlassen.

  • Auch genügend Schlaf ist wichtig, damit sich unsere Augen vom bilderreichen Tag erholen und fit in den neuen Tag starten können.

  • Wer unter zu wenig Tränenflüssigkeit leidet, kann verhindern, dass diese zu schnell aus dem Auge fließt: Der Hauptabflusskanal lässt sich mit winzigen Stöpseln aus Silikon verstopfen. Die Methode hilft, aber nicht in allen Fällen. Krankenkassen erstatten die Kosten von 100 bis 150 Euro nur manchmal.

  • Für schwere Fälle von Augentrockenheit gibt es seit einigen Jahren Tropfen mit Ciclosporin, eigentlich ein Mittel gegen Abstoßungen nach Organtransplantation. Diese Augentropfen sind ein großer Fortschritt in der Behandlung des trockenen Auges.

Augen vor Trockenheit schützen

Diese einfachen Maßnahmen können trockene Augen in vielen Fällen verhindern:

  • Klimaanlage und Lüfter abschalten

  • Regelmäßig das Fenster öffnen, sowohl im Auto als auch im Büro.

  • direkten Luftstrom auf das Auge meiden

  • Zigarettenrauch meiden

  • viel Wasser trinken

  • Sonnenschutz mit einer Qualitätssonnenbrille vom Optiker

  • bei der Bildschirmarbeit, beim Fernsehen und Lesen öfter blinzeln, regelmäßig kurze Pausen einlegen

  • Augen nicht reiben, sondern blinzeln

Dieses Thema im Programm:

Visite | 28.09.2021 | 20:15 Uhr

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