Stand: 29.05.2020 17:09 Uhr

So reinigt Seife und schützt vor Viren

Nahaufnahme einer Hand die Flüssigseife aus einem Seifenspender entnimmt © fotolia.com Foto: Marina Lohrbach
Flüssigseifen, sogenannte Syndets, gelten als hygienischer als das klassische Seifenstück.

Regelmäßiges und gründliches Händewaschen ist besonders in Zeiten der Corona-Pandemie eine wichtige Regel. Aber womit am besten? Ganz einfach: Seife und Handcreme - mehr braucht es nicht für virenfreie und gesunde Hände.

Woraus besteht Seife?

Seife - das steht für Sauberkeit und guten Duft. Grundbestandteil sind häufig pflanzliche Fette wie Kokosfett, Oliven- oder Palmöl. Doch nicht jede Seife besteht aus wertvollen Ölen. Viele industriell hergestellte Seifen enthalten tierisches Fett aus Schlachtabfällen wie Rindertalg, zu erkennen an der Zutat Sodium tallowate auf der Inhaltsliste. Für den angenehmen Geruch sorgen dann Duftstoffe.

VIDEO: Seife: Wie sie reinigt und vor Viren schützt (6 Min)

Eine Lauge zerlegt das Fett

Weiterer wesentlicher Bestandteil von Seife ist eine Lauge, meist Natron- und Kalilauge. Bei der sogenannten Verseifung werden Fette mit der Lauge aufgekocht und dabei in Glycerin und Salze der Fettsäuren zerlegt. Es entsteht der sogenannte Seifenleim. Natriumchlorid (Kochsalz) trennt diesen breiigen Sud. Der feste, oben schwimmende Seifenkern aus den Salzen wird als Kernseife abgeschöpft. Zusammen mit Zutaten wie Duft- und Farbstoffen, ätherischen Ölen und Konservierungsstoffen entstehen daraus verschiedene Seifen.

Naturseifen nutzen pflanzliche Öle

Anders bei sogenannten Naturseifen: Dort bleibt das Glycerin pflanzlicher Öle in der Seife erhalten. Unterschiedliche Eigenschaften und Gerüche der Öle ergeben verschiedene Seifen. Wie bei allen Kosmetik-Produkten müssen Inhaltsstoffe unter dem Stichwort "Ingredients" auf der Verpackung genannt werden - nicht in deutscher Sprache, sondern nach dem internationalen Standard INCI.

Flüssigseife auf dem Vormarsch

Die Liste der Inhaltsstoffe auf einer Flasche Flüssigseife © NDR Foto: Axel Franz
Flüssigseifen enthalten zahlreiche Stoffe, die auf der Verpackung genannt werden müssen.

Das klassische Seifenstück wird zunehmend von Flüssigseifen verdrängt. Allerdings sind Flüssigseifen keine Seifen im herkömmlichen Sinne. Sie bestehen überwiegend nicht aus verseiften Fetten, sondern aus Wasser, synthetisch hergestellten Tensiden wie dem Stoff Sodium Laureth Sulfate sowie Duft-, Verdickungs- und Konservierungsmitteln. Die sogenannten Syndets gelten im Allgemeinen als hygienischer, da sich am kleinen Auslass des Spenders weniger Keime bilden können als auf einem großen, feuchten Seifenstück.

Der pH-Wert macht den Unterschied

Flüssigseifen sind echten Seifen vor allem in Bezug auf den Erhalt des Säureschutzmantels der Haut überlegen. Während feste Seifen einen stark basischen pH-Wert von neun bis zehn haben, liegt der pH-Wert der Flüssigseifen bei rund fünf, etwa dem normalen Wert der Haut. Nach dem Gebrauch von fester Seife steigt der pH der Haut zunächst an. Es dauert rund zwei bis vier Stunden, bis die Haut wieder ihren normalen pH-Wert erreicht.

Flüssige und feste Seifen reinigen gleichwertig.

Flüssige und feste Seife haben etwas gemeinsam: Sie machen sauber, und zwar nach dem gleichen Prinzip. Ihre Waschmoleküle bestehen aus zwei Teilen:

  • die Köpfchen lieben Wasser
  • die Schwanzenden binden gerne an Fett an.

Die Waschmoleküle umhüllen den Schmutz, der im Fett der Haut sitzt. So lässt sich auch hartnäckiger Dreck lösen. Und genau dieser Mechanismus macht auch den meisten Viren-Arten den Garaus, wie etwa dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2. Die Hülle der Viren besteht aus Fetten (Lipiden). Die Seifenmoleküle brechen die Hülle auf und zerstören so das Virus. Mit Wasser wird es dann weggespült. Sowohl feste als auch flüssige Seife sind also echte Keimkiller. Und: Sie sind genauso wirksam wie teure antibakterielle Seifen. Allerdings muss man sich ausreichend lange einseifen, um Krankheitserreger effektiv zu entfernen. Empfohlen werden 20 bis 30 Sekunden.

Nach dem Händewaschen nachfetten

Diese Gründlichkeit hat allerdings ihren Preis, denn Seife - egal ob fest oder flüssig - entfernt nicht nur Schmutz und Keime, sondern auch das Fett auf unserer Haut. Dieser dünne Fettfilm wirkt eigentlich wie eine Schutzbarriere. Wird er ständig "weggewaschen", wird die Haut durchlässiger. Stoffe, mit denen wir in Berührung kommen, können dann tief in die Haut eindringen und Kontaktallergien auslösen. Manche Menschen reagieren dann zum Beispiel empfindlich auf Farb- und Duftstoffe in Seife und anderen Kosmetika. Die Folge sind juckende Ekzeme, sogar Infektionen der Haut sind möglich. Vorbeugen kann man mit Seifen, die folgende Kriterien erfüllen:

  • pH-neutrale Produkte
  • ohne Farbstoffe
  • ohne Parfüm
  • ohne Konservierungsmittel.

Am besten ist es, die Haut nach dem Waschen nachzufetten.

Alkoholisches Handdesinfektionsmittel wirkt etwas weniger austrocknend als Seife und kann zwischendurch eine Alternative sein. Allerdings sollte man es nie direkt nach dem Waschen mit Seife anwenden, denn diese Kombination ist besonders aggressiv zur Haut.

Weitere Informationen
Zwei Hände mit Seife. © fotolia.com Foto: staras

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Expertin zum Thema

Dr. Julia Maerker-Stroemer, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie
Hautarztpraxis im Krohnstiegcenter
Krohnstieg 41-43, 22415 Hamburg
(0 40) 41 12 55 66-0
www.hautarztpraxis-langenhorn.de

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Visite | 02.06.2020 | 20:15 Uhr

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