Stand: 20.07.2020 09:44 Uhr  | Archiv

Schmerzsalbe: Helfen Diclofenac und Ibuprofen?

Jemand cremt sein Knie mit einer Salbe ein. © PantherMedia Foto: kirisa
Salben und Cremes können Schmerzen am Kniegelenk lindern.

Bei Schmerzen an Muskeln und Gelenken verwenden viele Betroffene frei verkäufliche Salben und Cremes. Die Mittel gehören meist zur Gruppe der Nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Dazu zählen beispielsweise Diclofenac, Ibuprofen und Ketoprofen. Untersuchungen zeigen, dass NSAR Entzündungen hemmen und zur Schmerzlinderung beitragen können - bei leichten Sportverletzungen wie Zerrungen, Verstauchungen und Prellungen.

NSAR-Salben wirken an der Oberfläche

Laut einer Studie wirken als Salbe oder Creme aufgetragene NSAR an der Muskulatur und an Gelenken, die sich direkt unter der Haut befinden, zum Beispiel an Fingern und Knien. Die Wirkstoffe hemmen die Bildung von Stoffen, die Schmerzen und Entzündungen hervorrufen. In größeren Gelenken und tiefem Gewebe reichern sich NSAR in der Regel nicht in ausreichender Konzentration an.

Weniger Nebenwirkungen als Tabletten

Salben und Cremes mit NSAR-Wirkstoffen haben ebenso Nebenwirkungen wie Tabletten, allerdings erheblich weniger stark. Tabletten wirken über das Blutsystem. Diese können den Magen angreifen und sind gefährlich für Menschen mit Herz- und Nierenerkrankungen. Aus Salben gelangt nur etwa ein Zwölftel der aufgetragenen Menge ins Blut.

Gel kühlt besser als Salbe

Salben und Cremes haben eine kühlende Wirkung, das Eincremen einen wohltuenden Massage-Effekt. Experten raten zu durchsichtigem Gel statt zur weißen Creme-Variante: Es gibt Hinweise darauf, dass die Wirkstoffe im Gel tiefer und schneller ins Gewebe dringen.

Alternativen zu Salben und Cremes sind Spray und Pflaster: Sprays werden verwendet, wenn das Auftragen von Salben, Cremes und Gels zu schmerzhaft ist, Pflaster müssen nicht einziehen und wirken über einen längeren Zeitraum.

Arnika und Beinwell - natürliche Alternativen?

Wegen möglicher Nebenwirkungen der NSAR-Salben greifen viele auf natürliche Wirkstoffe wie Arnika oder Beinwell zurück. Auch sie sollen Entzündungen hemmen und Schmerzen lindern. Aussagekräftige Studien fehlen dazu allerdings.

Wärmepflaster bei Muskelverspannungen

Wärmepflaster oder Cremes mit einer wärmenden Wirkung helfen bei Muskelverspannungen. Die Wirkstoffe auf Basis von Cayennepfeffer (Capsaicin) sollen die Schmerzen lindern, indem sie die Blutgefäße erweitern und dadurch für ein Wärmegefühl sorgen. Das kann die Haut reizen und zu einen starken Brennen führen.

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Experten zum Thema

Dr. Justus Stenzig, Teamleiter
Zentrum für Experimentelle Medizin
Institut für Experimentelle Pharmakologie und Toxikologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20251 Hamburg
(040) 72 05
www.uke.de

Dr. med. Torsten E. Rusch, Orthopäde
Orthopädische Praxis
Holsteinischer Kamp 1
22081 Hamburg
(040) 653 27 01
ortho-doc-rusch.de

Dr. med. Caroline Werkmeister, Ärztliche Leiterin
Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie
Ambulanzzentrum des UKE GmbH
UKE Athleticum
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20251 Hamburg
(040) 741 02 85 40
www.uke.de

Kyra Köster, Apothekerin, Doktorandin
Zentrum für Experimentelle Medizin
Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20251 Hamburg
www.uke.de

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