Stand: 25.08.2020 13:41 Uhr

Schlaf-Apnoe erkennen und behandeln

Das obstruktive Schlaf-Apnoe-Syndrom (OSAS) ist eine nächtliche Atemstörung, bei der es im Schlaf immer wieder zu längeren Atemstillständen kommt. Tagsüber sind die Betroffenen durch die nächtlichen Atemprobleme unausgeschlafen und mitunter so müde, dass sie im Stehen oder Sitzen wegnicken. Geschätzt fast jeder zwanzigste Mann und jede fünfzigste Frau leidet darunter. Schnarchen allein und nur gelegentliche kleine Atmungsaussetzer sind nicht gesundheitsschädlich - aber der häufige Totalausfall der Atmung  im Schlaf kann schwere Folgen haben.

VIDEO: Lebensgefährliche Schlaf-Apnoe: Das Gewicht muss runter (15 Min)

Apnoe durch verengte Atemwege

Atmen erledigen wir unbewusst. Sobald der Kohlendioxidgehalt im Blut zu hoch ist, löst das Gehirn einen Atemreiz aus - bei Erwachsenen meist 11- bis 15-mal pro Minute.  Im Schlaf, wenn die ringförmige Muskulatur um die oberen Atemwege stark entspannt ist, kann der Rachen beim Einatmen sozusagen zusammenfallen: Die Atemwege verengen sich (Obstruktion). Durch die Atemstillstände im Schlaf fehlt dem Körper Sauerstoff, im Blut steigt der CO2-Spiegel an. Deshalb leitet der Körper eine Weckreaktion ein. Betroffene wachen nicht richtig auf. Sie werden jedoch unruhig, ihr Puls steigt, der Schlaf ist nicht mehr erholsam.

Übergewicht ist ein großer Risikofaktor für Atemaussetzer

Die Atmung im Schlaf kann durch Veranlagung behindert sein, etwa eine zu schlaffe Rachenmuskulatur, angeborene Fehlstellungen des Unterkiefers oder eine Nasenscheidewandverkrümmung. Bei Kindern können Polypen oder vergrößerte Rachenmandeln eine Rolle spielen. Hoher Konsum von Alkohol, Schlafmitteln, Nikotin oder illegalen Drogen begünstigt Atemaussetzer. Hauptrisiko für das krankhafte Schnarchen ist jedoch starkes Übergewicht. Schlafmangel ist wiederum mitursächlich für Übergewicht - daraus resultiert ein Teufelskreis.

Folgeerkrankungen durch Schlafapnoe

Symptome der Schlaf-Apnoe

Typisch sind starke Schnarchgeräusche, unterbrochen von Atempausen - auf die ein heftiger Atemzug folgt beziehungsweise ein Schnarchlaut. Allerdings leidet längst nicht jeder Schnarcher an Apnoe, und nicht jeder Apnoe-Betroffene schnarcht laut. Weitere Symptome sind nächtliches Schwitzen, Müdigkeit am Tag, Kopfschmerzen, Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen.

Diagnose durch Schlafdiagnostik

Mann mit einer Art Atemmaske. © NDR
Peer K. trägt probeweise eine Atemmaske. So ganz das Wahre ist das nicht für ihn.

Bei Verdacht auf OSAS steht ein Schlafdiagnostik-Screening an, das niedergelassene HNO-Ärzte mit entsprechender Fortbildung anbieten können. Dabei nimmt der Patient Geräte mit nach Hause, die seine Atemströmung, Atemgeräusche, Sauerstoffsättigung im Blut, Herzfrequenz, Körperlage und Hebe-/Senkbewegungen des Brustkorbs aufzeichnen. Pro Stunde mindestens fünf Apnoe-Phasen über 10 Sekunden Dauer weisen auf OSAS hin.

Eine Schlaflabor-Untersuchung kann weitere Parameter messen wie Gehirnströme, Augenbewegungen im Schlaf, Muskeltonus, Blutdruck und Herzfrequenz. Daraus lässt sich unter anderem ableiten, wie stark erholsame Tiefschlaf- und Traumschlafphasen reduziert sind.

Gewichtsreduktion sehr hilfreich bei Schlaf-Apnoe

Auf einem Tisch stehen Teller mit Fleisch und Süßem in unterschiedlichen Portionsgrößen. © NDR
Der "Ist-" und der "Soll-Zustand" der Ernährung von Peer K.

Aktuelle Studien zeigen deutlich, dass eine Gewichtsreduktion die effektivste Behandlung ist. Abnehmen wirkt sich direkt auf den Schweregrad der Schlafstörung aus und beugt zugleich möglichen Gefäßkrankheiten vor. Allerdings bringt die Ernährungstherapie für die meisten Betroffenen deutliche Umstellungen mit sich.

Unter Umständen ist für den Anfang eine Formula-Diät nötig, die auch ärztlich verordnet werden kann. Sport unterstützt Betroffene dabei, mehr Kalorien zu verbrennen.

Alkohol, Nikotin und ähnliche Mittel sollten auf jeden Fall passé sein.

Ernährungstherapie
Eine Box mit verschiedenen gesunden Lebensmitteln. (Bildmontage) © fotolia.com Foto: pat_hastings, Sphotocrew, valery121283, atoss

Gewichtsreduktion bei Apnoe

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Fischpfanne mit Frühlingsgemüse in einem Bräter auf dem Tisch. © NDR Foto: Claudia Timmann

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Therapie durch Geräte oder OP

Eine operative Kürzung des Gaumensegels kann in Einzelfällen in Betracht kommen - sie garantiert aber keine anschließende Beschwerdefreiheit.

Ein Lösungsansatz  für manche ist die sogenannte pneumatische Schienung der oberen Atemwege. Die erfolgt durch Atemtherapiegeräte, sogenannte CPAP-Masken (englisch für Continuous Positive Airway Pressure - deutsch: kontinuierlicher Atem-Überdruck). CPAP-Masken verhindern durch Überdruck, dass die Atemwege zusammenfallen. Voraussetzung ist allerdings, dass nachts eine Atemmaske mit Bändern um den Kopf geschnallt wird. Daran kann sich nicht jedermann gewöhnen.

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Ein Mann liegt schnarchen im Bett. © Colourbox Foto: Motortion

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 07.09.2020 | 21:00 Uhr

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