Stand: 09.01.2018 09:56 Uhr  | Archiv

Schambein-Schmerzen richtig behandeln

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Vor allem Sportler und Schwangere können an einer Schambeinentzündung erkranken.

Die Schambeinfuge (Symphyse) ist eine bandscheibenartige Verbindung zwischen den knöchernen Beckenhälften. Sie sitzt im Zentrum des unteren Beckens und stabilisiert die gesamte Hüftregion. Wer das feste Bindegewebe zum Beispiel beim Sport überlastet, riskiert, dass das Schambein Schaden nimmt. Dabei entstehen feine Mikrorisse, die bei dauernder Belastung nicht mehr ausheilen.

Ursachen für schmerzhaftes Schambein

Die Ursache kann in einem Sturz oder einer Verletzung liegen - besonders häufig bei Sportlern in Sportarten wie Fußball, Hockey und Reiten. Bei Frauen kann die Schambeinfuge in der Schwangerschaft zu Problemen führen: Sie lockert sich ebenso wie die sogenannten Iliosakralgelenke zwischen Darm- und Kreuzbein, um Raum für die Geburt zu schaffen.

Symptome bei Schambeinreizung

Die Schmerzen treten oft zuerst in der Leistenregion auf, können aber weit ausstrahlen: in den Genitalbereich und die Dammregion, in Oberschenkel, Hüfte und unteren Rücken. Typisch sind:

  • Schmerzen, die von der Schambeinfuge nach außen ausstrahlen, vor allem beim Stehen auf einem Bein
  • brennender oder stechender Leistenschmerz
  • häufig einseitige Schmerzen am Adduktorenansatz der Schambeinfuge
  • Schmerzzunahme beim Laufen oder abrupter Belastung wie Ballschießen, Bremsen, Starten, Richtungswechsel und beim Liegen auf der betroffenen Seite
  • Schmerzauslösung durch einfaches Gehen, Treppensteigen, Husten oder Niesen
  • Schmerzrückgang in Ruhe
  • Schnappgefühl auf der Schambein-Hüft-Ebene beim Aufsetzen, beim Hinlegen oder beim Gehen auf unebenem Untergrund
  • Schwächegefühl und Schwierigkeiten beim Gehen

Allerdings sind die Schmerzen am Anfang häufig so unspezifisch, dass die Ursachen zunächst oft in anderen Regionen vermutet werden, zum Beispiel in der Wirbelsäule. Zudem zögern die meisten Ärzte, die sensible Region abzutasten. So vergehen meist Monate, bis die richtige Diagnose gestellt ist. Objektiv prüfen kann der Arzt einen Druckschmerz über dem oberen Schambeinast, Schmerzen über einer oder beiden Iliosakralgelenken und ischiasartige Schmerzen.

Diagnose per Drucktest und Kernspintomografie

Mit einigen Tests kann der Arzt einer Erkrankung des Schambeins auf die Spur kommen.

  • Dazu prüft er die Hüftbeweglichkeit, lässt den Betroffenen auf einem Bein hüpfen und die Fäuste mit den Knien zusammenpressen.
  • Beim sogenannten direkten Symphysen-Drucktest lässt sich durch seitliches Drücken der Schambeinäste mit den Fingerkuppen der Schmerz auslösen.
  • Eine immer wichtigere Rolle spielt die Kernspintomografie, die auch Veränderungen der nicht knöchernen Strukturen darstellt und die Ursache zeigen kann.

Gereiztes Schambein schonen

Treten Mikrorisse in der Schambeinfuge auf, ist Schonung die wichtigste Maßnahme. Besonders belastend für die Schambeinfuge sind Bewegungen wie Treppensteigen und das Heben schwerer Lasten. Auch das Sitzen im Schneidersitz und große Schritte sollten Betroffene vermeiden. Ein Kissen zwischen den Beinen während des Schlafs in Seitenlage entlastet die Schambeinfuge. Für zwei Wochen bis drei Monate ist Sport tabu.

Manuelle Therapie und Physiotherapie

Eine manuelle Therapie kann Schmerzen und Muskelverspannungen lindern und helfen, das Becken zu stabilisieren. Sobald die Symptome nachlassen, können die Betroffenen gezielt an ihrer Rumpfmuskulatur und Haltung arbeiten, um das erneute Auftreten der Beschwerden zu verhindern. Denn oft vernachlässigen betroffene Sportler das Gleichgewicht zwischen Muskelkräftigung und Dehnung. Hilfreich sind:

  • Verbesserung der neuromuskulären Koordination
  • Kräftigung der Beckengürtelmuskulatur
  • Kräftigung nachweisbar geschwächter Muskelgruppen
  • Schwimmen unter Vermeidung der Adduktorenbelastung beim Brustschwimmen

Operation ist die Ausnahme

In seltenen Ausnahmefällen oder wenn die konservative Therapie versagt, kann eine chirurgische Therapie helfen. Die schnelle Besserung der Symptome geht dabei allerdings häufig mit einer langfristig verminderten Beckenstabilität einher.

Heilung kann sechs bis zwölf Monate dauern

Häufig kommt es zu einer Spontanheilung und die Beschwerden verschwinden innerhalb von sechs bis zwölf Monaten. Doch nur jeder zweite Sportler ist nach einem Jahr wieder voll belastbar. Erst wenn die Schmerzen verschwunden sind, darf die sportliche Aktivität schrittweise wieder aufgenommen werden. Kehren die Symptome dabei zurück, muss der Sportler die Intensität und den Umfang seines Trainings reduzieren. Wichtig:

  • Training anpassen und täglich Übungen machen, um die Flexibilität der Schambeinfuge und der Iliosakralgelenke zu erhalten
  • angemessene Ausrüstung und Schuhe tragen
  • Symptome rechtzeitig erkennen, um das Training schnell anpassen zu können

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Dieses Thema im Programm:

Visite | 09.01.2018 | 20:15 Uhr

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