Stand: 12.05.2020 14:59 Uhr

Schädigt das Coronavirus die Blutgefäße?

Illustration des neuen Coronavirus © Panther Media Foto: Kiyoshi Takahase Segundo
Eine Infektion mit dem Coronavirus kann zu Multiorganversagen führen.

Das Coronavirus stellt Wissenschaftler und Mediziner noch vor viele Rätsel. Zunächst waren Experten davon ausgegangen, dass Covid-19 nur eine Erkrankung der Lunge ist - ähnlich wie bei einer Influenza. Doch das Virus kann offenbar auch die Blutgefäße schädigen.

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Coronavirus greift Endothel an

Das Coronavirus dringt über die Atemwege und die Lunge in den Körper ein und gelangt über die Blutbahn in alle Organe. Dort kann es das Endothel, die Zellschicht an der Innenfläche der Blut- und Lymphgefäße, beschädigen oder sogar zerstören, eine Entzündung entsteht. Die Endothel-Zellen können keinen Sauerstoff und keine Nährstoffe mehr in das Organ leiten. Es kann zu Herz-Kreislauf-Problemen und Organversagen kommen.

Blutgerinnsel und Entzündungen in Gefäßen

Forscher haben Menschen obduziert, die an Covid-19 gestorben sind und in den Gefäßen verschiedener Organe Blutgerinnsel entdeckt. Außerdem entdeckten die Forscher Entzündungen der Gefäßinnenhaut. Die Endothel-Zellen sind an der Steuerung des Blutdrucks, des Blutflusses und der Blutgerinnung beteiligt.

Endothel-Zellen sterben ab

Die Gewebeproben der Toten zeigen: Die Infektion mit Sars-CoV-2 löste nicht nur eine Lungenentzündung aus, sondern griff auch die Gefäße in anderen Organen an. Die Erkrankten hatten Herz-Kreislauf-Probleme und schließlich ein sogenanntes Multiorganversagen. Am ausgeprägtesten wurden Endothel-Zellen offenbar in der Lunge, am Herz und im Darm zerstört. Forscher und Zürich konnten den Zelltod sogar unter dem Elektronenmikroskop nachweisen.

Endothel durch Vorerkrankungen beschädigt?

Schweizer Forscher haben rund 30 Corona-Tote obduziert und Parallelen entdeckt: Viele der Untersuchten litten an Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, koronaren Herzerkrankungen, Herzschwäche, Diabetes oder Übergewicht. Bei diesen Erkrankungen ist ein geschädigtes Endothel eine bekannte Begleiterscheinung.

Blutgerinnsel durch Covid-19 verhindern

Um Blutgerinnsel zu verhindern, geben Ärzte Covid-19-Erkrankten mit einem schweren Krankheitsverlauf unter anderem Blutverdünner. Außerdem versuchen sie die Vermehrung der Viren zu hemmen und die Gefäße mit Statinen schützen. Allerdings lässt sich die schädliche Wirkung von Sars-CoV-2 in den Gefäßen mit Medikamenten noch nicht gezielt stoppen. 

Weitere Informationen
Stefan Kluge (M), Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf, Klaus Püschel (r), Direktor des Institutes für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf, und Jan Sperhake, Oberarzt des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf, stehen zusammen bei einer Pressekonferenz. © Axel Heimken Foto: picture alliance / dpa

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Experten zum Thema

Prof. Holger Moch, Institutsleiter
Institut für Pathologie und Molekularpathologie
Universitäres Spital Zürich
Rämistrasse 100, 8091 Zürich (Schweiz)
www.pathologie.usz.ch

Prof. Christoph Röcken, Direktor
Instituts für Pathologie
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Arnold-Heller-Str.3/14, 24105 Kiel
www.patho.uni-kiel.de

Weitere Informationen
Studie: Endothelzellinfektion und Endotheliitis bei Covid-19
www.thelancet.com

Ärzteblatt: Rätselhafte Blutgerinnsel bei Covid-19-Patienten
www.aerzteblatt.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 12.05.2020 | 20:15 Uhr

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