Stand: 05.12.2017 16:24 Uhr  - Visite  | Archiv

Rückenschmerzen: Schiefes Becken behandeln

Eine Frau hält sich den unteren Rücken. © fotolia.com Foto: anetlanda
Fehlstellungen des Beckens können Rückenschmerzen hervorrufen.

Rückenschmerzen werden häufig durch eine Schiefstellung des Beckens ausgelöst. Becken und Wirbelsäule bilden die Mittelachse des Körpers. Wenn das Becken zu einer Seite abkippt, muss die Wirbelsäule die Schräglage ausgleichen. Bei kleinen Abweichungen ist das unproblematisch. Bei einem ausgeprägten Beckenschiefstand kann es zu einer Fehlhaltung kommen, die durch Muskelverspannungen und Gelenkverschleiß auf Dauer Schmerzen verursachen - zum Beispiel an Rücken, Kopf, Kiefer und Iliosakralgelenk.

Stabilität durch Becken und Wirbelsäule

Das Becken ist die zentrale Stelle der Kraftübertragung im Bewegungsapparat. Die Beckenknochen sind fest mit dem Kreuzbein verbunden. Von dort aus baut sich die Wirbelsäule nach oben auf. Sie sorgt gemeinsam mit der Rumpfmuskulatur für eine aufrechte Haltung und trägt den Kopf. Im Becken sind auch die Hüftgelenke verankert. Daher passt es sich jeder Bewegung der Beine an. Steht das Becken dauerhaft schief, gerät fast der gesamte Bewegungsapparat aus seiner normalen Position.

Schiefes Becken ist nicht ungewöhnlich

Nach einer Analyse der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2007 liegt bei rund 70 Prozent aller Menschen eine leichte Schiefstellung des Beckens vor: Dabei kippt das Becken ein wenig aus seiner normalen waagrechten Position. Unterschiede von bis zu einem Zentimeter kann der Körper in der Regel problemlos ausgleichen, es kommt nur selten zu ernsthaften Beschwerden. Ab einer Differenz von etwa sechs Millimetern sollte diese beobachtet und bei Bedarf behandelt werden. Auf Dauer droht eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule (Skoliose), die nicht immer mit Beschwerden verbunden ist. Bei Verspannungen der Rumpfmuskulatur oder Bandscheibenverschleiß können sich Schmerzen entwickeln.

Funktioneller und struktureller Beckenschiefstand

Mediziner unterscheiden funktionellen und strukturellen Beckenschiefstand:

  • Der funktionelle Schiefstand entsteht vor allem durch muskuläre Verspannungen der Gesäßmuskulatur und der unteren Rückenmuskulatur. Hierbei erscheint durch die Beckenverwringung ein Bein länger oder kürzer als das andere. In der Regel sind einseitige Belastungen und Fehlbelastungen die Auslöser der Beschwerden. Bei Frauen können Schwangerschaft und Geburt die Statik des Beckens verschieben. Mit Hilfe der Manuellen Medizin und physiotherapeutischer Maßnahmen lassen sich die Verspannungen lösen und die Fehlstellung beheben.

  • Der strukturelle Beckenschiefstand ist anatomisch bedingt. In den meisten Fällen sind die Beine nach Unfällen, Operationen, Prothesen oder durch genetische Veranlagung unterschiedlich lang.

Beckenschiefstand behandeln

Beim strukturellen Beckenschiefstand hängt die Therapie davon ab, wie groß die Differenz im Verhältnis zur Körpergröße ist. Bei Längeunterschieden von weniger als drei Zentimetern kann eine Behandlung mit Einlagen oder einem Fersenkeil die Beschwerden lindern. Bei Längenunterschieden von mehr als drei Zentimetern hilft in der Regel nur eine Operation.

Bei der Behandlung eines funktionellen Beckenschiefstands steht die Stärkung der Rückenmuskulatur im Vordergrund. Einseitige Belastungen und Fehlhaltungen müssen korrigiert werden. Ist eine Blockade im Bereich der Wirbelsäule oder des Beckens die Ursache, haben sich manuelle Therapien bewährt.

Als eine der effektivsten Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung von Rückenschmerzen gilt das funktionelle Rückentraining. Dabei werden Muskelgruppen und komplexe Bewegungsabläufe statt einzelner Muskeln trainiert. Ziel ist ein Gleichgewicht zwischen Beweglichkeit und Stabilität.

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