Stand: 04.07.2019 13:37 Uhr

Reizdarmsyndrom erkennen und behandeln

"Reizdarm" ist unter den Magen-Darm-Erkrankungen die am häufigsten gestellte Diagnose. Frauen sind davon doppelt so oft betroffen wie Männer. Die Symptome reichen von Übelkeit, Bauchschmerzen, Blähungen, Druck- und Völlegefühl bis zu Durchfall oder Verstopfung. Ein bestimmter Auslöser für die Verdauungsbeschwerden ist in den meisten Fällen nicht erkennbar.

Dia Ernährungs-Docs sitzen mit Patientin auf dem Sofa in der Hausboot-Praxis. © Britta Probol Foto: Britta Probol

Den Reizdarm mit zuckerarmer Kost beruhigen

Die Ernährungs-Docs -

Die 19-Jährige Alina hat schon von vielen Ärzten gehört, dass sie nichts für sie tun können. Können die Ernährungs-Docs ihr mit FODMAP-armer Kost helfen und den Darm beruhigen?

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Ursachen für das Reizdarmsyndrom

Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist keine organische Krankheit, sondern eine funktionelle Störung zwischen vegetativem Nervensystem und der Darmmuskulatur. Sie ist ungefährlich, kann aber die Lebensqualität stark einschränken. Manchen Menschen schlägt Stress eben im wahrsten Sinne auf den Magen und den Darm. Die Darmnerven geraten bei ihnen in eine Art Dauererregungszustand, kommen mit der Regulierung der Darmbewegungen durcheinander und melden dem Gehirn: "Schmerz!"

Grafik: Blitze zucken um den Darm herum. © NDR

Wie das Reizdarmsyndrom entsteht

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Wenn Darmnerven und -muskulatur aus dem Takt kommen, entstehen Schmerzen, Blähungen oder Durchfall.

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Mitverantwortlich kann eine gestörte Darmflora sein: Antibiotika oder schwere Magen-Darm-Infekte bringen die natürliche Mischung der nützlichen Bakterien im Darm durcheinander. Nach einer Salmonelleninfektion beispielsweise ist deshalb das RDS-Risiko um das Achtfache erhöht. Ist die Darmflora über längere Zeit geschädigt (sogenannte Dysbiose), kann sich zudem die Darmschleimhaut verändern. Sie bekommt quasi "Löcher", wird also leichter durchlässig für Giftstoffe und Krankheitserreger. Als Folge findet man bei einigen RDS-Betroffenen mehr Abwehrzellen und deren entzündungsfördernde Botenstoffe im Darm - was wiederum die Darmnerven reizt.

Diagnose über Ausschluss anderer Erkrankungen

Bis die Diagnose RDS gestellt wird, ist es oft ein langer Weg. Zunächst müssen alle ähnlichen Krankheiten ausgeschlossen werden - etwa wiederkehrende Infekte, Nahrungsmittelunverträglichkeiten (etwa Fruktose-Intoleranz, andere oder multiple Intoleranzen), Allergien, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und auch ein Karzinom.

Mehrere Untersuchungen sollten erfolgen: Magen- und Darmspiegelung, Ultraschall des Bauches, eine Blutuntersuchung mit Blutbild, Leberenzymen, Salzen und Nierenwerten. Mit einer Stuhluntersuchung lässt sich Parasitenbefall ausschließen. Mit Atemtests können Unverträglichkeiten gegen bestimmte Zuckerarten nachgewiesen werden.

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Auslass-Diät soll Reizdarm beruhigen

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Franziska hat einen Reizdarm, sie leidet unter Blähungen, Völlegefühl, Verstopfung und Durchfall. Helfen soll eine FODMAP-Diät, bei der auf verschiedene Kohlenhydrate verzichtet wird. Video (13:41 min)

Ergibt sich kein organischer Befund und treten mindestens über zwölf Wochen innerhalb eines Jahres Darmstörungen mit den beschriebenen Symptomen auf, dann lautet die Diagnose: Reizdarmsyndrom.

Reizdarm-Therapie mit FODMAP-Ernährung

Nach australischen Studien kann eine spezielle Diät den Darm sehr effektiv beruhigen. Da sich Stress und Belastungen selten kurzfristig abstellen lassen, sind Einschränkungen beim Essen der Erfolg versprechendste Weg. Die sogenannte FODMAP-reduzierte Ernährung bringt zwar einige drastische Einschränkungen mit sich: Betroffene verzichten dabei ein paar Wochen lang komplett auf alle potenziell reizenden Kohlenhydrate. Wer das konsequent betreibt, kann seine Darmbeschwerden aber in den Griff bekommen.

Was sind FODMAPs?

FODMAP ist die englische Abkürzung für
Fermentierbare
Oligosaccharide,
Disaccharide,
Monosaccharide
And (und)
Polyole.
Gemeint sind damit schnell vergärende Kohlenhydrate, wie sie etwa in Süßigkeiten, Brot (besonders Weizen), Milchprodukten, Steinobst oder Kohl stecken. Die Polyole (Zuckeralkohole) finden sich in vielerlei industriell hergestellten Produkten als Süßungs- oder Feuchthaltemittel.

Während der FODMAP-reduzierten Diät lassen die Beschwerden gelegentlich rasch nach oder verschwinden sogar ganz. Nach vier bis acht Wochen sollten in jedem Fall die FODMAP-haltigen Nahrungsmittel schrittweise wieder ausprobiert werden, denn sonst können Mangelerscheinungen auftreten. Wichtig ist, im Ernährungstagebuch genau festzuhalten, welche Symptome nun nach dem Verzehr welcher Lebensmittel auftreten. So lässt sich individuell herausfinden, was der Darm verträgt.

Beruhigende Mittel bei Reizdarm

Zu Darmberuhigung haben sich außerdem einige pflanzliche Wirkstoffe wie Pfefferminzöl oder der Extrakt aus Melissenblättern bewährt. Hilfreich können auch wasserlösliche Ballaststoffe beispielsweise aus Flohsamenschalen sein, gegebenenfalls ergänzt durch Probiotika.

Generell ist es für Menschen mit RDS sinnvoll, langsamer, gemütlicher und geselliger zu essen - und insgesamt mehr Ruhe und Struktur in den Alltag zu bringen.

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Was hilft der Darmflora?

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Viele Pillen kann sich sparen, wer ausgewogen und ballaststoffreich isst - denn eine intakte Darmflora macht uns leistungsfähig und ist wichtiger Baustein unserer Immunabwehr. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 29.07.2019 | 21:00 Uhr

Ernährungs-Therapie

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Ernährung beim Reizdarmsyndrom (FODMAP-arm)

"FODMAP-arme Ernährung" ist hier angezeigt: Zucker und viele industriell hergestellte Lebensmittel vier bis acht Wochen meiden. Danach einzeln und vorsichtig wieder einführen. mehr

Zum Ausdrucken (PDF)

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Die Therapie-Empfehlungen im DIN-A4-Format

Auf einen Blick: FODMAP-arme und FODMAP-reiche Lebensmittel. Download (57 KB)

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