Stand: 23.01.2018 12:06 Uhr

Prostatavergrößerung: Ursachen und Behandlung

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Etwa jeder dritte Mann leidet im Alter an einer gutartigen Vergrößerung der Vorsteherdrüse.

Wenn Mann nachts häufig zur Toilette muss, das Wasserlassen schmerzt oder nur kleine Urinmengen ausgeschieden werden, liegt das meist an der Prostata. Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist die häufigste urologische Erkrankung des Mannes. Etwa jeder dritte Mann leidet im Alter an einer gutartigen Vergrößerung der Vorsteherdrüse. Sie umschließt die Harnröhre zwischen Blase und Schließmuskel. Die Ursache der gutartigen Vergrößerung der Prostata ist bisher nicht abschließend geklärt. Sicher ist, dass hormonelle Veränderungen sowie genetische Faktoren eine Rolle spielen. Wichtig zu wissen: Eine gutartige Vergrößerung hat nichts mit Prostatakrebs zu tun.

Prostata.

Prostatavergrößerung: Ursachen und Behandlung

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Häufiger Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen: Etwa jeder dritte Mann leidet im Alter an einer gutartigen Vergrößerung der Prostata. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

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Bei leichten Beschwerden helfen pflanzliche Mittel

Zur Diagnostik gehören zunächst die urodynamische Untersuchung (Messung des Harndrucks) und die Ultraschalluntersuchung der Blase und der Prostata. Bei leichten Beschwerden helfen pflanzliche Produkte: Präparate aus Kürbiskernen, Brennnesselwurz oder Sägepalmenfrüchten sind ohne Rezept erhältlich. Sie haben sich als hilfreich erwiesen bei Beschwerden wie vermehrtem Harndrang oder nachlassendem Harnstrahl. Auch Blasentraining ist eine sinnvolle Maßnahme bei vermehrtem Harndrang mit kleineren Urinmengen: Dabei versucht der Mann, den Drang auszuhalten und erst später zur Toilette zu gehen. Beckenbodentraining ist sinnvoll, um einer Inkontinenz vorzubeugen.

Medikamente bei Prostavergrößerung

Sogenannte Alpha-Blocker können helfen, die Muskulatur in der leicht vergrößerten Prostata und Harnröhre zu entspannen, damit das Wasserlassen leichter fällt. Sie haben allerdings keinen Einfluss auf das Größenwachstum der Prostata. Gegen eine starke Vergrößerung der Prostata helfen 5-Alpha-Reduktase-Hemmer, durch die das Volumen der Prostata verkleinert werden kann. Ihre Wirkung beruht auf einer Verminderung der Hormonwirkung an der Prostata. Verbleibt aufgrund einer leicht vergrößerten Prostata regelmäßig etwas Urin in der Blase, können Prostata- und Harnwegsinfekte entstehen. Im schlimmsten Fall führt das zu einem Harnstau. Eine Prostata-Entzündung wird mit Antibiotika bekämpft.

Prostata

Die Prostata (Vorsteherdrüse) liegt unterhalb der Harnblase. Sie ist eine kastaniengroße Drüse, die die Harnröhre wie ein Ring umschließt. Die Prostata bildet mit Hoden und Samenbläschen die Samenflüssigkeit.

In einigen Fällen muss operiert werden

Bleibt eine Besserung der Beschwerden unter der medikamentösen Therapie aus, kann eine operative Therapie notwendig sein. Das Standardverfahren ist noch immer die Ausschälung der Prostata (bipolare transurethrale Resektion der Prostata/TURP): Mit einem durch die Harnröhre eingeführten Endoskop wird überschüssiges Gewebe mit einer Schlingenelektrode abgetragen und dabei die Wundfläche gleich verschorft. Es gibt kein anderes operatives Verfahren, dessen langfristiger Erfolg so gut belegt ist.

Interview
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Interview: Gutartige Prostatavergrößerung

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Eine gutartige Prostatavergrößerung ist die häufigste urologische Erkrankung des Mannes. Der Kieler Urologe Professor Peter Braun klärt über Therapiemöglichkeiten auf. Video (04:14 min)

Laserbehandlung als Alternative

Alternativ kann das Prostatagewebe auch mithilfe von Laserstrahlen entfernt werden. Während herkömmliche Laser (zum Beispiel Greenlight-Laser) das überschüssige Gewebe einfach komplett verdampfen und dieses Verfahren nur für gering vergrößerte Drüsen geeignet ist, schneiden Lichtskalpelle es heraus. Die Tulium-Laserenukleation eignet sich besonders für Patienten mit hohem Blutungsrisiko. Der Eingriff erfolgt durch die Harnröhre, Blutungen verschweißt der Laser sofort. Ein spezielles Instrument zerkleinert das abgetragene Gewebe in der Blase, von dort wird es dann herausgespült. Ein Vorteil der Laserbehandlung ist, dass das abgetragene Gewebe im Anschluss feingeweblich untersucht werden kann, um zum Beispiel eine Prostatakrebserkrankung auszuschließen.

Urolift-Implantate eignen sich vor allem für junge Patienten

Der Einsatz von Urolift-Implantaten ist ein weiteres, schonendes Verfahren. Dabei wird die Prostata gerafft. Dazu werden durch die Harnröhre spezielle Anker in die Prostata eingebracht. Sie raffen das Prostatagewebe und erweitern dadurch den Durchmesser der Harnröhre. Der Harnfluss erhöht sich danach durchschnittlich um ein Drittel. Das Verfahren eignet sich insbesondere für junge Patienten, die ihre Zeugungsfähigkeit erhalten wollen. Die Prostata darf dabei nicht mehr als 60 Gramm wiegen. Die Vergrößerung darf also noch nicht weit vorangeschritten sein. Da bei diesem Verfahren die Ursachen der Beschwerden nicht beseitigt werden, schreitet das Wachstum der Prostata fort. Die Verankerungen könnten dadurch möglicherweise im Verlauf ausreißen und eine weitere Therapie kann erforderlich sein.

Weitere Informationen

Chat-Protokoll: Gutartige Prostatavergrößerung

Auch eine gutartige Prostatavergrößerung kann Auswirkungen wie Inkontinenz haben. Prof. Dr. Peter Martin Braun hat im Visite Chat Fragen dazu beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen. mehr

Gefahr der Inkontinenz und Impotenz

Wie bei jeder Operation kann es bei einem solchen Eingriff zu Komplikationen kommen: So können während und nach der Operation Blutungen auftreten. Auch Inkontinenz und Erektionsstörungen sind nicht selten. Diese sind aber häufig nur vorübergehend. Nach einem Eingriff kann es zu einer sogenannten Drang-Inkontinenz kommen, sodass der Betroffene zeitweise Urin verliert. Der Grund dafür ist, dass der ganze Schließmuskel-Apparat nach einer OP noch nicht an die neue Situation angepasst ist. Vor der OP wurde die Harnröhre von der wachsenden Prostata immer stärker bedrängt, die Blase musste immer mehr Druck aufbauen, um kleinste Mengen Urin durch die Harnröhre zu pressen. Nach der OP fehlt der Widerstand, die Blase baut aber aus Gewohnheit immer noch starken Druck auf. Nun trifft viel mehr Flüssigkeit auf den Schließmuskel, der diese dann nicht halten kann. Die Umgewöhnung des Körpers kann Wochen, manchmal auch Monate dauern. Vorlagen schützen in dieser Zeit. Außerdem können Medikamente den Harndruck senken. Regelmäßiges Beckenbodentraining stärkt zudem den Blasen-Schließmuskel.

Folgen für den Samenerguss

Nach der OP kann es auch zu Erektionsstörungen kommen. Allerdings sind diese nicht physiologischer, sondern psychologischer Natur und können auch wieder verschwinden. Dauerhaft ändert sich allerdings der Samenerguss: Normalerweise schwimmen die Spermien im Prostatasekret. Die Ausführungsgänge für dieses Sekret münden in die Harnröhre und von dort in den Penis. Diese Gänge werden in der Regel entfernt. Die Folge: Beim Orgasmus geht das Ejakulat nach innen in die Blase und nicht mehr nach außen durch die Harnröhre.

Ab dem 45. Lebensjahr zur Vorsorgeuntersuchung

Um eine Prostatavergrößerung und auch bösartige Veränderungen frühzeitig erkennen zu können, sollten sich Männer mit Prostataleiden in der Familie frühzeitig, sonst ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich untersuchen lassen. Spätestens, wenn Männer mehrmals nachts auf die Toilette müssen, sollten sie den Arzt aufsuchen. Denn je früher ein Prostataleiden behandelt wird, desto geringer sind die Risiken.

Interviewpartner

Interviewpartner im Beitrag:
Prof. Dr. Peter Braun
Facharzt für Urologie
Urologiezentrum
Alter Markt 11, 24103 Kiel
Tel. (0431) 990 29 590

Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Rolf Muschter
Facharzt für Urologie
ALTA Klinik GmbH
Alfred-Bozi-Str. 3, 33602 Bielefeld
Tel. (0521) 260 555 44
E-Mail: info@alta-klinik.de

Weitere Informationen:
Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V:
Test für Beschwerden beim Wasserlassen (PDF zum Herunterladen):
http://www.urologenportal.de/

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