Stand: 18.03.2019 15:29 Uhr

Wunden heilen mit dem Plasma-Pen

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Der Plasma-Pen ist als Medizinprodukt zugelassen.

Künstlich hergestelltes Plasma heilt chronische Wunden und soll Krebszellen zum Absterben bringen. Obwohl das sogenannte Kalt-Plasma nur 30 Grad warm ist, tötet es Viren, Bakterien und Pilze innerhalb weniger Minuten ab.

Plasma wird auch in der Heilmedizin angewendet. Hier mit einem Stab an einem Knöchel einer alten Frau.

Wunden heilen mit dem Plasma-Pen

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Plasma ist ionisiertes Gas, das zum Beispiel in Blitzen entsteht. Plasma-Energie wird auch in der Medizin genutzt - im Kampf gegen chronische Wunden und in der Krebsforschung.

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Was genau ist Plasma?

Plasma (griechisch: das Formbare) wird auch als vierter Aggregatzustand bezeichnet. Einfach erklären lässt sich das am Beispiel von Wasser: Als Eis ist Wasser ein fester Körper. Führt man ihm Energie in Form von Wärme zu, wird es flüssig und schließlich gasförmig. Wird einem Gas Energie zugeführt, entsteht ein Plasma. In diesem Zustand, lösen sich äußere Elektronen von den Gasatomen oder -molekülen. In einem Plasma bewegen sich Atome oder Moleküle, Ionen (Atome, denen ein Elektron fehlt oder auch mehrere) und Elektronen frei umher und wirken aufeinander ein.

Ein Plasma ist also ein ionisiertes Gas, das als elektrisch leitendes Medium besondere Eigenschaften besitzt. Materie im Plasmazustand findet sich in der Sonne und in den Sternen. Aber auch der von der Sonne ausgehende Sonnenwind und die geladenen Teilchen, die im Magnetfeld der Erde gefangen sind, bilden Plasmen.

Die in der Medizin verwendeten Niedertemperatur-Plasmen sind nur teilweise ionisierte Gase, deren freie Elektronen äußerst reaktionsfreudig sind.

Plasma-Pen gegen aggressive Keime

Bei offenen Beinen oder infizierten chronischen Wunden, bei denen keine andere Therapie mehr anschlägt, vernichtet das Kalt-Plasma die aggressiven Keime und regt zugleich das Zellwachstum und damit die Heilung an. Außerdem sorgt es für eine bessere Sauerstoffversorgung in der Haut und den Zellen. Nebenwirkungen sind in bisherigen Studien nicht aufgetreten.

Der Plasma-Pen ist nicht größer als ein Füller. Er ist zwar als Medizinprodukt zugelassen, doch die Kassen übernehmen die Kosten der Behandlung nicht. Die Kosten ab zehn Euro pro Sitzung, je nach Größe der Wunde und Dauer der Einzelbehandlung, müssen Betroffene selbst bezahlen.

Derzeit entwickeln die Wissenschaftler die Geräte weiter, erproben verschiedene Zusammensetzungen des Gases und arbeiten sowohl an neuartigen Wundauflagen, die für die Behandlung an Strom angeschlossen werden, als auch an einem Plasma-Endoskop, mit dem Ärzte auch in Körperhöhlen arbeiten können. In der Zahnmedizin wird Plasma bereits genutzt, um vor dem Einsetzen von Implantaten Keime abzutöten und Zahnfleischentzündungen zu bekämpfen.

Plasma gegen Krebs: Noch fehlen Studien

Durch Zufall haben Ärzte bei der Wundbehandlung entdeckt, dass unter einer Plasmatherapie nicht nur Bakterien verschwinden, sondern auch Krebszellen. In Gewebeproben außerhalb des Körpers hat man dann festgestellt, dass das Plasma Krebszellen nicht sofort zerstört. Es legt aber in den Krebszellen quasi einen Schalter um, der sie letztendlich absterben lässt. Doch hier stehen die Forscher noch am Anfang.

Experten zum Thema

Prof. Dr. Steffen Emmert, Klinikdirektor
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie
Universitätsmedizin Rostock
Strempelstraße 13
18057 Rostock
www.dermatologie.med.uni-rostock.de

Prof. Dr. Klaus-Dieter Weltmann, Physiker und Direktor
Dr. Kai Masur, Biochemiker
Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) e.V.
Felix-Hausdorff-Straße 2
17489 Greifswald
www.inp-greifswald.de

Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Hans-Robert Metelmann, Direktor
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie/Plastische Operationen
Universitätsmedizin Greifswald
Ferdinand-Sauerbruch-Straße DZ7
17475 Greifswald
(03834) 86 71 60
www2.medizin.uni-greifswald.de

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