Stand: 03.11.2015 11:38 Uhr  | Archiv

Phosphor statt Bernstein: Verbrennungsgefahr

Weißer Phosphor kann leicht mit Bernstein verwechselt werden.

Weißer Phosphor war im Zweiten Weltkrieg Bestandteil von Brandbomben. Inzwischen werden vermehrt einzelne Stücke vom Meeresgrund an die Strände gespült: Das Gefährliche: Sie ähneln Bernstein. Trocknet der Phosphor, verbindet sich dieser mit Sauerstoff und entzündet sich. Er brennt dann mit einer Temperatur von 1.300 Grad und ist kaum noch zu löschen. Die Flammen sind nur mit Sand oder besonderen Feuerlöschern zu bekämpfen - Wasser ist nutzlos. Zwar weisen viele Kurverwaltungen in ihren Strandordnungen auf die Phosphorgefahr hin, dennoch kommt es immer wieder zu Unfällen, wenn Steinsammler die Klumpen fälschlicherweise für Bernstein halten.

Verbrennungen durch Phosphor sind mit normalen Brandwunden nicht vergleichbar, da sie das Gewebe viel stärker zerstören. Der Phosphor brennt sich tief in die Haut ein - durch das Fettgewebe bis in die Muskulatur. Als Sofortmaßnahme sollten Betroffene den Notarzt rufen, im kalten Wasser die Kleidung ausziehen und die Wunden mit feuchtem Sand bedecken. Die Wunden müssen in der Regel durch Hauttransplantationen in einer Spezialklinik geschlossen werden. Um Unfälle zu vermeiden, empfehlen Experten, den vermeintlichen Bernsteinfund niemals in Hosen- oder Jackentaschen zu transportieren. Die Steine sollten in Dosen oder sonstigen metallischen Gefäßen aufbewahrt werden.

Tonnenweise phosphorhaltige Munition in Nord- und Ostsee

Die britische Luftwaffe nutzte im Zweiten Weltkrieg ein Gemisch aus Phosphor und Kautschuk als Füllung für Brandbomben. Ein Ziel der Briten war eine Waffenversuchsanstalt der Nationalsozialisten in Peenemünde. Untersuchungen zufolge sind über 4.000 Brandbomben über der Ostsee abgeworfen worden. Nach Kriegsende entschieden die Besatzungsmächte zudem, rund 85 Prozent der in Deutschland gefundenen chemischen Kampfmittel im Meer zu versenken. Mittlerweile sind viele Stahlmäntel der Geschosse auf dem Meeresgrund durchgerostet und die Überreste werden an die Küsten gespült. Experten schätzen, dass bis zu 1,3 Millionen Tonnen phosphorhaltige Munition auf dem Grund der Nordsee sowie 300.000 Tonnen in der Ostsee liegen.

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Peter Mailänder
Leiter der Sektion für Plastische und Handchirurgie, Intensiveinheit für Schwerbrandverletzte
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein – Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
Tel. (0451) 500 20 61
Fax (0451) 500 21 90
Internet: www.plastische-chirurgie-luebeck.uk-sh.de

Carsten Gröhn
Bernstein-Experte und -Sammler
Bünebüttler Weg 7
21509 Glinde
Internet: www.ambertop.de

Mark Wernicke
Kampfmittelräumdienst Schleswig-Holstein
24242 Felde

Dieses Thema im Programm:

Visite | 03.11.2015 | 20:15 Uhr

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