Sendedatum: 07.07.2009 20:15 Uhr  | Archiv

Operieren oder nicht: Bauchaorten-Aneurysma

Bei einem Aneurysma der Bauchaorta handelt es sich um eine Aussackung der Hauptschlagader im Bauchbereich. Normalerweise hat die Aorta dort einen Durchmesser von etwa zwei bis drei Zentimetern. Weitet sich die Aorta, kann sie mehr als doppelt so dick werden. Sie entspringt bogenförmig aus dem linken Herzen, verläuft durch den Brust- und Bauchraum, bevor sie sich im Unterbauch für die Versorgung der Beine aufzweigt. Kleinere Blutgefäße verlassen auf dem Weg die Hauptblutbahn zur Versorgung der Organe.

Aussackung häufig nicht bemerkt

Die Hauptursache für Aneurysmen sind Bluthochdruck sowie Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). Am häufigsten tritt es im Alter zwischen 60 und 80 Jahren auf. Männer sind vier- bis sechsmal häufiger betroffen als Frauen. In Deutschland leben etwa 300.000 Patienten mit einem Aneurysma. In den meisten Fällen bleibt die Entwicklung der Gefäßaussackung zunächst unbemerkt, da sie keine wesentlichen Beschwerden verursacht. Rücken- und Bauchschmerzen können ein Zeichen für ein wachsendes Bauchaortenaneurysma sein. Häufig handelt es sich jedoch um Zufallsbefunde im Rahmen von Ultraschall- oder Computertomographie-Untersuchungen des Bauches.

Lebensgefahr, wenn Aneurysma platzt

Mit zunehmender Größe der Aussackung steigt das Risiko, dass die aufgeweitete Hauptschlagader platzt. Sehr starke Schmerzen im Bereich von Rücken, Bauch oder den Seiten sind dann typische Symptome. Infolge des massiven Blutverlustes kann es zu einem lebensgefährlichen Kreislaufschock kommen. Lediglich zehn Prozent der Betroffenen erreichen lebend das Krankenhaus. Trotz sofortiger Notoperation versterben weitere 50 Prozent der Patienten im Krankenhaus.

Verschiedene Therapieverfahren

Zur Behandlung eines Bauchaorten-Aneurysmas stehen verschiedene Therapieverfahren zur Verfügung. Sie richten sich vor allem nach der Lage und der Größe der Aussackung. Im Rahmen einer großen Operation am offenen Bauch in Vollnarkose können Gefäßchirurgen eine Gefäßprothese aus Kunstfasern in den betroffenen Gefäßabschnitt einsetzen. Seit etwa zehn Jahren steht eine neue, schonendere Methode zur Verfügung. Unter einer örtlichen Betäubung bringen Ärzte dabei die Prothese über einen kleinen Schnitt in der Leiste mit Hilfe eines Katheters in die Hauptschlagader ein. Unter Röntgenkontrolle wird ein sogenannter Stent an der aufgeweiteten Gefäßstelle platziert. Beim Zurückziehen des Katheters entfaltet sich der Stent, kleidet die beschädigte Schlagader von innen aus und stabilisiert so die Aussackung.

Im weiteren Verlauf werden die Patienten in ein Nachsorgeprogramm aufgenommen. Engmaschige Ultraschallkontrollen sowie eine konsequente Blutdrucktherapie sowie die Beseitigung von Risikofaktoren (Übergewicht und Rauchen) sind dringend erforderlich.

 

Interviewpartner im Studio:
Prof. Dr. Eike Sebastian Debus
Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie
Asklepios Klinik Hamburg-Harburg
Abteilung für Allgemein-, Gefäß- und Visceralchirurgie
Eißendorfer Pferdeweg 52, 21075 Hamburg 

ab Oktober 2009:
Direktor der Klinik und Poliklinik für Gefäßmedizin
Universitäres Herzzentrum des Universitätskrankenhaus Eppendorf
Martinistr. 52, 20246 Hamburg 

Interviewpartner im Beitrag:
Dr. Dietmar Hertle, Internist
Paracelsus-Klinik Kaltenkirchen
Alvesloher Straße 29, 24568 Kaltenkirchen
Tel: (04191) 96-0

 

Autorin des Fernsehbeitrags:
Tilman Hassenstein

Dieses Thema im Programm:

Visite | 07.07.2009 | 20:15 Uhr

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