Stand: 24.04.2018 11:44 Uhr  | Archiv

Intensivstation: Lärm verzögert Heilung

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Auf Intensivstationen erzeugen viele Geräte eine konstante Geräuschkulisse.

Auf der Intensivstation des Bremer Klinikum Links der Weser legen Pflegepersonal und Ärzte ein besonderes Augenmerk auf die Lärmbelastung der Erkrankten. Denn auf Intensivstationen ist es mit Lärmspitzen von 70 bis 100 Dezibel zum Teil so laut wie an einer stark befahrenen Hauptverkehrsstraße. Das raubt Schwerkranken insbesondere nachts den notwendigen erholsamen Schlaf.

Ursachen für Lärm auf Intensivstationen

Lärm auf Intensivstationen entsteht durch Geräte und Personal. Dazu gehören das regelmäßige Piepen von Überwachungsmonitoren, Alarmsignale in Notfallsituationen, aber auch pflegerische und diagnostische Maßnahmen. Zum Beispiel verursacht das Auseinanderreißen von Absaugkathetern einen Lärmpegel von etwa 80 Dezibel, das Absaugen von Sekret rund 60 Dezibel, das Öffnen und Schließen von Schränken bis zu 76 Dezibel. Dazu kommen indirekte Umgebungsgeräusche wie der Lärm von Geschirrspülmaschinen, das Klappern von Bettpfannen und Urinflaschen und die Reinigung der Zimmer.

Folgen des Lärms für Schwerkranke

Lärm verzögert den Heilungsprozess. Da die meisten Geräusche für Erkrankte unerwartet und unvorhersehbar auftreten, können sie Angst und Panik, Hilflosigkeit, Verwirrung und das Gefühl des Ausgeliefertseins auslösen. Es kommt zudem zu messbaren körperlichen Veränderungen wie zum Beispiel einem Anstieg des Blutdruckes, einer Zunahme der Herzfrequenz und einer Überproduktion von Stresshormonen.

In Befragungen geben viele Betroffene an, dass insbesondere der Lärm durch Gespräche des Personals, Telefonate im Patientenzimmer und laute Unterhaltungen auf den Fluren stören. Andere Geräusche, etwa von Überwachungsgeräten oder medizinisch notwendigen Tätigkeiten, werden als weniger belastend beschrieben.

WHO empfiehlt Grenzwert für Patientenzimmer

Die Weltgesundheitsorganistaion (WHO) empfiehlt in Patientenzimmern einen maximalen Lärmpegel von 35 Dezibel. Grenzwerte in diesem Bereich empfiehlt auch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung für den Neu- und Umbau von Krankenhäusern. Demnach sollen im Operationssaal und in Fluren 45 Dezibel nicht überschritten werden - in anderen medizinisch genutzten Räumen liegt die empfohlene Grenze bei 35 Dezibel.

Maßnahmen für weniger Lärm

Auf der Intensivstation des Klinikums Links der Weser visualisieren Geräuschmesser auf den Gängen den Lärmpegel: Leuchten sie grün, ist der Lärmpegel angemessen. Leuchten sie rot, ist es zu laut. Außerdem haben die Mitarbeiter der Station Maßnahmen entwickelt, die den Lärmpegel reduzieren sollen: Medikamente und Materialverpackungen werden nur noch im Lager oder leise auf der Station geöffnet. Zudem erhalten Erkrankte nachts Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung (Noise Cancelling).

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Interviewpartner

Andreas Schneider
Josephine Nave
Petra Hünerkopf
Karolina Bryl
Fachkräfte für Anästhesie- und Intensivpflege
Gesundheit Nord
Klinikverbund Bremen
Klinikum Links der Weser
Senator-Weßling-Str. 1, 28277 Bremen
E-Mail: andreas.schneider@klinikum-bremen-ldw.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 24.04.2018 | 20:15 Uhr

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