Stand: 23.02.2010 20:00 Uhr  | Archiv

Offenes Bein: Ursachen und Behandlung

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Grundsätzliche Ursache bei einem offenen Bein ist immer eine mangelnde Durchblutung des Gewebes.

Als offenes Bein wird umgangssprachlich ein Geschwür meist an der Innenseite des Unterschenkels (Ulcus cruris) bezeichnet. Dabei handelt es sich um offene, meist nässende Wunden, die über lange Zeit nicht abheilen und nicht selten eine Amputation notwendig machen. Grundsätzliche Ursache ist immer eine mangelnde Durchblutung des Gewebes, die oft  auf eine chronische Venenschwäche oder eine - manchmal auch unbemerkt gebliebene - Thrombose zurückzuführen ist. Dann sprechen Ärzte vom postthrombotischen Syndrom. Frühe Anzeichen einer solchen Durchblutungsstörung sind bräunliche Verfärbungen der Haut am Unterschenkel, später wird die Haut auch dünner, Wunden heilen schlecht.

Weitere Ursachen für schlecht heilenden Wunden sind arterielle Durchblutungsstörungen (oft in Verbindung mit Bluthochdruck oder Rauchen), sowie Diabetes mellitus. Ein Herzleiden kann ebenfalls mitverantwortlich sein. Die genauen Ursachen des offenen Beines müssen also immer und individuell geklärt werden, um die optimale Therapie zu finden.

Gewebe-Durchblutung muss verbessert werden

Bei der Behandlung gilt es, die Durchblutung des Gewebes zu verbessern.  Was für den jeweiligen Patienten sinnvoll ist, muss im Einzelfall geklärt werden:  möglich sind zum Beispiel Operationen an den Venen oder an der Wunde selbst, Kompressionsstrümpfe, durchblutungsfördernde Medikamente und  Lymphdrainagen.

Bei einem Rückstau aus den tiefen Beinvenen in die oberflächlichen Venen kann es sinnvoll sein, die defekte Verbindungsvene (Perforansvene) zwischen den tiefen und den oberflächlichen Beinvenen zu unterbrechen und zu entfernen. Diese Venen unterstützen normalerweise wie ein Ventil das Abpumpen des verbrauchten Blutes aus dem Bein. Bei einem Defekt dieser Ventilfunktion wird das Blut aus den tiefen Beinvenen nach außen gedrückt und verursacht an der Oberfläche die schlecht heilenden Geschwüre. Nach Entfernung der defekten Verbindungsvene können die offenen Stellen am Bein innerhalb weniger Wochen wieder abheilen.

Einsatz von tierischen Therpeuten

Bei der Reinigung solch chronischer Wunden von abgestorbenem Gewebe setzen Chirurgen immer mehr auf tierische Unterstützung: Sterile Fliegenmaden. Die winzigen Larven haben großen Hunger und verzehren mit Vorliebe und unerreichter Präzision genau das abgestorbene Gewebe, das für die Heilung der Wunde entfernt werden muss. Die lebenden Maden werden in die Wunde gesetzt, wo sie drei Tage lang bleiben und ein Speichelsekret produzieren, das abgestorbenes Gewebe auflöst und gesundes verschont. Die Maden schlürfen das aufgelöste Gewebe in sich hinein und tragen es so viel exakter ab, als es ein Chirurg könnte. Auf diese Weise töten sie Keime ab und fördern die Wundheilung.

Aufgezogen werden die Maden in den Brutschränken einer Aufzuchtstation. Nach 24 Stunden sind Fliegeneier zu Maden gereift und werden steril in Pakete mit 50 bis 300 Stück verpackt - entweder als sogenannte Freiläufer oder eingesperrt im "Biobag“. Diese werden eingesetzt, wenn ein Patient sich vor freilaufenden Maden ekelt und Angst hat, sie irgendwo im Bett zu finden, falls der Verband einmal zu locker sitzt. Ob im Biobag oder als Freiläufer im Wundbett: Nach drei Tagen ist die Wunde sauber.

Alternative: Hyperbare Sauerstofftherapie

Die sogenannte Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) wird seit vielen Jahren erfolgreich zur Behandlung von Tauchunfällen, Rauchgas- und Kohlenmonoxidvergiftungen eingesetzt. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass diese positiven Effekte auch zur Behandlung offener Wunden genutzt werden können, da sie auch schlecht durchblutetes Gewebe mit Sauerstoff versorgt. Dazu atmet der Patient in einer Druckkammer bei drei Bar (das entspricht dem Druck bei einer Tauchtiefe von etwa 20 Metern) reinen Sauerstoff ein. Auf diese Weise erhöht sich die Sauerstoffkonzentration im Blut um das 20-fache. So werden selbst schlecht durchblutete Regionen, die von den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) nicht mehr erreicht werden, mit Sauerstoff versorgt.

Unter normalen Druckbedingungen gelangt  der Sauerstoff über die Atemwege in die Lunge, wird dort an die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) gebunden und über die Blutbahn zu den Zellen transportiert. Durch die Überdruckbedingungen bei der HBO kann Sauerstoff zusätzlich in den flüssigen Bestandteil des Blutes (Plasma) aufgenommen werden und so in unterversorgte Gewebe gelangen. Wundheilungsprozesse können dadurch verkürzt und Amputationen sogar verhindert werden. Anders als etwa in den USA, ist die Hyperbare Sauerstofftherapie in Deutschland aber noch eine Außenseitermethode, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird. Eine Therapiesitzung kostet rund 130 Euro. Private Krankenkassen übernehmen die Kosten oft auf Antrag in Verbindung mit einem Kostenvoranschlag.

 

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