Stand: 10.09.2018 13:42 Uhr  | Archiv

Dialyse zu Hause ist zu selten im Einsatz

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Die Dialyse zu Hause ist eine schonende Alternative zur Dialyse im Zentrum, wird aber relativ selten eingesetzt.

Die Nieren sind die Kläranlagen unseres Körpers: Sie scheiden Wasser und Salze über den Urin aus und filtern schädliche Abbauprodukte aus dem Blut. Sind die Nieren geschädigt, können sie den Körper nicht mehr entgiften. Rund 80.000 Nierenkranke in Deutschland sind auf eine maschinelle Blutwäsche (Hämodialyse) angewiesen.

Alternative zu der aufwendigen und belastenden Behandlung im Dialysezentrum sind die sogenannte Heim-Hämodialyse und die Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse). Beide würden aber in Deutschland viel zu selten eingesetzt, klagen Experten. Dabei haben sie eine ganze Reihe von praktischen und gesundheitlichen Vorteilen.

 

Hämodialyse im Dialysezentrum

Bei der maschinellen Blutwäsche sind die Betroffenen mehrmals pro Woche für mehrere Stunden an ein Dialysegerät angeschlossen. Es reinigt das Blut von Harnstoff, Kreatinin und Harnsäure und reguliert den Wasser- und Salzgehalt des Blutes. Die meisten Nierenkranken kommen dafür drei Mal pro Woche in ein Dialysezentrum, wo sie vier Stunden an der Maschine angeschlossen bleiben.

Die Hämodialyse belastet viele Erkrankte: Die medizinische Behandlung bestimmt ihren Wochenablauf. Sie fühlen sich anschließend müde und abgeschlagen: Innerhalb weniger Stunden werden nicht nur Giftstoffe, sondern auch drei Liter Flüssigkeit aus dem Gewebe, den Füßen und der Lunge abgeleitet. Das kann zu Blutdruckschwankungen und Krämpfen führen. Nach der Dialyse dürfen Betroffene nur wenig trinken und müssen sich bei frischem Obst und Lebensmitteln mit viel Kalium und Eiweiß zurückhalten. Etwas schonender ist die Nachtdialyse.

Wie die Heim-Hämodialyse funktioniert

In einigen Fällen können Nierenkranke die Hämodialyse zu Hause durchführen. Sie müssen bereit sein, sich eigenverantwortlich und selbstständig darum zu kümmern. Benötigt werden ein Bett oder eine Liege, ein Dialysegerät und eine Wasseraufbereitungsanlage (Osmosegerät). Die Geräte und Verbrauchsmaterialien stellt das betreuende Dialysezentrum.

Für die Heim-Hämodialyse werden Betroffene im betreuenden Dialysezentrum über Monate umfangreich geschult. Ideal ist es, wenn der Partner des Nierenkranken die Funktion der Dialyseschwester übernehmen kann. Erst wenn die Betroffenen alle Handgriffe zum Anschluss der Schläuche und zur Bedienung der Geräte gelernt haben und auch auf Probleme vorbereitet sind, kann die Dialyse zu Hause beginnen.

Wie die Bauchfelldialyse das Blut filtert

Bei der Bauchfelldialyse ersetzt das mit vielen Blutgefäßen durchzogene Bauchfell die Entgiftungsfunktion der Niere. Betroffene können die sogenannte Peritonealdialyse zu Hause durchführen. Die Betroffenen dürfen allerdings nicht schwer am Darm erkrankt sein. Auch für diese Methode müssen sie sich zutrauen, selbst die Verantwortung für ihre Dialyse zu übernehmen.

Für die Bauchfelldialyse wird in einer kurzen OP ein kleiner Katheter in den Unterleib eingesetzt. Darüber leitet der Nierenkranke mit einem Spülgerät (Cycler) zwei bis drei Liter sterile Zuckerlösung in die Bauchhöhle. Diese ist so konzentriert, dass der Körper das Bedürfnis hat, sie mit eingelagertem Wasser zu verdünnen. Dadurch kommt eine Entwässerung in Gang - überschüssiges Wasser spült Giftstoffe durch das Bauchfell in den Bauchraum. Das Bauchfell wirkt dabei wie ein natürlicher Filter, der das Blut von den schädlichen Substanzen befreit. Ist die Zuckerlösung nach einigen Stunden ausreichend verdünnt, lässt der Betroffene sie über den Katheter wieder ab.

Bauchfelldialyse: Training im Dialysezentrum

Die Bauchfelldialyse wird zunächst im Dialysezentrum geübt. Vielerorts machen Pflegepersonal oder der Arzt auch Hausbesuche, um zu prüfen, ob die Dialyse richtig durchgeführt wird. Bei der Bauchfelldialyse müssen Betroffene die Handhabung des Cyclers erlernen - das Anschließen der Schläuche, das Aufziehen der Spritzen und das Punktieren.

Später Wechsel zur Hämodialyse nötig

Ungefähr einmal im Monat müssen Betroffene ihre Blutwerte und ihren Gesundheitszustand bei einem Nierenspezialisten untersuchen lassen. Der Arzt kontrolliert auch den Katheter, die angrenzende Haut, die Leistungsfähigkeit des Bauchfells und die Zusammensetzung der Dialyselösung. Durch die Dialyse verhärtet sich das Bauchfell - nach spätestens acht Jahren müssen Betroffene zur Hämodialyse wechseln.

Vorteile der Heim-Hämodialyse und Bauchfelldialyse

Die Dialyse zu Hause hat praktische, aber auch gesundheitliche Vorteile für Betroffene:

  • Wer sein Blut öfter und länger filtert, entgiftet besser. Während die Nieren rund um die Uhr arbeiten, wird das Blut im Dialysezentrum nur etwa zwölf Stunden pro Woche gewaschen. Bei der Heimhämo- und der Bauchfelldialyse lassen sich die Patienten in der Regel mehr Zeit für die Entgiftung, vor allem in der Nacht.
  • Sie fühlen sich danach in der Regel wohler als nach einer Hämodialyse im Zentrum.
  • Sie haben nur wenige Einschränkungen beim Essen und Trinken.
  • Sie benötigen weniger Tabletten.
  • Sie haben ein gesünderes Herz, einen besseren Blutdruck und fühlen sich insgesamt fitter.
  • Eine Bauchfelldialyse ist auch am Arbeitsplatz und in entfernten Urlaubsorten möglich.

Was Betroffene beachten müssen

Gibt es ein Problem mit der Heim-Hämodialyse oder Bauchfelldialyse, können sich Betroffene dazu rund um die Uhr mit ihrem Dialysezentrum in Verbindung setzen. Sie sollten dazu die Nummer griffbereit halten. Erkrankte können die Therapie auch jederzeit ohne große Risiken abbrechen. Die Dialyseprotokolle werden per E-Mail an den behandelnden Arzt verschickt.

Warum die Dialyse zu Hause selten zum Einsatz kommt

In Deutschland werden beide Verfahren zur Heimdialyse bisher kaum angeboten. Das hat unter anderem finanzielle Gründe. Die Heim-Hämodialyse und die Bauchfelldialyse sind vor allem in der Anfangszeit deutlich aufwendiger für den Arzt, werden aber nicht besser bezahlt als die Hämodialyse. In anderen europäischen Ländern ist das anders - und dort ist auch die Dialyse zu Hause verbreiteter.

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Visite | 11.09.2018 | 20:15 Uhr

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