Stand: 30.05.2017 14:03 Uhr  | Archiv

Neue Therapien gegen Multiple Sklerose

Ein Rollstuhlfahrer ist auf der Straße unterwegs. © Fotolia.com Foto: Minerva Studio
Vielen Erkrankten mit Multipler Sklerose droht ein Leben im Rollstuhl.

Multiple Sklerose (MS) wird auch die Krankheit der tausend Gesichter genannt. Sie beginnt oft mit ganz unterschiedlichen Beschwerden: Mal ist ein Arm etwas taub, mal ein Bein schwächer als das andere, mal ist plötzlich der Sehnerv eines Auges entzündet. Die Symptome können komplett wieder verschwinden oder auch zu bleibenden Schäden führen - früher waren die meisten MS-Erkrankten irgendwann auf einen Rollstuhl angewiesen. Die Therapien sind in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden. Inzwischen gibt es eine Reihe wirksamer Medikamente.

Nervenfasern werden abgebaut

Multiple Sklerose ist eine Autoimmunkrankheit. Abwehrzellen richten sich dabei gegen den eigenen Körper und bauen die Isolierschicht von Nervenfasern ab. Dadurch ist die Kommunikation zwischen den Zellen gestört. Je nachdem, wo im Gehirn die Erkrankung zuschlägt, kommt es zu unterschiedlichen Ausfallerscheinungen.

Therapie an den Verlauf anpassen

Niemand kann den weiteren Verlauf sicher vorhersagen, denn jede MS-Erkrankung entwickelt sich anders. Nicht einmal auf MRT-Bildern vom Gehirn lässt sich eindeutig erkennen, wie schnell sich Entzündungsherde im Gehirn ausbreiten werden. Eine Therapie muss daher immer exakt auf den Einzelfall abgestimmt sein.

  • Als Basistherapie kann bei einem akuten Schub kurzfristig Kortison gegeben werden, um die aufgeflammte Entzündung im Gehirn zu stoppen. So lassen sich bleibende Schäden oft verhindern. In einigen Fällen ist dann lange Zeit keine spezielle Immuntherapie nötig.
  • Schreitet die Erkrankung schnell voran, kommen stärkere Medikamente zum Einsatz. Sie wirken gut, können aber starke Nebenwirkungen haben, zum Beispiel Herzrhythmusstörungen.
  • Ein neues Medikament soll erstmals gegen Multiple Sklerose helfen, die nicht schubweise, sondern stetig voranschreitend (progredient) verläuft. Bisher gab es keine wirksame Therapie gegen progrediente Multiple Sklerose, sondern nur gegen schubweise MS.
  • In der Entwicklung sind weitere Wirkstoffe, die die Therapiemöglichkeiten verbessern sollen.

Der richtige Zeitpunkt für die Therapie

Uneinig sind sich viele Mediziner über den optimalen Zeitpunkt für den Start einer gezielten MS-Therapie. Während einige Ärzte schon zu Beginn der Erkrankung Medikamente geben, sehen andere Ärzte in diesem Stadium keinen zwingenden Handlungsbedarf. Schreitet die Entzündung im Gehirn voran, wird eine sofortige Therapie empfohlen. Bei Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen kann auf alternative Medikamente umgestellt werden.

Wie Erkrankte am besten in die individuelle Entscheidung für eine Therapie einbezogen werden, erforschen derzeit Hamburger Wissenschaftler. Die Betroffenen sollen vor allem lernen, was die MRT-Bilder bedeuten - denn diese haben Einfluss auf die Wahl der richtigen Therapie.

Weitere Informationen
Die Ernährungs-Docs © NDR

Multiple Sklerose: Krankheit mit 1.000 Gesichtern

Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, die in Schüben verläuft. Wenn Medikamente kaum oder gar nicht wirken, kann eine Transplantation von Stammzellen helfen. mehr

Eine Box mit verschiedenen gesunden Lebensmitteln. (Bildmontage) © fotolia.com Foto: pat_hastings, Sphotocrew, valery121283, atoss

Ernährung bei Multipler Sklerose (ketogen)

"Ketogene Ernährung" heißt das Schlagwort: Kohlenhydrate möglichst vermeiden, dafür viel kommt viel gutes Fett auf den Speiseplan. Es soll die Entzündungsprozesse stoppen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Visite | 30.05.2017 | 20:25 Uhr

Mehr Gesundheitsthemen

Diverse Lebensmittel © colourbox Foto: Yuliya Furman

Pegane Ernährung - wie sie funktioniert, was sie bringt

Pegane Ernährung - eine Mischung aus paleo und vegan - trendet zurzeit. Ist sie alltagstauglich und für jeden geeignet? mehr

Junge Frau im Bett schaut verzweifelt und legt die Hand gegen die Stirn. © Fotolia.com Foto: Sergey

Schlafstörungen: Wie kann Naturheilkunde helfen?

Die Naturheilkunde hat verschiedene Methoden, die bei Schlafstörungen helfen können - ganz ohne Nebenwirkungen. mehr

Eine Klinik-Mitarbeiterin zieht einen Covid-19-Impfstoff für eine Impfung auf eine Spritze. © dpa-Bildfunk Foto: Sven Hoppe

Corona: Wie wirkt die Impfung?

Wie wirkt die Impfung gegen das Coronavirus und welche Nebenwirkungen gibt es? mehr

Ein Tropfen hängt an einer Nadelspitze. Dahinter das Wort "Impfung". © picture alliance/Friso Gentsch/dpa Foto: Friso Gentsch

Corona-Impfzentren: Wo und wann wird jetzt geimpft?

Die Impfzentren im Norden sind eingerichtet. Doch wer ist wann an der Reihe und wie kann man sich anmelden? Ein Überblick. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Podcast mit Christian Drosten & Sandra Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr