Stand: 13.09.2016 13:52 Uhr  | Archiv

Neue Methode: Kniegelenk-Transplantation

Mit fremden Knochen und Knorpelgewebe eines Spenders einen Knorpelschaden im Knie reparieren - daran forschen Mediziner in Hannover. Bisher lassen sich nur unfallbedingte Knorpelschäden mit einem Durchmesser von bis zu vier Zentimetern mit einer Knorpelzelltransplantation, die Autologe Chondrozyten-Transplantation (ACT), aus eigenem Gewebe reparieren. Dabei wird ein kleines Stück Knochen und Knorpel aus einer gesunden Stelle am Knie des Patienten herausgestanzt und daraus im Labor neues Knorpelgewebe gezüchtet. Der neue Knorpel aus eigenen Zellen wird passgenau eingefügt und wächst ein.

Gewebespende erspart Prothesen und künstliches Gelenk

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Neue Operationsmethode entwickelt.

Patienten mit einer größeren Verletzung blieben bislang als Alternativen nur ein künstliches Kniegelenk oder eine Teilprothese. Gerade für junge Patienten war das nicht befriedigend, denn die künstlichen Gelenke haben eine begrenzte Lebensdauer und müssen immer wieder ausgetauscht werden. Dabei geht jedes Mal weiterer Knochen verloren. Die Gewebespende eines anderen Menschen soll ihnen nun helfen, wieder ohne Schmerzen gehen zu können.

Verfahren noch in der Entwicklung

Das Spenderknie wird im OP passgenau zugeschnitten. Die Zellen im Spendermaterial müssen noch intakt sein, damit das Implantat in den Knochen des Patienten einwachsen kann. Und die neue Knochen-Knorpelschale muss so dünn wie möglich sein - nur dann gibt es keine Abstoßungsreaktionen, beobachteten die Forscher. Anders als bei Organtransplantationen müssen die Patienten anschließend nicht lebenslang Medikamente einnehmen, um eine Abstoßung zu unterdrücken. Bislang wurde das Verfahren erst bei wenigen Patienten durchgeführt. Auch verletzte Schulter- und Fußgelenke wurden in Hannover inzwischen so behandelt. Langzeitbeobachtungen gibt es allerdings noch nicht. Das Verfahren befindet sich noch in der Entwicklung und ist in Deutschland bislang einzigartig.

Sowohl die Knorpelzelltransplantation aus eigenem Gewebe als auch die neue Gelenkflächen-Transplantation setzen voraus, dass an anderer Stelle im Gelenk der Knorpel gesund und funktionsfähig ist. Das ist bei fortgeschrittener Arthrose meist nicht der Fall. Bei Arthrose ist der Knorpelschaden nicht auf einen bestimmten Bereich begrenzt, sodass die Knorpel-Ersatzverfahren für diese Patienten in der Regel nicht infrage kommen.

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Christian Krettek, FRACS                                           
Direktor Klinik für Unfallchirurgie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
Tel. (0511) 532-20 99, Fax (0511) 532-58 77
Internet: www.mh-hannover.de/unfallchirurgie.html

Priv.-Doz. Dr. Jan Philipp Petersen, Leitender Oberarzt
Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
Tel. (040) 74 10-53 459, Fax (040) 74 10-545 69
Internet: www.uke.de/kliniken/unfallchirurgie

Dieses Thema im Programm:

Visite | 13.09.2016 | 20:15 Uhr

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