Stand: 20.05.2019 17:22 Uhr

Mit Immuntherapien den Krebs bekämpfen

Bild vergrößern
Krebszellen wachsen lange im Verborgenen, bevor das Immunsystem sie erkennt.

Krebs ist in vielen Fällen nicht heilbar. Doch neue Therapien machen Hoffnung: So hat sich die Immunonkologie neben Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie als vierte Säule der Behandlung entwickelt. Immuntherapien wirken nicht direkt auf den Tumor. Sie zielen darauf ab, das körpereigene Abwehrsystem zu aktivieren, sodass es Krebszellen erkennt und vernichtet. Denn prinzipiell ist das Immunsystem in der Lage, praktisch jeden Krebs auszuschalten. Das Problem ist jedoch, dass sich Krebszellen vor dem Immunsystem "verstecken" und lange im Verborgenen wachsen. Zu den Immuntherapien gegen Krebs gehören unter anderem die therapeutische Impfung und sogenannte Checkpoint-Inhibitoren.

Drei Hände halten eine Spritze und eine Ampulle.

Mit Immuntherapien den Krebs bekämpfen

Visite -

Bei der Behandlung von Krebs spielen Immuntherapien eine immer größere Rolle. Sie sollen das körpereigene Abwehrsystem aktivieren, sodass es Krebszellen erkennt und vernichtet.

4,25 bei 4 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Studien: Therapeutische Impfung bei Leukämie

Ein Anwendungsgebiet für therapeutische Impfungen ist die akute lymphatische Leukämie bei Kindern. Obwohl sich die Blutkrebsform besonders gut behandeln lässt, kommt es bei einem gewissen Prozentsatz der betroffenen Kinder zu Rezidiven. Solche Rückfälle sind oft schwierig zu behandeln.

Weil Krebsgeschwüre aus körpereigenem Gewebe entstehen, sind sie für das Immunsystem schwer zu erkennen. Deshalb können die Abwehrzellen den Tumor nicht wirksam bekämpfen. Durch die Impfung soll das Immunsystem Eiweißstoffe erkennen, die nur auf der Oberfläche der Tumorzellen vorkommen. Bisher werden diese Impfungen nur im Rahmen von Studien durchgeführt.

Hohe Kosten für Impfstoff

Der Impfstoff wird individuell für jeden Studienteilnehmer im Labor hergestellt. Dafür suchen die Forscher zunächst Moleküle, die nur auf den Krebszellen vorkommen. Um sie zu identifizieren, vergleichen sie das Erbgut der Leukämiezellen und gesunder Zellen des Erkrankten. So können sie spezifische Mutationen in den Leukämiezellen finden, isolieren und vervielfältigen.

Die Produktion des Impfstoffs dauert fünf Monate. Die Kosten liegen bei bis zu 50.000 Euro pro Studienteilnehmer. Den Impfstoff bekommen sie in einem Zeitraum von mehr als sieben Monaten insgesamt 16 Mal verabreicht. Immer wieder messen die Wissenschaftler, wie das Immunsystem darauf reagiert und ob es Abwehrzellen speziell gegen die Eiweißstoffe bildet.

Checkpoint-Inhibitoren: Nobelpreis für Entdeckung

Anders als die therapeutische Impfung werden sogenannte Checkpoint-Inhibitoren bereits in der Klinik gegen Krebserkrankungen eingesetzt. Auf Abwehrzellen befinden sich sogenannte Checkpoints. Das sind Moleküle, die wie Bremsen wirken: Sie verhindern, dass die Immunzellen körpereigenes Gewebe schädigen. Krebszellen verstärken die Bremswirkung und schützen sich so vor dem Immunsystem. Neue Medikamente mit speziellen Hemmstoffen (Checkpoint-Inhibitoren) lösen die Bremsen. Dann können die Abwehrzellen den Tumor wirksam bekämpfen.

Die bahnbrechende Entdeckung wurde im vergangenen Jahr mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet.

Checkpoint-Inhibitoren bei Hautkrebs und Lungenkrebs

Der schwarze Hautkrebs (Melanom) ist auch deshalb so gefürchtet, weil es noch vor wenigen Jahren in fortgeschrittenen Stadien keine wirksame Therapie gegen diesen bösartigen Tumor gab. Seit der Zulassung des ersten Checkpoint-Inhibitors Ipilimumab im Jahr 2011 ist das anders. Galt ein metastasiertes Melanom noch vor zehn Jahren als sicheres Todesurteil, sind heute 40 Prozent der Betroffenen nach fünf Jahren noch am Leben.

Seit 2015 ist ein weiterer Checkpoint-Hemmer, Nivolumab, zur Behandlung von fortgeschrittenem Lungenkrebs zugelassen. Allerdings ist auch die Immuntherapie sehr teuer und sie wirkt nicht bei jedem. Außerdem hat sie deutliche Nebenwirkungen. Das entfesselte Immunsystem attackiert nicht nur den Tumor, sondern auch gesundes Gewebe. Mit weiteren Medikamenten lassen sich diese Nebenwirkungen aber oftmals beherrschen.

Weitere Informationen

Medizin-Nobelpreis: Immuntherapie gegen Krebs

Für die Entdeckung der Immuntherapie bei Krebs haben Forscher den Medizin-Nobelpreis erhalten. Die Behandlung unterstützt das Immunsystem, Tumoren zu bekämpfen. mehr

Krebs durch Viren: HPV-Impfung für Männer?

Das Humane Papilloma Virus (HPV) kann Krebs auslösen, etwa am Gebärmutterhals oder Penis. Eine HPV-Impfung wird derzeit allerdings nur jungen Frauen bezahlt. mehr

Experten zum Thema

Prof. Dr. Hans-Georg Rammensee, Abteilungsleiter
Abteilung Immunologie
Interfakultäres Institut für Zellbiologie (IFIZ)
Universität Tübingen
Auf der Morgenstelle 15
72076 Tübingen
(07071) 29-8 76 28
uni-tuebingen.de

Prof. Dr. Peter Lang, Stellvertretender Ärztlicher Direktor
Bereichsleiter Stammzelltransplantation
Kinderheilkunde I
Universitätsklinikum Tübingen
Hoppe-Seyler-Straße 1
72076 Tübingen
www.medizin.uni-tuebingen.de

Prof. Dr. Axel Hauschild, Leiter
Arbeitsgruppe Dermatologische Onkologie
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Rosalind-Franklin-Straße 7, 24105 Kiel
www.dermatology.uni-kiel.de

Weitere Informationen
Deutsche Krebsgesellschaft e. V.
Kuno-Fischer-Straße 8
14057 Berlin
www.krebsgesellschaft.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 21.05.2019 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

11:26
Mein Nachmittag
08:40
Mein Nachmittag
08:37
Mein Nachmittag