Stand: 12.12.2017 09:53 Uhr

Neue Gentherapie gegen Blutkrebs

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Bei der CAR-T-Zell-Therpapie werden körpereigene Abwehrzellen so verändert, dass sie Krebszellen vernichten können.

Von einer Krebstherapie, die das Leben rettet, wenn herkömmliche Therapien versagen, träumen Ärzte und Patienten seit Langem. Die jetzt in den USA zugelassene CAR-T-Zell-Therapie könnte für verschiedene Formen von Blutkrebs ein Meilenstein auf dem Weg zu diesem Ziel sein. Sie verändert körpereigene Abwehrzellen so, dass sie Krebszellen jagen und vernichten. Das Besondere dieses neuen Verfahrens ist, dass es individuell auf den einzelnen Patienten und seinen Tumor abgestimmt ist. In einer Studie in Philadelphia wurden 63 Kinder mit Leukämie behandelt, bei denen alle herkömmlichen Therapien erfolglos blieben. Nach einer einmaligen Behandlung mit CAR-T-Zellen konnten bei mehr als 50 der betroffenen Kinder und Jugendlichen keine Krebszellen mehr nachgewiesen werden.

Krankes Kind

Neue Gentherapie gegen Blutkrebs

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Forscher in den USA haben eine Therapie gegen Blutkrebs entwickelt, bei der körpereigene Abwehrzellen verändert werden. Auch in Deutschland soll das Verfahren erprobt werden.

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Neue Therapie verändert körpereigene Killerzellen

Krebszellen haben die Fähigkeit, sich zu tarnen und so vor den Killerzellen des Immunsystems, den sogenannten T-Zellen, zu verstecken. Die CAR-T-Zell-Therapie stattet die T-Zellen durch gentechnische Veränderungen mit einem neuen Rezeptor (Chimeric Antigen Receptor) aus, der genau an diese getarnten Krebszellen im Blut andockt und die T-Zellen so in die Lage versetzt, sie zu vernichten. Aus dem Blut der Patienten werden T-Zellen gewonnen, mithilfe eines Virus gentechnisch verändert und anschließend wieder injiziert. Im Körper des Patienten vermehren sich die Killerzellen tausendfach und gehen auf die Jagd. Sie bleiben jahrelang aktiv und ersticken so jedes Aufflammen der Krebszellen im Keim.

Studie mit Erwachsenen in Deutschland geplant

Nach den ermutigenden Studien mit Kindern und Jugendlichen in den USA planen deutsche Forscher nun, das gentherapeutische Verfahren auch an Erwachsenen zu erforschen. Sie hoffen, dass deren Immunsystem genauso gut auf diese Methode anspringt wie das junger Menschen. Bisher war das Verfahren vor allem bei Leukämien erfolgreich, also bei Blutkrebs. In der Bekämpfung solider Tumoren, zum Beispiel in der Leber, im Magen oder in der Brust, ist die Gentherapie dagegen noch ein Thema der Grundlagenforschung. Hier geht es zunächst darum herauszufinden, welche gewebespezifischen Faktoren für Erfolg oder Misserfolg dieser Therapie entscheidend sind.

Schwere Nebenwirkungen sind möglich

Die gentherapeutische Manipulation des Immunsystems kann dramatische Folgen haben und Entzündungsreaktionen im ganzen Körper, hohes Fieber sowie Blutdruckabfall auslösen. Wie der Körper eines Patienten reagiert, lässt sich im Vorfeld nicht testen, denn die CAR-T-Zellen sind ein Medikament, das sich erst im Körper des Patienten vermehrt. Doch die Nebenwirkungen lassen sich durch immunsuppressive Medikamente beherrschen und todkranken Menschen bietet die Therapie trotz dieses Risikos eine einmalige Chance.

Erste Zulassung bei einer bestimmten Krebsform

Kürzlich hat die amerikanische Zulassungsbehörde FDA dem ersten Medikament dieser Art die Zulassung erteilt: Der unter dem Namen Kymriah vertriebene Wirkstoff Tisagenlecleucel kann künftig bei Patienten bis 25 Jahren eingesetzt werden, die an einer wiederkehrenden oder anders nicht zu therapierenden Form der Akuten Lymphatischen Leukämie (ALL) leiden. Eine Behandlung kostet rund 400.000 Euro. Doch verglichen mit den herkömmlichen Chemo- und Strahlentherapien, die mehrfach durchgeführt werden müssen, erscheint die einmalige gentechnische Intervention zur Heilung der Erkrankung gar nicht mehr so teuer. Anfang 2018 soll das vom Schweizer Pharmakonzern Novartis produzierte Kymriah voraussichtlich auch in Deutschland zugelassen werden. Ähnliche Verfahren sind bereits in der Entwicklung.

Interviewpartner

Prof. Dr. Klaus Cichutek, Institutsleiter
Paul-Ehrlich-Institut - Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel
Paul-Ehrlich-Straße 51-59, 63225 Langen
Internet: www.pei.de

Prof. Dr. Carsten Müller-Tidow, Ärztlicher Direktor
Prof. Dr. Michael Schmitt, MHBA, Leiter der GMP-Core-Facility
Medizinische Klinik V - Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie
Universitätsklinikum Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 410, 69120 Heidelberg
Internet: www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Informationen:
Krebsinformationsdienst (KID)
Deutsches Krebsforschungszentrum
Tel. (0800) 420 30 40 (8-20 Uhr, kostenlos aus dem deutschen Festnetz)
Internet: www.krebsinformationsdienst.de

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