Ein Mann trägt Salbe aus einer Tube auf seinen Ellenbogen auf. © PantherMedia Foto: Chamille White

Natur statt Chemie: So wirkt Naturheilkunde

Stand: 11.01.2021 11:39 Uhr

Die Grundlage der Naturheilkunde ist ein ganzheitlicher Ansatz bei dem Körper, Geist und Seele als Einheit betrachtet werden. In der Naturheilkunde werden ganz unterschiedliche Therapien genutzt.

Pflanzliche Arzneien und Jahrhundertealte Therapien, Natur statt Chemie: Naturheilkunde ist moderne Medizin. Die Grundlage ist ein ganzheitliche Ansatz: Körper, Geist und Seele werden als Einheit behandelt. Wissen aus den verschiedensten Bereichen wie Ernährung, Physiotherapie, Stressreduktion oder manuelle Therapien werden zusammengeführt.

Naturheilkunde gegen Rheuma und Arthrose

Die Behandlung wird individuell auf den Einzelnen abgestimmt und setzt auf die Selbstheilungskräfte des Körpers. Eingesetzt werden verschiedene Verfahren, deren Wirksamkeit in Studien belegt sind. Die Einsatzgebiete sind vielfältig: Schmerzerkrankungen wie Rheuma, Polyneuropathie oder Arthrose werden ebenso behandelt wie Krebs, Burn-out oder Hauterkrankungen.

Immer mehr Kassen erstatten bei bestimmten Krankheiten Therapien, wie zum Beispiel die Akupunktur bei Knieleiden. Dabei werden in der Naturheilkunde ganz unterschiedliche Therapien genutzt – einige Beispiele.

Mit richtiger Ernährung Entzündungen eindämmen

Ernährungstherapie: Die Ernährungstherapie gehört zu den ältesten Behandlungsformen. Schon in der Antike griff der Arzt Hippokrates zu Ernährungsempfehlungen. In der heutigen Naturheilkunde steht die Vollwerternährung mit einem hohen pflanzlichen Anteil im Vordergrund. Die richtige Ernährung kann viel dazu beitragen, Entzündungen einzudämmen - zum Beispiel bei Arthrose oder Rheuma. In Gemüse, wie zum Beispiel Rote Bete, Brokkoli oder Spinat, Beeren, Nüssen und Obst gibt es sehr viele sekundäre Pflanzenstoffe. Sie wirken entzündungshemmend. Auch Gewürze sind durch ihre ätherischen Öle und Scharfstoffe wie Kurkuma etwa, ein Bestandteil von Currys, hat sich als hochwirksam gegen Arthrose erwiesen, ebenso Ingwer und Chili. Omega-3-Fettsäuren in pflanzlichen Ölen und Kaltwasserfischen haben ebenfalls einen antientzündlichen Effekt - besonders bei rheumatischen Erkrankungen.

Heilfasten: Der Körper produziert automatisch Entzündungsstoffe aus den Molekülen der Nahrung – ein Vorgang, den das Fasten reduziert. Dazu verändert sich langfristig der Stoffwechsel, und das sogar über die Zeit des Hungerns hinaus. Denn der Körper greift auf seine Energiepolster zurück: Fett, Glykogen und Protein. Außerdem wird der Prozess der Selbstverdauung (Autophagie) angekurbelt - eine Art Recyclingprogramm der Zellen.

Mit Yoga und Qigong gegen Stress

Yoga:In der Naturheilkunde hat die indische Bewegungs- und Meditationslehre einen großen Stellenwert, ihr Effekt ist sogar wissenschaftlich bewiesen. Das Stresshormon Cortisol wird reduziert, was sich positiv auf das Immunsystem auswirkt.

Qigong: Qigong ist fester Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Die Lebensenergie fließt durch Energiebahnen (Meridiane). Die ruhigen Qigong-Bewegungen sollen diesen Energiefluss anregen und stärken. Außerdem wirkt die Konzentration auf den Körper spannungsregulierend und schult die Achtsamkeit.

Wie wirkt Akupunktur?

Akupunktur: Mit Nadeln das Qi in die richtigen Bahnen lenken: Die Akupunktur beruht auf der traditionellen asiatischen Vorstellung, dass der Mensch von der Lebensenergie Qi durchflossen wird. Diese strömt in Leitbahnen, den sogenannten Meridianen, durch den Körper und ist an mehr als 700 Punkten dicht unter der Hautoberfläche leicht erreichbar. Eine Methode, deren Wirksamkeit bewiesen ist. Die Akupunktur eignet sich unter anderem für die Schmerztherapie.

Kältekammer bei Gelenkentzündungen

Kältekammer: Die in Japan entwickelte Ganzkörperkältetherapie in einer Kältekammer verschafft Patienten mit Gelenkentzündungen Linderung. Die minus 110 Grad wirken im Körper wie eine Art Frühjahrsputz. Die kleinen Gefäße bringen sehr viel mehr Blut in den Umlauf und es werden Stellen im Körper mit Nährstoffen versorgt, die sonst eher nicht gut versorgt sind. Im Idealfall wirkt das nicht nur während oder kurz nach der Kältekammer, sondern Stunden, Wochen oder sogar Monate. Und: Die extreme Kälte unterbricht vorübergehend die Schmerzleitung im Körper, sodass Gelenke nicht mehr wehtun. Der Körper schüttet positive Botenstoffe wie Endorphine und Serotonin aus. Die Teilnehmer tragen Badekleidung. Kopf, Hände und Füße werden mit Mütze, Handschuhen und Schuhen geschützt.

Blutegel in der Medizin

Blutegel: Medizinische Blutegel haben drei Kiefer mit insgesamt 240 Zähnen. Der Speichel von Blutegeln enthält Enzyme wie Hirudin und Calin, die gerinnungshemmend, schmerzlindernd und antientzündlich wirken. Gleichzeitig fördern sie den Blut- und Lymphfluss. Das Gewebe wird gereinigt und von frischem Blut durchströmt. So wird das Immunsystem insgesamt gestärkt. Medizinische Blutegel werden unter anderem bei chronischen Gelenkerkrankungen und -schwellungen eingesetzt.

Fußreflexzonenmassage: Ihre Wirkung basiert auf der Vorstellung, dass die Füße über Nervenbahnen mit allen Organen verknüpft sind. So können zum Beispiel Organe stimuliert und Gewebe besser durchblutet werden.

Heilpflanzen gegen Depression

Heilpflanzen: Ringelblume für die Wundheilung, Lavendel zur Beruhigung, Johanniskraut gegen Depression: Rund 440 heimische Heilpflanzen gibt es. Die Pflanzenheilkunde oder Phytotherapie ist ein zentrales Element alternativer Therapien - und sie ist eine der ältesten medizinischen Therapieformen.

 

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