Stand: 07.09.2020 14:38 Uhr  - Visite

Mücken: Auch heimische Art überträgt West-Nil-Virus

Eine Mücke auf der Haut © Colourbox
Mücken sind nicht nur lästig, sondern können auch Krankheiten übertragen.

Malaria, Gelbfieber, Japanische Enzephalitis, Dengue-Fieber, Zika-Infektion, West-Nil- Fieber - all diese Krankheiten überträgt die Stechmücke. Sie ist daher tödlicher als jedes andere Tier auf der Welt: Jedes Jahr fordern Stechmücken mehr als 550.000 Todesopfer. Bisher galten nur exotischen Mücken als Überträger, doch das ändert sich. In Südfrankreich wurden 2019 Jahr bereits Menschen mit dem Zika-Virus durch dort heimisch gewordene Asiatische Tigermücken angesteckt - es war der erste Nachweis in Europa.

VIDEO: Mücken: Auch heimische Art überträgt West-Nil-Virus (5 Min)

Klimawandel spielt Rolle bei Ausbreitung

In vielen Regionen Deutschlands konnten Forscher bereits exotische Mückenarten wie Tigermücke oder Buschmücke als potenzielle Krankheitsüberträger von Tropenviren nachweisen. Experten gehen davon aus, dass der Klimawandel eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung spielt. Aber auch die hemische Mückenart Culex pipiens zählt inzwischen zu den Überträgern des West-Nil-Fiebers. Vor allem im Raum Berlin, im gesamten Osten Deutschlands, aber auch im Norden besteht ein Risiko. Hauptsächlich wird das Virus zwischen Stechmücken und wild lebenden Vögeln übertragen, aber infizierte Mücken können auch den Menschen stechen. Ende September 2019 wurde der erste Fall einer in Deutschland erworbenen Infektion mit dem West-Nil-Fieber beim Menschen bekannt.

West-Nil-Fieber häufig ohne Symptome

Von einer Infektion mit dem West-Nil-Virus merken viele Menschen allerdings nichts. Laut Robert Koch-Institut erkrankt nur etwa einer von 100 Infizierten schwer. Deshalb gehen Forscher davon aus, dass es in Deutschland eine hohe Dunkelziffer gibt. Die Symptome, die auftreten können, sind sehr unterschiedlich:

  • abrupt auftretende grippeähnliche Symptome wie Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit
  • Lymphknotenschwellungen
  • gutartige Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Gehirnentzündung (Enzephalitis).

Mückenstiche nicht aufkratzen

Nicht nur von Mücken übertragene Krankheitserreger, sondern auch die Stiche selbst sind eine potenzielle Gesundheitsgefahr. Sobald eine Mücke sticht, pumpt sie Eiweißstoffe in die Wunde, damit diese offen bleibt. Darauf reagieren einige Menschen mit heftigen Ausschlägen. Am Stechapparat der Mücke können auch Bakterien hängen, die beim Stich mit in den Körper gelangen. So können die Mücken zum Beispiel Fäkalbakterien wie Streptokokken oder Kolibakterien übertragen, wenn sie zuvor etwa auf einem Kuhfladen saßen.

Besonders riskant wird es, wenn der Betroffene den Juckreiz nicht aushält und sich den Stich aufkratzt. Dabei kommt es nicht selten zu einer gefährlichen Mischinfektion mit Hautbakterien, die sonst nie in den Körper gelangt wären. Gelangen Keime in den Blutkreislauf, droht eine Blutvergiftung

Mückenstiche vermeiden

Am besten ist es, Mücken gar nicht erst stechen zu lassen. Neben dem Einsatz geeigneter Anti-Mückenmittel sollte man in Gebieten mit vielen Mücken langärmlige, helle Bekleidung tragen, die Abende nicht draußen verbringen und sich mit Moskitonetzen und Fenstergittern schützen.

Mückenlarven entwickeln sich in Gewässern. Gerade Gärten mit Wasserreservoiren wie Regentonnen oder vollgelaufenen Blumenuntersetzern sind beliebte Brutstätten. Um das Schlüpfen der Larven zu verhindern, sollten vor dem Winter alle Gefäße, in denen sich Wasser sammeln könnte, entfernt werden und Regentonnen oder Teiche über den Winter abgedeckt werden. Auch sogenannte Bti (Bacillus thuringiensis israelensis)-Tabletten für Regenfässer können helfen. Der biologische Wirkstoff zerstört den Darm von Mückenlarven.

Weitere Informationen
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Experten zum Thema

Dr. Claudia A. Szentiks, wissenschaftliche Mitarbeiterin
Pathologie
Abteilung für Wildtierkrankheiten
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V.
Alfred-Kowalke-Str. 17, 10315 Berlin
www.izw-berlin.de

Dr. rer. nat. Doreen Werner, Diplom-Biologin
Arbeitsgruppe Biodiversität aquatischer und semiaquatischer Landschaftselemente
Programmbereich 2 "Landnutzung und Governance"
Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF)
Eberswalder Straße 84, 15374 Müncheberg​
www.zalf.de

Dr. Renke Lühken, Virologe
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Bernhard-Nocht-Straße 74, 20359 Hamburg
www.bnitm.de

Dr. Andreas Kleinheinz, Chefarzt und Ärztlicher Direktor
Klinik für Dermatologie
Elbe Kliniken Buxtehude
Am Krankenhaus 1, 21614 Buxtehude
www.elbekliniken.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 08.09.2020 | 20:15 Uhr

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