Stand: 28.08.2019 18:06 Uhr

Morbus Crohn erkennen und behandeln

Heftige Bauchkrämpfe, Durchfall und Erbrechen - und das oft wochenlang: Morbus Crohn ist eine chronische Entzündung des Darms, die meist in Schüben verläuft und bisher nicht heilbar ist. Häufig erkranken Menschen daran zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen. Geschätzt ein bis zwei von 1.000 Deutschen leiden an dieser Krankheit, unter Städtern ist sie häufiger als auf dem Land.

1904 erstmals beschrieben

Der polnische Chirurg Antoni Lesniowski hat die Erkrankung 1904 erstmals beschrieben, der US-amerikanische Magen- und Darmspezialist Burrill Bernard Crohn im Jahr 1932. Nach ihm wurde sie benannt. Andere Bezeichnungen sind Enteritis regionalis Crohn, Ileitis terminalis; übliche Abkürzungen sind MC (Morbus Crohn) und CD (Crohn's Disease).

Morbus Crohn tritt meist im Übergang vom Dünndarm zum Dickdarm auf. Die Erkrankung kann, im Unterschied zur ebenfalls chronischen Darmkrankheit Colitis ulcerosa, den gesamten Verdauungstrakt vom Mund bis zum After und alle Schichten der Darmwand betreffen. Typischerweise wechseln sich bei Morbus Crohn gesunde mit erkrankten Darmabschnitten ab. Es kann zur Bildung von Geschwüren, Darmverengungen (Stenosen) und Verbindungsgängen zu anderen Organen (Fisteln) kommen.

Ursache

Welche Ursachen zu Morbus Crohn führen, ist noch nicht geklärt. Forscher gehen davon aus, dass es sich um eine Autoimmunkrankheit handelt, bei der der Körper gegen sein eigenes Immunsystem arbeitet. Fest steht, dass bei Morbus-Crohn-Patienten mehr als 160 Gene verändert sein können. Eines der fehlerhaften Gene heißt NOD2/CARD 15, es ist wichtig für die Immunzellen, die in der Darmschleimhaut vorkommen. Können diese Zellen Krankheitserreger nicht mehr vollständig beseitigen, weil sie nur eingeschränkt funktionieren, kommt es zu einer Überreaktion des körpereigenen Immunsystems und dadurch zur chronischen Entzündung des Darms, so die Vermutung.

Was passiert bei Morbus Crohn?

Erwiesen ist, dass Morbus Crohn in Familien gehäuft vorkommt und in Industrienationen häufiger als in Entwicklungsländern. Als mögliche Gründe dafür werden ungesunde Ernährung, übertriebene Hygiene und Umwelteinflüsse genannt. Bewiesen ist auch, dass Raucher häufiger an Morbus Crohn erkranken als Nichtraucher. Psychische Belastungen können die Krankheit nicht auslösen, den Verlauf aber ungünstig beeinflussen.

Symptome

Zu den ersten Anzeichen für Morbus Crohn gehören Erbrechen, Durchfall und krampfartige Schmerzen im rechten Unterbauch. Die kolikartigen Bauchschmerzen ähneln denen einer Blinddarmentzündung. Mit den Beschwerden einher geht oft eine deutliche Gewichtsabnahme. Die Symptome von Morbus Crohn beschränken sich nicht auf den Magen-Darm-Trakt. Bei einem Drittel der Betroffenen kommen hinzu:

  • Schmerzen an Knie- oder Sprunggelenken
  • entzündliche Hautveränderungen
  • Schlappheit und Müdigkeit
  • kleine Geschwüre der Mundschleimhaut (Aphthen)
  • Augenentzündungen
  • Osteoporose
  • gestörte Leber oder Galle

Leiden Kinder an Morbus Crohn, kann sich die Krankheit auch ganz anders bemerkbar machen: Sie wachsen womöglich langsamer und kommen später in die Geschlechtsreife.

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Diagnose von Morbus Crohn

Die Diagnose setzt eine gründliche Anamnese voraus. Der Arzt - am besten ein Facharzt (Gastroenterologe) - tastet den Bauch auf entzündungsbedingte Widerstände oder Druckschmerz ab. Eine Stuhlprobe wird auf Entzündungswerte (Calprotectin), das Blut auf den Entzündungsmarker C-reaktives Protein (CRP) untersucht. Ein Blutbild gibt Aufschluss über möglichen Nährstoffmangel. Im Wege einer Darmspiegelung wird das Organ von innen untersucht, eventuell dabei eine Gewebeprobe entnommen. Ein Ultraschall des Unterbauchs klärt darüber auf, ob die Darmwände verdickt sind. Eine Magenspiegelung oder Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) können erforderlich sein, um Morbus Crohn zweifelsfrei zu diagnostizieren.

Morbus Crohn richtig behandeln

Die Behandlung von Morbus Crohn hängt davon ab, wie schwer die Erkrankung ausfällt und welche Teile des Verdauungstrakts betroffen sind.

Bei einem leichten Verlauf kann schon eine symptomatische Therapie gegen Schmerzen, Durchfall oder Krämpfe helfen. Bei schweren Krankheitsschüben ist dagegen der Einsatz von Kortison (Prednison, Prednisolon, auch Budesonid) oder anderen Medikamenten (Mesazalin, eventuell TNF-Blocker) angezeigt, um die Autoimmunreaktion zu unterdrücken.

Um Stenosen zu weiten, Fisteln zu verschließen und um Abszesse oder erkrankte Darmpartien zu entfernen, können operative Eingriffe erforderlich werden.

Links

Deutsche Morbus Crohn/Colitis Ulcerosa Vereinigung DCCV e.V.

Umfangreiche Informationen zur Krankheit und Ansprechpartner. extern

Hilfe für Betroffene von Darmerkrankungen

Die Hamburger "Stiftung Darmerkrankungen" setzt sich für Betroffene von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) ein. extern

Richtige Ernährung bei Morbus Crohn ist entscheidend

In beschwerdefreien Zeiten (Remissionsphase) hilft eine antientzündliche Ernährung, das Darmimmunsystem zu stärken - eine leichte Vollkost mit ausreichend (aber nicht zu viel) Ballaststoffen und Probiotika kann die Barrierefunktion der Darmschleimhaut unterstützen und den nächsten Krankheitsschub hinauszögern. In der Akutphase dagegen sind Ballaststoffe zu meiden. Häufig werden nur wenige milde Nahrungsmittel vertragen.

Crohn-Patienten leiden häufiger unter Nährstoffmangel durch die Veränderungen in der Darmwand - umso wichtiger ist eine gezielte Zusammensetzung der Nahrung.

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Morbus Crohn stellt für viele Betroffene außerdem eine seelische Belastung dar, die sich wiederum negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken kann. Psychosoziale und psychotherapeutische Unterstützung finden Patienten in Schulungsprogrammen zur Krankheitsbewältigung oder in der Begegnung mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe. Bei schwereren psychischen Begleiterscheinungen wie Depressionen ist eine Psychotherapie anzuraten.

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Zum Ausdrucken (PDF)

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