Stand: 08.05.2018 11:21 Uhr  | Archiv

Montgomery wirbt für Online-Sprechstunden

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, spricht vor der Eröffnung des 121. Deutscher Ärztetages mit Journalisten. © dpa bildfunk Foto: Monika Skolimowska
Ärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery setzt sich für eine Ausweitung der Online-Patientengespräche ein.

Soll es Medizinern erlaubt werden, Patienten ausschließlich per Video zu behandeln, ohne sie vorher persönlich gesehen zu haben? Ja, meint Frank Ulrich Montgomery, der Präsident der Bundesärztekammer. Im Interview auf NDR Info sagte er: "Davon sollen natürlich die Patienten profitieren. Denn wir haben einen Ärztemangel. In bestimmten Disziplinen der Medizin ist es schwierig, einen Termin zu bekommen." Durch eine Ausweitung der Online-Sprechstunden soll die Erreichbarkeit von Ärzten erhöht werden.

"Hilfsmittel einsetzen, nicht den Arzt ersetzen"

Für Montgomery dürfe das aber nicht in Konkurrenz zum Besuch in der Arztpraxis stehen: "Wir wollen auf keinen Fall einen Ersatz des persönlichen Patient-Arzt-Gespräches und der Behandlung im körperlichen Kontakt. Wir wollen Hilfsmittel einsetzen, nicht den Arzt ersetzen."

Laut Montgomery müsse es ein großes Ziel sein, dass die Patienten nach einer Beratung über das Internet trotzdem in die Praxis kommen: "Denn die Behandlung, also die eigentliche medizinische Therapie, hat wie das Wort 'Behandlung' schon im Deutschen sagt, immer die Hand drin. Und da müssen Sie dem Patienten wirklich auch Auge-in-Auge gegenüber sitzen."

Bevölkerung ist bereit für den Internet-Arzt

Eine medizinische Assistentin sitzt an ihrem Arbeitsplatz und nimmt die Anamnese einer Patientin auf. © dpa bildfunk Foto: Lisa Forster
Laut Frank Ulrich Montgomery ist die Bevölkerung bereit für den Internet-Arztbesuch.

Sollte die Zulassung für Behandlungen über das Internet erweitert werden, werde sich das Arzt-Patienten-Verhältnis verändern. Dennoch glaubt der Präsident der Bundesärztekammer: "75 Prozent der Bevölkerung sind heute Internet-fähig, viele Menschen haben ein Smartphone in der Tasche, und nutzen diese Instrumente auch für viele andere Dinge, die wir früher ausschließlich im persönlichen Kontakt geregelt haben." Das müsse auch in der Medizin in eingeschränktem und vernünftigem Maße möglich sein, so Montgomery.

"Ärzte müssen für Datensicherheit sorgen"

Für Diskussionen sorgt bei der Debatte über die Behandlung via Internet vor allem die Datensicherheit. Wie garantiert man, dass keine sensiblen Patientendaten abgegriffen werden? Oder wie der Präsident der Ärztekammer es formuliert: "Wie verhindert man, dass Google sich in solche Gespräche einmischt?" Montgomery nimmt dabei die Mediziner in die Pflicht: "Wir wollen vor allem den Arzt an seine Verpflichtung nach der Berufsordnung erinnern, dass er selber für die Sicherheit der Daten seiner Patienten sorgen muss."

Ein Problem sieht er darin, dass bei einer Manipulation von Therapie-Daten Patienten auf völlig falsche und verdrehte Werte hin behandelt werden könnten. Darüber wolle man diskutieren. "Das ist unsere Aufgabe, das wollen wir rechtlich sauber regeln", sagte Montgomery auf NDR Info. Auf der Tagesordnung steht die Online-Sprechstunde auch beim Deutschen Ärztetag in Erfurt.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 08.05.2018 | 07:20 Uhr

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