Stand: 19.04.2016 10:52 Uhr  | Archiv

Mit Bewegung Demenz vorbeugen

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Mit Bewegung kann man eine Demenz im Verlauf positiv beeinflussen, aber nicht heilen.

Kreuzworträtsel, Schach, Gehirnjogging - all das ist gut fürs Gehirn. Doch man kann noch viel mehr tun: Wer sich viel bewegt, tut mehr für seinen Kopf als der angestrengte Denker im Sessel. Denn dann sinkt das Risiko, eine Demenz zu bekommen, sind sich Experten sicher. An der Technischen Universität Dresden konnten die Forscher an Mäusen nachweisen, dass Bewegung das Gehirn besser durchblutet und sogar neue Nervenzellen gebildet werden. Aktive Mäuse tunen sozusagen ihr Gehirn, regen es an zu Zellwachstum und neuen Denkmöglichkeiten. Genetisch sind Maus und Mensch sich recht ähnlich und deswegen bildet wohl auch der aktive Mensch neue Nervenzellen.

Senioren-Sportprojekt liefert erste Ergebnisse

In Stuttgart trainieren Senioren für die Forschung: Sie leiden bereits unter kleinen Warnzeichen wie Gedächtnislücken, aus denen eine Demenz werden könnte. "Bewegung - auch für den Kopf" heißt das Senioren-Sportprojekt, mit dem die Forscher herausfinden wollen, wie und was man trainieren muss, um die geistigen Fähigkeiten möglichst lange aufrechtzuerhalten oder gar zu verbessern. Einmal die Woche trainieren die Senioren jeder für sich zu Hause zum Beispiel mit Fitnessübungen für Bauch, Beine und Rücken. Einmal pro Woche steht ein Gruppentraining auf dem Plan.

Langzeitgedächtnis verbessert sich

Wichtig ist die richtige Dosierung des Trainings: Die Teilnehmer dürfen nicht überfordert, aber auch nicht unterfordert werden. Rund 50 Senioren sporteln in drei Gruppen für Ausdauer, Kraft und Koordination. Die Forscher vermuten, dass ein komplexes Training am effektivsten ist. 18 Monate dauert das Trainingsprogramm, doch schon nach einigen Monaten zeigte sich: Viele Senioren haben ihr Langzeitgedächtnis bereits verbessert. Und sie können auch Einkaufslisten, neue Namen oder Telefonnummern besser behalten, weil durch die Bewegung auch das Arbeitsgedächtnis an Leistungsfähigkeit gewinnt.

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Gerd Kempermann
Hirnforscher
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)
Zentrum für Regenerative Therapien Dresden - CRTD
DFG-Forschungszentrum und Exzellenzcluster
Technische Universität Dresden
Fetscherstraße 105
01307 Dresden
Internet: www.crt-dresden.de

Prof. Dr. Nadja Schott
Leiterin Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft
Universität Stuttgart
Allmandring 28
70596 Stuttgart
Internet: www.inspo.uni-stuttgart.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 19.04.2016 | 20:15 Uhr

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