Stand: 26.09.2016 14:58 Uhr  | Archiv

Medikationsplan soll Einnahmefehler verhindern

Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte führen in Deutschland unerwünschte Arzneimittelwirkungen durch vermeidbare Medikationsfehler jedes Jahr zu etwa 500.000 Notaufnahmen in Krankenhäusern. Experten gehen zudem davon aus, dass jedes Jahr etwa 20.000 Menschen an Wechsel- und Nebenwirkungen von Medikamenten sterben. Die Dunkelziffer ist vermutlich um ein Vielfaches höher.

Fehler in der Verordnung sind am häufigsten

Medikationsfehler können an verschiedenen Stellen des Medikationsprozesses auftreten. Am häufigsten sind Fehler in der Verordnung - wie zum Beispiel Doppelverschreibungen, fehlende Dosisanpassungen oder das Übersehen von Gegenanzeigen und Wechselwirkungen. Aber auch einfache Lesefehler oder Fehler bei der Anwendung beziehungsweise Einnahme könne die Wirkung von Medikamenten beeinträchtigen. Das Risiko für Patienten ist dabei besonders hoch, wenn mehrere Ärzte Medikamente anordnen. Jeder Dritte, der älter als 65 Jahre ist, nimmt neun Medikamente ein. Und fast die Hälfte davon macht Fehler bei der Einnahme der Arzneimittel.

Neu ab 1. Oktober: Anspruch auf Erstellung eines Medikationsplans

Ab dem 1. Oktober 2016 haben Patienten, die mindestens drei vom Arzt verordnete Medikamente gleichzeitig einnehmen, daher nun einen Anspruch auf die Erstellung eines Medikationsplans, standardisiert und bundeseinheitlich. In der Regel soll der Plan vom Hausarzt ausgestellt und regelmäßig aktualisiert werden. Hat der Patient keinen Hausarzt, kann dies auch durch einen behandelnden Facharzt erfolgen. Auch Krankenhäuser und Apotheken können den Medikationsplan aktualisieren. Er soll sämtliche verschreibungspflichtige sowie frei verkäufliche Arzneimittel enthalten, die der Patient einnimmt. Dazu werden der Wirkstoff, die Dosierung und der Einnahmegrund sowie sonstige Hinweise zur Einnahme aufgeführt.

Er erhält also verständliche Information darüber, welche Medikamente wann, wie und warum eingenommen werden. Ziel ist es, den Patienten bei der richtigen Einnahme seiner Medikamente zu unterstützen und mehr Sicherheit zu schaffen. Ärzten gibt der Plan einen Überblick über die Gesamtmedikation eines Patienten und soll so Fehler durch Unkenntnis bereits verordneter Arzneimittel vermeiden. Zunächst wird der Plan in Papierform ausgefertigt. Ziel ist es jedoch, ihn in den nächsten Jahren auf der elektronischen Gesundheitskarte zu speichern.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Matthias Janneck , Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie
Oberarzt III. Medizinische Klinik und Poliklinik
Zentrum für Innere Medizin  
Univ.-Klinikum Hamburg Eppendorf
Martinistr. 52, 20246 Hamburg
Tel. (040) 7410 55011
E-Mail: janneck@uke.de
Internet: www.uke.de

Dr. Michael Baehr
Leiter der Apotheke
Univ.-Klinikum Hamburg Eppendorf
Martinistraße 52, 20246 Hamburg
Tel. (040) 7410 52086
E-Mail: baehr@uke.de

Dr. Angela Neumann, Fachärztin für Innere Medizin
Großflecken 51-53 , 24534 Neumünster
Tel. (04321) 295 77, Fax. (04321) 416 68

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