Sendedatum: 16.01.2018 20:15 Uhr

Medikamente: So hoch ist die Zuzahlung

Gesetzlich krankenversicherte Patienten müssen für verschreibungspflichtige Medikamente bei der Abgabe in der Apotheke eine Zuzahlung von bis zu zehn Euro leisten. Dabei gilt:

  • Medikamente für weniger als fünf Euro zahlt der Patient selbst.
  • Bei Medikamenten für mehr als fünf Euro beträgt der Eigenanteil zehn Prozent des Preises, mindestens aber fünf und höchstens zehn Euro.

Stehen mehrere Medikamente auf einem Rezept, muss die Zuzahlung für jedes Medikament geleistet werden. Insgesamt zahlen die Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen für verordnete Medikamente einen Eigenanteil von mehr als zwei Milliarden Euro im Jahr.

Rezeptfreie Arzneimittel zahlen Patienten dagegen immer aus der eigenen Tasche.

Beispiele für Zuzahlungen

  • Ein Medikament kostet 4,50 Euro: Der Patient zahlt den vollen Preis allein.

  • Ein Medikament kostet 10 Euro: Der Patient zahlt einen Eigenanteil von fünf Euro (Mindestzuzahlung).

  • Ein Medikament kostet 70 Euro: Der Patient zahlt einen Eigenanteil von sieben Euro (zehn Prozent).

  • Ein Medikament kostet 1.500 Euro: Der Patient zahlt einen Eigenanteil von zehn Euro (höchste Zuzahlung).

Grundsätzlich befreit von einer Zuzahlung sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Für Kinder unter zwölf Jahren und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen gilt das auch für nicht rezeptpflichtige Arzneimittel.

Wer an einer schweren Erkrankung leidet und nicht verschreibungspflichtige Arznei- und Naturheilmittel für die Standardtherapie benötigt, erhält diese Medikamente auf Kosten der Krankenkasse.

Diese Medikamente sind von der Zuzahlung befreit

Bild vergrößern
Viele Patienten sind unsicher, wie hoch die Zuzahlung für Medikamente in der Apotheke ist.

Unter bestimmten Voraussetzungen können Medikamente komplett von einer Zuzahlung befreit werden. So soll ein Anreiz für Ärzte und Patienten geschaffen werden, sich für ein günstigeres Präparat mit vergleichbarer Zusammensetzung und Wirkung (Generikum) zu entscheiden.

Bedingung für die Befreiung von der Zuzahlung ist, dass das jeweilige Präparat mindestens 30 Prozent weniger kostet als der vereinbarte Festbetrag für diese Wirkstoffgruppe. Das trifft derzeit für rund 3.800 Arzneimittel auf dem deutschen Markt zu (Stand Juli 2017).

In den vergangenen Jahren sank die Zahl der zuzahlungsbefreiten Arzneimittel allerdings um rund 50 Prozent, da die Krankenkassen niedrigere Festbeträge für zahlreiche Arzneimittelgruppen vereinbarten. Die Festbeträge passt der Spitzenverband Bund der Krankenkassen regelmäßig an.

Rabatte für ausgewählte Medikamente

Jede Krankenkasse kann mit Arzneimittelherstellern Rabatte für besonders häufig verordnete Medikamente aushandeln und die Einsparungen ganz oder teilweise - mindestens zur Hälfte - durch Senkung der Zuzahlungsbeträge an ihre Versicherten weitergeben.

Apotheker sind verpflichtet, bevorzugt rabattierte Präparate abzugeben. Das bedeutet, sie müssen das vom Arzt per Rezept verordnete Medikament gegen ein vergleichbares des Herstellers austauschen, mit dem die Krankenkasse des Patienten einen Rabatt ausgehandelt hat - es sei denn, der Arzt schließt den Austausch ausdrücklich aus. Dafür muss er auf dem Rezept das Feld "aut idem" (lateinisch für: "oder ein Gleiches") durchstreichen. Der Patient erhält dann genau das verordnete Präparat und muss die übliche Zuzahlung leisten.

Arzt kann Aut-idem-Regel außer Kraft setzen

Nicht nur ältere Patienten verlieren durch einen häufigen Wechsel der abgegebenen Präparate die Übersicht über ihre Medikamente. Jeder, der viele verschiedene Medikamente einnehmen muss, wird dadurch zusätzlich belastet. Selbst wenn Wirkstoff und Dosierung identisch sind, vertragen manche Patienten zudem manche ausgetauschten Präparate nicht, weil sie andere Füllstoffe enthalten können. In diesem Fall sollten Patienten ihren Arzt auf das Problem hinweisen, damit er die Aut-idem-Regel auf dem Rezept außer Kraft setzen kann.

Wahlfreiheit des Patienten

Entscheidet sich ein Patient auf eigenen Wunsch für ein anderes als das rabattierte Präparat, kann er es zunächst selbst bezahlen und die Rezeptkopie bei seiner Krankenkasse zur Erstattung einreichen. Er bezahlt dann allerdings den vollen Apothekenverkaufspreis (Listenpreis) und bekommt nur den Rabattpreis, maximal den geltenden Festbetrag, erstattet - abzüglich einer etwaigen Zuzahlung und einer Verwaltungspauschale der Krankenkasse.

Belastungsgrenze für Zuzahlung

Um finanzielle Härten zu mildern, hat der Gesetzgeber eine Belastungsgrenze in Höhe von zwei Prozent des Bruttoeinkommens festgelegt. Für chronisch Kranke liegt die Grenze bei einem Prozent. Bis zu dieser Grenze werden alle Zuzahlungen für Arzneimittel, Heil- und Hilfsmittel und Krankenhauseigenanteile zusammengezählt. Ist die Belastungsgrenze im laufenden Jahr erreicht, stellt die Krankenkasse eine Bescheinigung aus, die den Versicherten für den Rest des Jahres von allen Zuzahlungen befreit.

Tipps zur Befreiung

  • Sammeln Sie Belege aller Zuzahlungen - Ihre eigenen und die Ihrer Angehörigen, die berücksichtigt werden. Bewahren Sie die Belege sorgfältig auf und aktualisieren Sie jedes Mal die Gesamtsumme, um den Überblick zu behalten.
  • Berechnen Sie Ihre persönliche Belastungsgrenze von zwei beziehungsweise ein Prozent des Jahresbruttoeinkommens abzüglich Freibeträgen.
  • Sobald Sie die Zuzahlungsgrenze erreicht haben, beantragen Sie bei Ihrer Krankenkasse die Befreiung für das laufende Jahr unter Vorlage Ihrer Einkommensnachweise und der Originalquittungen.
  • Wer bereits vor Beginn des neuen Kalenderjahres weiß, dass er die Belastungsgrenze wieder überschreiten wird, sollte seinen individuellen Höchstbetrag gleich komplett an die Krankenkasse überweisen und sich sofort befreien lassen. So lassen sich zu hohe oder übersehene Zahlungen im Laufe des Jahres vermeiden.
  • Wer immer in derselben Apotheke einkauft, kann dort auch ein Kundenkonto anlegen lassen und sich Sammelrechnungen zur Vorlage bei der Krankenkasse ausdrucken lassen.

Aufzahlungspflichtige Arzneimittel

Etwa 15 Prozent der Fertigarzneimittel, rund 5.000 Präparate, werden zu einem höheren Preis angeboten als der Festbetrag. Verschreibt ein Arzt ein solches Medikament, ist er verpflichtet, seinen Patienten darüber aufzuklären, dass er den Differenzbetrag zusätzlich zur normalen Zuzahlung aus der eigenen Tasche bezahlen muss, und welche aufzahlungsfreien Alternativen es gibt.

Aufzahlungen können ebenso wie private Zuzahlungen beim Zahnersatz oder Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) nicht für eine Befreiung von der Zuzahlungspflicht aufgrund besonderer Belastung angerechnet werden.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 16.01.2018 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

10:20
Mein Nachmittag

Im Kleiderschrank Ordnung schaffen

21.02.2019 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
11:51
Mein Nachmittag

Rehkeule mit Nuss-Knöpfle und Wirsing

21.02.2019 16:20 Uhr
Mein Nachmittag
10:08
Mein Nachmittag

Trotz Frost: Frühblüher auf dem Balkon pflanzen

21.02.2019 16:20 Uhr
Mein Nachmittag