Stand: 17.01.2017 19:45 Uhr  | Archiv

Revolution in der Arteriosklerose-Forschung?

Zu viele Fette im Blut lagern sich an der Innenwand von Arterien an. Es bilden sich sogenannte Plaques als Reaktion des Immunsystems. Die Blutgefäße verstopfen, es kommt zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder Thrombose. Das ist kurz gesagt die gängige Lehrmeinung zu Ursache und Folge von Arteriosklerose. Doch ist vermutlich alles ganz anders - sagt zumindest Axel Haverich. Der Direktor der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) macht tote Zellen für die Volkskrankheit verantwortlich.

Sauerstoffmangel lässt Zellen absterben

In einem Fachaufsatz für die Zeitschrift "Circulation" schreibt der Professor, dass Viren, Bakterien und Feinstaub, aber auch schädliche Fettpartikel Entzündungen hervorrufen können - und zwar in eigenen Versorgungsblutgefäßen, durch die Nährstoffe und Sauerstoff in die Arterien gelangen. Durch die Entzündung verschließe sich das Versorgungsblutgefäß. Die Folge demnach: Die Arterie erhält keinen Sauerstoff mehr, es kommt zu einem Infarkt der Arterienwand. Die nun abgestorbenen Zellen wiederum lassen die Arterien dicker werden, es kommt zu einem Verschluss.

Zusammenhang zwischen Grippewellen und Herzinfarkten

Haverich habe die Erkenntnis nach jahrelangen Beobachtungen während Herz- und Gefäßoperationen gewonnen. Außerdem sprächen die Entdeckung neuer Risikofaktoren für seine Theorie der Unterversorgung von Arterien als Ursache für Arteriosklerose. So sei in den vergangenen Jahren ein eindeutiger Zusammenhang zwischen einer erhöhten Herzinfarktrate und dem Auftreten von Grippeepidemien mit Lungenentzündungen, aber auch durch Feinstaub-Exposition nachgewiesen worden. Außerdem seien mehr als 30 verschiedene Mikroben anhand ihrer DNA in arteriosklerotischen Plaques isoliert. "Diese Zusammenhänge sind mit der bisherigen Theorie der erhöhten Blutfette allein nicht zu erklären", heißt es in einer Pressemitteilung der Hochschule.

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Grippeschutzimpfung gegen Arteriosklerose

Was folgt nun daraus für eine Therapie oder sogar Prävention der Krankheit? Zwar biete die neue Theorie "erweiterte Ansatzpunkte für die Entwicklung innovativer Behandlungsansätze der Erkrankung", heißt es in der Mitteilung. Bis dahin empfiehlt Professor Haverich zur Prävention jedoch die klassischen Verhaltensweisen: ausreichend Schlaf, viel Bewegung, gesunde Ernährung - und die Grippeschutzimpfung.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 17.01.2017 | 19:30 Uhr

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