Stand: 18.03.2019 19:00 Uhr

Lymphödem: "Abwasser-Kanal" im Körper gestört

Das Lymphsystem ist neben dem Blutkreislauf das zweite Flüssigkeitssystem im Körper. Während die Blutgefäße die Körperzellen mit Nährstoffen versorgen und einen Teil des Gewebewassers wieder abtransportieren, ist das Lymphsystem mit seinen Kanälen für die Entsorgung der Flüssigkeit und größerer Abfallstoffe wie zum Beispiel Eiweiße zuständig. Rund fünf Liter "Abwasser" des Körpers werden pro Tag in den Lymphknoten "geklärt" und in den Blutkreislauf zurückgeführt. Wird dieses Kanalsystem gestört, staut sich die Lymphflüssigkeit unter der Haut und bildet dort Lymphpolster, sogenannte Lymphödeme.

Melanie Hümmelgen und Patientin trainieren im Garten. © NDR/nonfictionplanet

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Primäres Lymphödem

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Im Laufe des Tages steigt der Knöchel-Umfang.

Ein primäres Lymphödem ist eine angeborene Entwicklungsstörung der Lymphgefäße. Sie führt dazu, dass die Gewebsflüssigkeit nur in geringem Maße abtransportiert werden kann und sich deshalb im ganzen Körper staut. Das zeigt sich aufgrund der Schwerkraft zuerst in den Beinen, die massiv anschwellen.

Sekundäres Lymphödem

Auch an den Händen und Armen können Lymphödeme auftreten, zum Beispiel als Folge einer Brustkrebsoperation mit Entfernung der von Metastasen befallenen Lymphknoten in der Achsel. Eine solche Operation beschädigt das "Abwassersystem", sodass sich die Lymphe im Gewebe ansammelt, wenn es keine funktionierende Umleitung gibt. Die Ärzte sprechen dann von einem sekundären Lymphödem. Auch Verletzungen und andere Operationen können den Lymphabfluss stören und zu einem sekundären Lymphödem führen.

Ursachen für geschwollene Beine

Übergewicht kann Lymphödeme verursachen

Eine sehr wichtige Rolle bei der Entwicklung von Lymphödemen spielt die Ernährung, denn die Lymphbahnen sind sehr zart und werden durch Fettpolster zusätzlich eingeengt. Starkes Übergewicht kann sogar für ein sekundäres Lymphödem verantwortlich sein. Bei Patienten mit extremem Übergewicht treten früher oder später immer Lymphödeme auf.

Diagnose durch den Arzt

Der Arzt wird bei der Untersuchung die Haut an der 2. Zehe - neben der Großzehe - zwischen zwei Finger versuchen anzuheben. Gelingt dies nicht, ist das sogenannte Stemmer-Zeichen positiv: ein klinisches Zeichen für ein Lymphödem.

Behandlung: Lymphe wieder zum Fließen bringen

Unabhängig von der Ursache besteht die Therapie eines Lymphödems zunächst darin, die angestaute Lymphe wieder zum Fließen zu bringen.

Das funktioniert einerseits durch gezielte Bewegung: Die Muskulatur - beispielsweise der Wadenmuskel - ist in der Lage, wie eine Pumpe Gewebsflüssigkeit auch gegen die Schwerkraft aus den Extremitäten abzutransportieren. Durch Muskelanspannung werden Blut und Lymphe Richtung Herz gedrückt.

Auch die sogenannten Lymphdrainage in der Physiotherapie entstaut: Sie macht die großen "Abwasserkanäle" wieder frei und schafft damit die Grundlage für eine nachhaltige Therapie mit Kompressionsstrümpfen, die erneute Stauungen verhindern.

Übergewichtige Patienten müssen zudem deutlich abnehmen, um ihre Lymphbahnen zu entlasten. Ist ein sekundäres Lymphödem allein auf ein extremes Übergewicht zurückzuführen, kann es sich nach dem Abnehmen komplett wieder zurückbilden - anders als bei allen anderen Ursachen.

Lymphdrainage: mangelhafte Versorgungssituation

Weitere Informationen

Selbsthilfegruppe LiLy HH

LiLy HH ist eine regionale Selbsthilfegruppe für Lip- und Lymphödeme in Hamburg und im Umland. extern

Lymphnetz Hamburg

Lymphnetz Hamburg ist ein Zusammenschluss von Ärzten, Schwerpunktpraxen für Lymphdrainagen und spezialisierten Sanitätshäusern. extern

LymphNetzwerk

Das Portal LymphNetzwerk bieten Informationen für Patienten. extern

Patienten mit schweren Lymphödemen haben es in Deutschland nicht leicht, die richtige Behandlung zu finden. Zum einen erkennen viele Ärzte die Erkrankung lange nicht oder behandeln sie falsch, weil sie die Symptome auf eine Fettleibigkeit oder eine vermeintliche  Herzschwäche zurückführen. Bisher werde das Lymphödem im Medizinstudium noch sehr stiefmütterlich behandelt, kritisieren Experten. Erst in der spezialisierten Weiterbildung lernten die Ärzte, die verschiedenen Ödemformen auseinanderzuhalten.

Zudem gibt es hierzulande kaum Akutkliniken, die sich dieses Krankheitsbildes annehmen und die nötigen Lymphdrainagen mit begleitender Kompressionsbehandlung anbieten. Stattdessen werden die Patienten an Reha-Kliniken verwiesen, was für die Betroffenen aber lange Genehmigungsverfahren bei den Kostenträgern bedeutet und nicht selten dazu führt, dass sie erst sehr spät oder gar nicht behandelt werden.

Hinzu kommt: Physiotherapeuten, die eine manuelle Lymphdrainage durchführen, müssen die teure Zusatzausbildung dafür selbst bezahlen. Sie bekommen später aber eine Lymphdrainage schlechter vergütet als eine gängige krankengymnastische Behandlung. Auch deshalb wird es für Patienten schwieriger, Therapeuten für eine Lymphdrainage zu finden.

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Dieses Thema im Programm:

Die Bewegungs-Docs | 18.03.2019 | 21:00 Uhr

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