Stand: 28.11.2017 11:32 Uhr

Lymphödem: "Abwasser-Kanal" im Körper gestört

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Lymphdrainage soll angestaute Lymphe wieder zum Fließen bringen.

Das Lymphsystem ist neben dem Blutkreislauf das zweite Flüssigkeitssystem im Körper. Während die Blutgefäße die Körperzellen mit Nährstoffen versorgen und einen Teil des Gewebewassers wieder abtransportieren, ist das Lymphsystem mit seinen Kanälen für die Entsorgung der Flüssigkeit und größerer Abfallstoffe wie zum Beispiel Eiweiße zuständig. Rund fünf Liter "Abwasser" des Körpers werden pro Tag in den Lymphknoten "geklärt" und in den Blutkreislauf zurückgeführt. Wird dieses Kanalsystem gestört, staut sich die Lymphflüssigkeit unter der Haut und bildet dort Lymphpolster, sogenannte Lymphödeme. Die sind besonders gut an den Zehen zu erkennen, wo die Haut dünn ist. Entsteht beim Kneifen eine wulstige Hautfalte, ist das ein klares Indiz für ein Lymphödem.

Mann steht in einer Praxis auf einer Waage.

Lymphödem: "Abwasser-Kanal" im Körper gestört

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Die Lymphgefäße sind ein wichtiges Transportsystem im Körper. Ist ihr Fluss gestört, können Schwellungen entstehen. Mit Lymphdrainage wird das System wieder zum Fließen gebracht.

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Primäres Lymphödem

Ein primäres Lymphödem ist eine angeborene Schwäche des Lymphsystems. Sie führt dazu, dass die Gewebsflüssigkeit nur in geringem Maße abtransportiert werden kann und sich deshalb im ganzen Körper staut. Das zeigt sich aufgrund der Schwerkraft zuerst in den Beinen, die massiv anschwellen.

Weitere Informationen

Chat-Protokoll zum Thema Lymphdrainage

Wann kann Lymphdrainage helfen, wann darf sie nicht zum Einsatz kommen? Dr. Christina Schreiber hat im Visite Chat Fragen dazu beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen. mehr

Sekundäres Lymphödem

Auch an den Händen und Armen können Lymphödeme auftreten, zum Beispiel als Folge einer Brustkrebsoperation mit Entfernung der Lymphknoten in der Achsel. Da auch Krebszellen mit der Lymphe aus den Geweben abtransportiert werden, sammeln sie sich zuerst in den Lymphknoten und bilden dort Lymphknotenmetastasen. Damit sich die Krebszellen von dort aus nicht weiter im Körper ausbreiten, müssen befallene Lymphknoten entfernt werden. Doch diese Operation beschädigt das "Abwassersystem", sodass sich die Lymphe im Gewebe ansammelt, wenn es keine funktionierende Umleitung gibt. Die Ärzte sprechen dann von einem sekundären Lymphödem. Auch Verletzungen und andere Operationen können den Lymphabfluss stören und zu einem sekundären Lymphödem führen.

Weitere Informationen

Selbsthilfegruppe LiLy HH

LiLy HH ist eine regionale Selbsthilfegruppe für Lip- und Lymphödeme in Hamburg und im Umland. extern

Lymphnetz Hamburg

Lymphnetz Hamburg ist ein Zusammenschluss von Ärzten, Schwerpunktpraxen für Lymphdrainagen und spezialisierten Sanitätshäusern. extern

LymphNetzwerk

Das Portal LymphNetzwerk bieten Informationen für Patienten. extern

Übergewicht kann Lymphödeme verursachen

Eine sehr wichtige Rolle bei der Entwicklung von Lymphödemen spielt die Ernährung, denn die Lymphbahnen sind sehr zart und werden durch Fettpolster zusätzlich eingeengt. Starkes Übergewicht kann sogar für ein sekundäres Lymphödem verantwortlich sein. Bei Patienten mit extremem Übergewicht treten früher oder später immer Lymphödeme auf.

Lymphdrainage bringt Lymphe wieder zum Fließen

Unabhängig von der Ursache besteht die Therapie eines Lymphödems zunächst darin, die angestaute Lymphe wieder zum Fließen zu bringen. Das ist Aufgabe der sogenannten Lymphdrainage in der Physiotherapie: Sie macht die großen "Abwasserkanäle" wieder frei und schafft damit die Grundlage für eine nachhaltige Therapie mit Kompressionsstrümpfen, die erneute Stauungen verhindern. Übergewichtige Patienten müssen zudem deutlich abnehmen, um ihre Lymphbahnen zu entlasten. Ist ein sekundäres Lymphödem allein auf ein extremes Übergewicht zurückzuführen, kann es sich nach dem Abnehmen komplett wieder zurückbilden - anders als bei allen anderen Ursachen.

Mangelhafte Versorgungssituation

Patienten mit schweren Lymphödemen haben es in Deutschland nicht leicht, die richtige Behandlung zu finden. Zum einen erkennen viele Ärzte die Erkrankung lange nicht oder behandeln sie falsch, weil sie die Symptome auf eine Fettleibigkeit oder eine vermeintliche  Herzschwäche zurückführen. Bisher werde das Lymphödem im Medizinstudium noch sehr stiefmütterlich behandelt, kritisieren Experten. Erst in der spezialisierten Weiterbildung lernten die Ärzte, die verschiedenen Ödemformen auseinanderzuhalten. Zudem gibt es hierzulande kaum Akutkliniken, die sich dieses Krankheitsbildes annehmen und die nötigen Lymphdrainagen mit begleitender Kompressionsbehandlung anbieten. Stattdessen werden die Patienten an Reha-Kliniken verwiesen, was für die Betroffenen aber lange Genehmigungsverfahren bei den Kostenträgern bedeutet und nicht selten dazu führt, dass sie erst sehr spät oder gar nicht behandelt werden. Hinzu kommt: Physiotherapeuten, die eine manuelle Lymphdrainage durchführen, müssen die teure Zusatzausbildung dafür selbst bezahlen. Sie bekommen später aber eine Lymphdrainage schlechter vergütet als eine gängige krankengymnastische Behandlung. Auch deshalb wird es für Patienten schwieriger, Therapeuten für eine Lymphdrainage zu finden.

Video
05:15

Was bringt Lymphdrainage?

28.11.2017 20:15 Uhr
Visite

Die Allgemeinmedizinerin Christina Schreiber erkärt im Interview, wie ein Lymphödem entsteht und wie es behandelt werden kann. Video (05:15 min)

Interviewpartner

Dr. Christina Schreiber, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Phlebologin, Lymphologin
Dr. Gabriele Faerber, Phlebologin, Lymphologin
Zentrum für Gefäßmedizin
Paul-Dessau-Straße 3e, 22761 Hamburg
Tel. (040) 46 00 39-0, Fax (040) 46 00 39-99
Internet: www.gefaesszentrum.de

Anke Pehmöller, Physiotherapeutin
Bahnhofstraße 24, 29640 Schneverdingen
Tel. (05193) 982 07 30

Weitere Informationen
Deutsche Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V.
Haus der Bundespressekonferenz
Schiffbauerdamm 40, 10117 Berlin
Internet: www.dga-gefaessmedizin.de
Ratgeber "Ödeme - Lymphödem und Lipödem

Ratgeber
Kirsten Schade: Leben mit dem Lymphödem - Erfahrungen und praktische Tipps.
156 S., tredition (2016), 14,90 Euro

Weitere Informationen
mit Video

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Dieses Thema im Programm:

Visite | 28.11.2017 | 20:15 Uhr

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