Stand: 29.04.2019 15:19 Uhr

Legionellen: Gefährliche Keime im Trinkwasser

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Legionellen sind Keime im Trinkwasser, die beispielsweise beim Duschen über die Atmung aufgenommen werden.

Legionellen im Trinkwasser können grippeähnliche Erkrankungen und schwere Lungenentzündungen hervorrufen. Immer wieder gibt es Todesfälle. Die Erreger gedeihen in warmem Süßwasser und werden über Wasserleitungen übertragen. Die meisten Infektionen passieren zu Hause. Im Wasserdampf, zum Beispiel unter der Dusche, können sich Legionellen zu Hunderten tummeln und beim Einatmen gefährlich werden.

Wasser kommt aus einem Wasserhahn

Legionellen: Gefährliche Keime im Trinkwasser

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Legionellen sind Keime im Trinkwasser, die zu schweren Lungenentzündungen führen können. Immer wieder sterben Menschen an den Folgen. Was schützt vor den Bakterien?

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Biofilm lässt Bakterien gedeihen

In geringer Anzahl sind Legionellen natürlicher Bestandteil von Oberflächengewässern wie Flüssen und Seen und des Grundwassers. Sie vermehren sich am besten bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad. Besonders in Wasserleitungen von Gebäuden finden die Erreger gute Wachstumsbedingungen. Denn in den Rohren können sich sogenannte Biofilme bilden, in denen sich die Bakterien besonders gut vermehren können. Gummi und Kunststoff in Leitungen und Armaturen fördert die Entstehung eines Biofilms.

Bei Temperaturen von mehr als 60 Grad werden Legionellen abgetötet. In Zeiten hoher Heiz- und Wasserkosten reduzieren jedoch viele Verbraucher und öffentliche Einrichtungen die Wassertemperatur und den Wasserverbrauch. Dadurch entstehen oft optimale Lebensbedingungen für Legionellen.

Übertragung per Wassertröpfchen

Legionellen werden durch zerstäubtes oder vernebeltes Wasser übertragen, zum Beispiel aus Duschen, Luftbefeuchtern, Wasserhähnen und Klimaanlagen. Eine Infektion ist auch an Wasserfällen, Wasserrutschen, Whirlpools und Fontänen möglich.

Die Tröpfchen mit den Erregern verbreiten sich in der Luft und werden eingeatmet. Bereits eine geringe Keimzahl reicht aus, um schwere Erkrankungen zu verursachen. Gefährdet sind vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, Raucher, chronisch Kranke, ältere Menschen und Babys. Bei hoher Keimzahl können sich auch gesunde Menschen infizieren. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bisher nicht beobachtet.

Lungenentzündung, Fieber, Harnwegsinfekt

Eine Infektion mit Legionellen kann unterschiedliche Erkrankungen auslösen:

  • Die Legionärskrankheit ist eine schwere Form der Lungenentzündung. Sie entwickelt sich typischerweise sehr rasch mit Brust- und Kopfschmerzen, Husten, Schüttelfrost und hohem Fieber von mehr als 40 Grad. Dabei kann es zu schweren Verwirrtheitszuständen kommen. Gelegentlich treten Bauchschmerzen mit Durchfall und Erbrechen auf. Die Lungenentzündung verläuft häufig schwer und dauert rund vier Wochen. Bei etwa jedem zehnten Betroffenen verläuft sie tödlich.
  • Das Pontiac-Fieber ist eine milde Verlaufsform der Legionelleninfektion. Es beginnt mit Beschwerden wie bei einer Grippe: Fieber, Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen, auch Brustschmerzen und Husten sind möglich. In der Regel heilt die Erkrankung von selbst innerhalb von zwei bis fünf Tagen aus. Spätfolgen und Todesfälle sind bisher nicht bekannt.
  • In einigen Fällen können Legionellen zu einem Harnwegsinfekt führen.

Legionellen erkennen und behandeln

Die Symptome der Legionellose sind sehr unspezifisch, deshalb kommt die richtige Diagnose häufig erst spät. Legionellen sind mit einem Urin-Test im Labor nachweisbar. Allerdings wird nur selten auf Legionellen getestet, sodass nur wenige Erkrankungen gefunden und gemeldet werden. Mithilfe eines entsprechenden Antibiotikums aus der Gruppe der Makrolidantibiotika (Clarithromycin oder Roxithromycin) lassen sich Legionelleninfektionen in der Regel gut behandeln.

Infektion mit Legionellen vorbeugen

Überall dort, wo Wasserdampf entsteht, raten Experten zur Vorsicht:

  • Wurde die Dusche längere Zeit nicht benutzt, einige Minuten mit heißem Wasser durchspülen. Dabei das Fenster öffnen und den Raum verlassen.
  • Wer länger als drei Tage verreist war, sollte alle Leitungen im Haus durchspülen, bis Frischwasser aus dem Hahn kommt. Frisches Wasser ist deutlich kälter als abgestandenes Wasser.
  • Wasserhähne regelmäßig reinigen und entkalken, um Legionellen den Nährboden zu entziehen.
  • Der Temperaturregler bei der Trinkwassererwärmung sollte auf mindestens 60 Grad eingestellt werden. Die Temperatur in den Leitungen sollte nicht unter 55 Grad fallen. Allerdings muss auf Verbrühungsgefahr geachtet werden.

Untersuchung auf Legionellen ist Pflicht

Hausbesitzer mit mehr als drei Mietwohnungen sind gesetzlich verpflichtet, das Wasser mindestens alle drei Jahre von einer Fachfirma auf Legionellen untersuchen zu lassen. Für öffentliche Gebäude besteht eine Pflicht zur jährlichen Untersuchung des Wassers. Betroffene Leitungen müssen umgehend von einer Fachfirma gespült und desinfiziert werden.

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Interviewpartner

Priv.-Doz. Dr. Hans F. E. Klose, Chefarzt
Abteilung für Pneumologie
II. Medizinische Klinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
www.uke.de

PD Dr. Hans-Peter Hauber
Sektionsleiter Pneumologie
Kardiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin
Asklepios Klinik Altona
Asklepios Kliniken Hamburg - Asklepios Klinik Altona
Paul-Ehrlich-Straße 1
22763 Hamburg

Prof. Dr. Johannes K.-M. Knobloch
Leiter Arbeitsbereich Krankenhaushygiene
Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene
Zentrum für Diagnostik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
www.uke.de

Dr. med. Wolfgang Hell
Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie
Facharzt für Hygiene
Ärztlicher Leiter LADR Fachservice Hygiene
LADR Zentrallabor Dr. Kramer & Kollegen
LADR Fachservice Hygiene
Lauenburger Straße 67
21502 Geesthacht
(04152) 803-0
www.LADR.de

Weitere Informationen
Legionellose - das Robert Koch-Institut informiert
www.rki.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 30.04.2019 | 20:15 Uhr

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