Stand: 14.09.2015 10:09 Uhr  | Archiv

Leben mit Alzheimer

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Forscher vermuten, dass bei Alzheimer Nervenzellen im Gehirn durch Eiweißklumpen zerstört werden.

Die Alzheimer-Krankheit macht vielen Menschen Angst, denn sie löscht Stück für Stück die Erinnerung und schließlich die ganze Persönlichkeit. Mit rund 1,5 Millionen Betroffenen und mehr als 300.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland ist Alzheimer die häufigste Form der Demenz. Wer unter zunehmenden Gedächtnisproblemen leidet oder vermehrt von Angehörigen und Freunden darauf angesprochen wird, sollte sich nicht verrückt machen, aber die Gedächtnisstörungen unbedingt ernst nehmen und seinen Hausarzt darauf ansprechen, raten Experten.

Test und Gespräche bringen Aufschluss

In einer Memory-Klinik oder einer Gedächtnissprechstunde können Spezialisten durch gezielte Tests und Gespräche herausfinden, ob sich eine ernsthafte Ursache wie eine fortschreitende Alzheimer-Krankheit hinter den Gedächtnisstörungen verbirgt. Spezielle Laboruntersuchungen des Hirnwassers oder bildgebende Verfahren sind nur in Einzelfällen erforderlich. Aus Angst vor der Diagnose die Augen zu verschließen und sich nicht untersuchen zu lassen, halten Experten für nicht sinnvoll. Im Gegenteil - es sei für die Betroffenen sehr wichtig, über ihre Erkrankung rechtzeitig Bescheid zu wissen. Nur dann können sie sich darauf einstellen und ihre Zukunft planen. Wenn Angehörige und Freunde informiert sind, räumt das mögliche Konflikte und Missverständnisse aus, die sonst aus der zunehmenden Vergesslichkeit entstehen könnten. Schließlich weiß dann jeder, dass der Betroffene nicht absichtlich oder aus Unachtsamkeit etwas vergisst, sondern wirklich nichts dafür kann.

Selbstständigkeit fördern

Wie gut ein Alzheimer-Patient zurecht kommt, hängt vor allem von der Betreuungssituation ab: Die Umgebung muss sich auf seine Bedürfnisse und Möglichkeiten einstellen, die noch vorhandene Selbstständigkeit fördern und darf nicht zu sehr beschützen. Patienten und Angehörige sollten sich gegebenenfalls beraten lassen und Hilfen in Anspruch nehmen. Und nicht zuletzt, lässt sich der Krankheitsverlauf durch Ergotherapie und durch Medikamente wie Acetylcholinesterasehemmer (Donepezil, Galantamin, Rivastigmin) mit dem Wirkstoff Memantin bremsen, wenn diese früh genug eingesetzt werden. Bei einem Drittel der Patienten mildern diese sogenannten Antidementiva die Symptome, bei einem weiteren Drittel führen sie zu einer leichten Verbesserung, doch bei jedem dritten Betroffenen bleiben sie wirkungslos.

Auf der Suche nach Auslöser und Therapiemöglichkeiten

Die Alzheimer-Forschung hat inzwischen große Fortschritte gemacht. So weiß man heute, dass die Krankheit bereits Jahrzehnte vor dem Auftreten der klinischen Symptome beginnt. Im Gehirn von Alzheimer-Patienten finden sich zwischen den Nervenzellen massenweise Eiweißklumpen, sogenannte Amyloid-Plaques. Die Forscher vermuten, dass diese Plaques Nervenzellen zerstören - bewiesen ist das aber noch nicht. Es ist ihnen gelungen, mit einer Impfung das körpereigene Immunsystem zur Bildung von Fresszellen anzuregen, die die Amyloid-Plaques im Gehirn auffressen.

Doch zu einer Besserung der Symptome führte diese Impfung bisher nicht. Die Wissenschaftler vermuten, dass es in den bisher behandelten fortgeschrittenen Krankheitsstadien zu spät ist, Alzheimer zu stoppen, weil die Veränderungen irreparabel sind. Deshalb arbeiten sie mit Hochdruck daran, die Erkrankung möglichst frühzeitig zu erkennen und zu behandeln - lange bevor erste Symptome auftreten.

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Interviewpartner

Im Studio:
Priv.-Doz. Dr. Marc Axel Wollmer
Chefarzt
Klinik für Gerontopsychiatrie und Zentrum für Ältere
Asklepios Klinik Nord - Ochsenzoll
Langenhorner Chaussee 560
22417 Hamburg
Tel. (040) 18 18 87 23 37
Fax (040) 18 18 87 16 05
Internet: www.asklepios.com/nord_geronto.Asklepios

Im Beitrag:
Dr. Roland Kurth
Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie
MVZ der ZIP gGmbH
Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) gGmbH
Niemannsweg 147
24105 Kiel
Tel. (0431) 99 00 46 23
Fax (0431) 99 00 46 33
Internet: www.zip-kiel.de

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Visite | 14.09.2015 | 20:15 Uhr

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