Kollagen als Pulver und Kapsel: Gut für Gelenke und Haut?

Stand: 28.05.2021 12:31 Uhr

Mit zunehmendem Alter nimmt die körpereigene Kollagen-Produktion ab. Die Folge: Die Haut wird zunehmend faltiger, die Muskulatur verliert an Elastizität. Was bringen die viel beworbenen Kollagen-Präparate?

Kollagen ist mit einem Anteil von 30 Prozent das am häufigsten im menschlichen Körper vertretene Eiweiß. Als sogenanntes Struktur-Protein gibt das körpereigene Kollagen Knochen, Gelenken, Muskeln und Sehnen Halt - ähnlich wie ein Fachwerk.

Darüber hinaus hält es Haut und Bindegewebe elastisch. Der Körper produziert Kollagen ständig selbst, vor allem aus den Aminosäuren Glycin, Prolin und Hydroxyprolin. Doch mit zunehmendem Alter nimmt die Kollagen-Produktion ab. Die Folge: Die Haut wird zunehmend faltiger, die Muskulatur verliert an Elastizität, die Sehnen werden weniger flexibel, die Knochen spröde und die Gelenke machen Probleme. Spürbar wird das vor allem, wenn ein Gelenk aufgrund einer Verletzung über längere Zeit ruhiggestellt werden muss: Dabei kommt es zu einer Verkürzung der Kollagenfasern des Kapsel-Band-Apparats. Sobald das Gelenk mobilisiert und wieder belastet wird, verlängern sich die Fasern wieder, da die mechanische Belastung des Bindegewebes dessen Kollagen-Gehalt erhöht.

Was bringen Kollagen-Präparate?

Vor allem im Internet wird industriell hergestelltes Kollagen massiv beworben. In Form von Pulvern, Kapseln, Trink-Ampullen oder Cremes soll es den altersbedingten Kollagen-Mangel ausgleichen und die Jugendlichkeit erhalten. Die Hersteller versprechen schönere Haut, gesunde Knorpel sowie stärkere Bänder und Gelenke.

Das in den Cremes enthaltene Kollagen soll in die oberste Hautschicht (Epidermis) eindringen können, sich dort ausdehnen und so Fältchen aufpolstern. Doch diesen Effekt schreiben Expertinnen und Experten vor allem dem in den Cremes enthaltenen Wasser zu, denn von außen zugeführtes Kollagen gelangt nicht dorthin, wo es eigentlich gebraucht würde. 

Auch Trink-Ampullen mit Kollagen sollen Falten ausgleichen können - von innen. Tatsächlich gibt es Studien, bei denen die Aufnahme von Kollagen in den Körper gemessen wurde. Doch das bedeutet nicht, dass ein erkennbarer und fühlbarer Effekt erzielt wird.

Kollagen-Pulver oder Kapseln: Was kommt in Gelenken an?

In Pulver- oder Kapselform soll Kollagen neben einer Faltenreduktion auch gesündere Gelenke, Knochen, Knorpel und Muskeln bringen. Einige Hersteller werben damit, dass ihr Kollagen dem menschlichen so ähnlich sein soll, dass es der Körper direkt einbauen kann. Gewonnen wird es aus Schlachtabfällen wie Schweineschwarte, Hühnerhaut und Fischresten.

Tatsächlich zeigen Studien, dass dieses Kollagen aus der Dose in Knochen und Gelenken ankommt - allerdings in seinen einzelnen Bestandteilen: Der Körper zerlegt das Kollagen in die Aminosäuren Glycin, Prolin und Hydroxyprolin, aus denen er dann körpereigenes Kollagen produzieren könnte. Doch ob das tatsächlich geschieht, ist völlig unklar. Die Aussage, der Körper würde das eingenommene Kollagen direkt in Muskeln, Sehnen und Gelenke einbauen, stimmt so also nicht.

Dauerhafte Kollagen-Einnahme nicht zu empfehlen

Expertinnen und Experten halten deshalb die Aussage, so ein Kollagenpulver könne Gelenkproblem verbessern oder verhindern für nicht haltbar. Da es sich um Nahrungsergänzungsmittel handelt müssen die Hersteller eine Wirksamkeit auch nicht in Studien nachweisen. Zudem gebe es keine Langzeiterfahrungen und keine Untersuchungen zu möglichen Folgen einer Überdosierung. Daher sei eine dauerhafte Einnahme bislang nicht zu empfehlen.

Wichtige Aminosäuren stecken auch in vielen Lebensmitteln

Die für die Kollagen-Produktion benötigten Aminosäuren stecken nicht nur in teuren Pulvern, sondern auch in vielen Lebensmitteln: Glycin ist in Rindfleisch und Lachs enthalten, aber zum Beispiel auch in Sojabohnen, Erbsen, Linsen, Haferflocken, Kürbiskernen, Reis, Erdnüssen und Weizenkeimen. Linsen und Tofu liefern Prolin. Hydroxyprolin steckt zwar nicht in pflanzlichen Lebensmitteln, sondern in Knochenbrühe und Gelantine. Der Körper kann es aber aus Prolin selbst herstellen. Dafür benötigt er Vitamin C als Coenzym. Vitamin C wird auch zur Kollagen-Produktion benötigt, ähnlich wie Kupfer, Zink und weitere Spurenelemente. Während diese Mikronährstoffe in den Pulvern meist fehlen, ist die Versorgung über eine ausgewogene Ernährung gesichert.

 

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