Stand: 14.10.2014 16:37 Uhr  | Archiv

Ist die tägliche Dosis Aspirin gesund?

Bild vergrößern
Aspirin gilt als das erfolgreichste Medikament der Welt.

Vor fast 100 Jahren meldete die Pharmafirma Bayer das Patent auf den Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) mit dem Handelsnamen Aspirin an. Seit 1977 steht ASS auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation. Aspirin gilt als das erfolgreichste Medikament der Welt.

Standardmedikament nach Herzinfarkt und Schlaganfall

Acetylsalicylsäure wirkt gleich vierfach: schmerzlindernd, fiebersenkend, entzündungshemmend und blutverdünnend. Heute ist ASS das Standardmedikament zur Therapie nach Herzinfarkten und Schlaganfällen. 90 Prozent aller Infarkt- und Schlaganfallpatienten bekommen das Medikament und müssen dieses ihr Leben lang täglich einnehmen.

Es ist eindeutig nachgewiesen, dass ASS das Risiko für einen erneuten Herzinfarkt oder Schlaganfall reduziert. ASS sorgt dafür, dass sich keine neuen Gerinnsel bilden. Die Dosierung ist allerdings vergleichsweise gering. Während die Dosis gegen Schmerzen zwischen 500 bis 1.000 Milligramm ASS pro Tablette liegt, nehmen Patienten zur Vorbeugung Tabletten mit jeweils nur 100 Milligramm des Wirkstoffes ein.

Wie jedes andere Medikament hat aber auch Aspirin Nebenwirkungen. Es kann Geschwüre und Blutungen im Magen oder Darm hervorrufen, weil es die Schleimhäute im Verdauungstrakt angreift. Das Medikament kann zudem Asthmaanfälle und Nierenschäden verursachen.

Prophylaktische Einnahme umstritten

Die Frage, ob ASS auch bei gesunden Menschen einen Herzinfarkt verhindern kann, wird seit Jahren diskutiert. Nach bisherigen Studienergebnissen ist der Effekt nicht eindeutig belegt. Eine generelle Empfehlung für eine prophylaktische Einnahme von ASS bei gesunden Menschen gibt es daher von Experten nicht.

Wirkung gegen Darmkrebs?

Dafür hat sich in den vergangenen Jahren herauskristallisiert, dass ASS eine vorbeugende Wirkung bei Darmkrebs hat. Studien haben gezeigt, dass die regelmäßige Einnahme von ASS das Risiko für das Auftreten von Tumoren im Magen-Darm-Trakt um etwa 40 Prozent reduzieren kann. Insbesondere Menschen mit einer familiären Darmkrebsvorbelastung scheinen von der prophylaktischen Einnahme zu profitieren. Zudem gibt es Hinweise dafür, dass auch die Prognose, also die Überlebenszeit und das Risiko für einen Rückfall, durch ASS positiv beeinflusst werden kann.

Interviewpartner im Beitrag:

Prof. Dr. Thomas Eschenhagen
Direktor des Instituts für Experimentelle Pharmakologie und Toxikologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg

Prof. Dr. Peter Layer
Ärztlicher Direktor des Israelitischen Krankenhauses
Direktor  der Medizinischen Klinik
Orchideenstieg 14
22297 Hamburg
Hotline: (040) 511 25 50 77 (Frau Dr. Mancke)

Prof. Dr. Cornelia Ulrich
Direktorin Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg
Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Im Neuenheimer Feld 460
69120 Heidelberg
Tel. (06221) 56 52 30
Fax: (06221) 56 52 31
Internet: www.nct-heidelberg.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 14.10.2014 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

08:27
Mein Nachmittag
02:58
Schleswig-Holstein Magazin
03:22
Nordmagazin